Die Leistung von Familienangehörigen, die einen demenzkranken Menschen zuhause pflegen, soll ab 2013 finanziell besser gestellt werden. Dieser Plan ist Teil der Gesundheitsreform des Gesundheitsministers Daniel Bahr (FDP). Darüber berichteten am 18. Januar 2012 das ZDF und weitere Medien in den Nachrichten. Zum 01. Januar 2013 sollen die Beiträge in der Pflegeversicherung um 0,1 Prozent steigen. Das spült 1,1 Milliarden Euro in die Kassen. Allerdings sind diese Mittel bereits ausgegeben. Ein erheblicher Betrag fließt in die Anhebung der Leistungen für demenzkranke Menschen. Ab Anfang 2013 werden etwa 500.000 Demenzkranke mehr Pflegegeld beziehungsweise höhere Sachleistungen erhalten. Gerade für Familienangehörige ist dieser Schritt wichtig. So soll auch das Pflegegeld bei Kurzzeitpflege zur Hälfte weiter bezahlt werden. Das ist auch gut so, denn auch die Angehörigen brauchen einmal einen Urlaub. In dieser Zeit können die Patienten in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung betreut werden. Leider deckt das bisherige Angebot an Plätzen in diesem Bereich den tatsächlichen Bedarf noch lange nicht ab. Trotzdem ist die Regelung ein Schritt in die richtige Richtung.

Zustimmung und Kritik an den Plänen

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Dr. Rudolf Seiters begrüßt die Anhebung des Pflegegeldes für Demenzkranke. Das Geld ist auch nach Meinung der SPD gut angelegt, allerdings kritisiert diese, dass ein tragfähiges Finanzierungskonzept fehlt. Gegenwärtig leben in Deutschland etwa 1,2 Millionen altersdemente Menschen. In 50 Jahren rechnen Experten mit der doppelten Anzahl. Dann wird das heute zur Verfügung stehende Geld nicht mehr reichen. Kritik kommt auch aus den Reihen der Opposition und von einigen Sozialverbänden. Diesen reicht der Ansatz nicht aus, einfach mehr Geld zu zahlen. Die Deutsche Hospiz-Stiftung vermisst einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von Demenzkranken. Auch sollten mehr Angebote an die Betroffenen gefördert werden. Geld für häusliche Pflege zu zahlen ist die eine Seite, praktische Unterstützung die andere.

Einstufung von Demenzkranken in eine Pflegestufe

Die Einstufung von Demenzkranken in eine Pflegestufe ist nicht leicht. Die Übergänge von der „Noch-Selbständigkeit“ bis zur „Pflegebedürftigkeit“ sind fließend. Körperlich sind demenzkranke Menschen oft noch so fit, dass die typischen Pflegeleistungen wie Waschen, Anziehen und Hilfe bei einfachen Tätigkeiten im Haushalt nicht notwendig sind. Die trotzdem nötige Pflege besteht in der Betreuung der Personen, die zwar noch selbst ihre Blumen gießen und teilweise sogar kochen, aber dazu eine Anleitung brauchen. Was habe ich gestern gekocht? Was soll ich heute kochen? Habe ich die Blumen schon gegossen? Das sind am Anfang noch harmlose Fragen, die zeigen, vieles klappt noch, aber alleine geht es nicht mehr. Gerade in dieser Phase ist es wichtig für die Betroffenen, möglichst lange noch möglichst vieles allein zu tun. Ein versalzenes Essen ist besser, als zu sagen: „Das kannst Du nicht mehr.“ Um die vergessene Herdplatte kümmern sich die Angehörigen. Das ab und zu aus Vergesslichkeit doppelt genommene Waschmittel bringt die Maschine zum Überschäumen. Auch das ist besser, als zu sagen: „Das kannst Du nicht mehr.“ Solange wie es eben geht, sollten demenzkranke Personen ihrem normalen Leben nachgehen. Das bedeutet auch, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung zuhause am besten zurechtkommen. Für die Angehörigen ist das nicht leicht. Es erfordert viel Toleranz und Liebe zu der Person, die immer wieder ganz alltägliche Dinge vergisst, die irgendwann kein richtiger Gesprächspartner mehr ist, die sich so deutlich verändert, obwohl es doch noch der gleiche Mensch ist. Die Regelung von finanziellen Dingen, die Kontrolle über die einzunehmenden Medikamente und die Einhaltung von Arztterminen, kurz die organisatorischen Aufgaben, die über den kleinen Alltag hinausgehen, haben die Angehörigen dann schon lange übernommen. Dazu fordert der DRK-Präsident Seiters: „Ehrenamtliche Arbeit und die Pflege zuhause muss deutlich besser gestellt werden.“

Heutige und zukünftige Leistungen für die Pflegestufen

Für die Pflege durch Familienangehörige erhält der Pflegebedürftige in der Pflegestufe Eins gegenwärtig 235 Euro. In der Stufe Zwei sind es 440 Euro und in der Stufe Drei 700 Euro. Zusätzlich wird zur sozialen Absicherung für die pflegende Person ein Betrag an die Rentenkasse gezahlt. Auch die Kombination von Sachleistungen aus ambulanter Pflege und häuslicher Pflege ist möglich. Demenzkranke, egal ob mit oder ohne eine Pflegestufe, erhalten für ihre familiäre Betreuung momentan 100 Euro monatlich, in besonderen Fällen 200 Euro. Diese Leistung wird umgangssprachlich als Pflegestufe Null bezeichnet. Ab 2013 sollen die genannten Beträge erheblich steigen. In der Pflegestufe Null sollen dann 120 Euro mehr gezahlt werden, in der Pflegestufe Eins 70 Euro und in der Pflegestufe Zwei 85 Euro mehr. Am deutlichsten steigen die Beträge bei den Sachleistungen für ambulante Pflege. Hier erhält ein Pflegebedürftiger der Stufe Eins zukünftig 215 Euro mehr, in der Stufe Zwei werden 150 Euro mehr gezahlt, die Stufe Drei bleibt dagegen unverändert. Genauere Zahlen zu den gegenwärtigen Ansprüchen mit einigen Rechenbeispielen übersichtlich zusammengestellt finden Sie auf einer Webseite des Arbeiter-Samariter-Bundes – Pflegesätze im Überblick.

Daniel Bahr räumt ein, dass so natürlich nicht alle Probleme gelöst sind. Trotzdem ist die geplante Anhebung der Pflegesätze ein guter Anfang. Nicht alle Pflegebedürftigen wollen und können in einem Heim betreut werden. Die häusliche Pflege ist ein wichtiger Pfeiler bei der Bewältigung des Pflegebedarfs, der angesichts der steigenden Zahlen von alten Menschen auf uns zukommt. Die Pflege von Demenzkranken im häuslichen Umfeld ist für die Pflegenden auch psychisch nicht leicht zu bewältigen. Wer es trotzdem leistet, hat die entsprechende Anerkennung in der Gesellschaft verdient.

Quellen und weitere Info:

ZDF-heute – Süddeutsche Zeitung – Focus – Pressemitteilung des DRK vom 18. Januar 2012