
- Computertomografie als führende Strahlungsquelle - Foto: bryanking
Die Nutzung radioaktiver Strahlen in der Medizin macht laut eines Berichtes des UNO-Komitees zur Wirkung atomarer Strahlung den Großteil der menschlichen Strahlungsaufnahme aus. „Medizinische Bestrahlung ist zu 98 Prozent für den Beitrag aller künstlichen Strahlenquellen zuständig und wird damit weltweit zum zweitgrößten Verursacher der von der Bevölkerung aufgenommenen Dosis“, erklärt das Wissenschaftliche Komitee zur Wirkung Atomarer Strahlung der Vereinten Nationen (UNSCEAR) in seinem jüngsten Bericht an die UNO-Generalversammlung.
40 Prozent mehr Röntgenaufnahmen als vor zehn Jahren
Radioaktive Strahlen produzieren freie Radikale, wenn diese auf den menschlichen Körper treffen. Eine zu hohe Belastung kann zu nachhaltigen Gewebeschäden und schließlich zum Tod führen. Auch die langfristige Bestrahlung mit schwächeren Dosen ist mit einem steigenden Risiko für gesundheitliche Schäden verbunden.
Zu diesem Thema wurde ein entsprechender UNSCEAR-Bericht am 17. August 2010 in einer Pressekonferenz am Rande der 57. Sitzung des Komitees in Wien diskutiert. Die Ergebnisse der Studie, deren Daten zwischen 1997 und 2007 erhoben wurden, zeigen, dass jährlich 3,6 Milliarden Röntgenaufnahmen vorgenommen werden. Das sind 1,1 Milliarden oder 40 Prozent mehr als in der Dekade zuvor. Die meisten medizinischen Strahlenanwendungen erfolgen in Ländern mit einem hochentwickelten Gesundheitswesen, wo die durchschnittliche medizinische Strahlenbelastung der Bevölkerung nunmehr 80 Prozent der natürlichen Quellen ausmacht.
Zwischen 1980 und 2006 stieg die medizinische Strahlung auf ein Niveau, das der natürlichen Strahlenmenge gleichkommt. Hauptverursacher sind die Computertomografie, diagnostische Röntgenaufnahmen, operative Eingriffe und die Nuklearmedizin. Nach dem UNSCEAR-Bericht besteht ein gravierender Wandel innerhalb der letzten Dekade darin, dass Patienten einer stärkeren Strahlung ausgesetzt sind, weil die Computertomografie rapide angewachsen ist. „In einigen Ländern bedeutet dies eine Ablösung der natürlichen radioaktiven Strahlung durch medizinische Strahlenbelastung als Hauptquelle aller Belastungskomponenten“, heißt es in der Studie.
Radioaktive Strahlung aus der Medizin steigt mit Ärztedichte
In der Dokumentation sind vier Stufen gesundheitlicher Maßnahmen genannt. In der höchsten Stufe 1 – die auf der Zahl von Ärzten pro Einwohner basiert – sind Röntgenuntersuchungen 65mal häufiger als in Ländern der Stufe 3 oder 4 mit der geringsten Ärztedichte. Allerdings wird auch festgestellt, dass mit zunehmender Entwicklung und breiterer Anwendung der Technik die medizinische Bestrahlung unabhängig vom Niveau der allgemeinen Gesundheitsfürsorge zunimmt. Nach dem UNO-Bericht schließt die natürliche Strahlung folgende Quellen ein: Das Inhalieren des in der Natur vorkommenden Gases Radon, das etwa die Hälfte aller natürlichen Dosen ausmacht; kosmische Strahlung; Einschlüsse natürlicher radioaktiver Elemente in Nahrungsmitteln und Wasser; und eine externe Einstrahlung natürlicher nuklearer Quellen aus dem Boden.
Neben der medizinischen Bestrahlung gehören zu den künstlichen Quellen, die zusammen zwei Prozent der gesamten künstlichen Strahlenmenge verursachen, die atmosphärischen Tests von Atomwaffen, deren Menge weiterhin sinkt; die berufsbedingte Belastung, wobei Bergleute, die Radonstrahlen ausgesetzt sind, am stärksten betroffen sind, während die Strahlenmenge von Atomkraftwerken ständig geringer wird; die nachlassende Wirkung der Havarie des Atommeilers von Tschernobyl im Jahr 1986; und der Nuklear-Energie-Kreislauf einschließlich Förderung, Kraftwerksaktivitäten und Entsorgung des Atommülls.
Dokumentation zu medizinischer Strahlung aus Geldmangel verspätet
All diese Untersuchungsergebnisse sind im ersten von zwei Bänden von Nachweisen enthalten, die den UNSCEAR-Bericht von 2008 zur medizinischen Strahlenintensität stützen. Der zweite Band befasst sich mit der Belastung der Öffentlichkeit und der Arbeiter durch verschiedene Quellen radioaktiver Strahlung. Die nunmehr erfolgte Veröffentlichung detaillierter Belege hatte sich auf Grund von mangelnden finanziellen Ressourcen und den damit verbundenen personellen Engpässen verzögert.
In Zukunft fasst das UNO-Sekretariat die Veröffentlichung der Nachweisdokumentationen zu den Forschungsergebnissen des Komitees in elektronischer Form und kürzeren Zeiträumen ins Auge. Die Datenerfassung soll von den nationalen Berichten der UNO-Mitgliedsstaaten profitieren und in Abstimmung mit internationalen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vorgenommen werden.
