Im Sommer ist er ein gern gesehener Gast der Strandgäste und Badenden im Uferbereich der Insel Sylt, Rügen oder auf Amrum.

Schweinswale spielen mit Badegästen auf Sylt

Dabei sind es nicht die Muttertiere mit ihren Kälbern, die sich übermütig unter die Badenden mischen, sondern die eineinhalb Meter langen, halbwüchsigen, heimischen Kleinwale, auch Flipper genannt. Im Unterschied zum grau-weißen Flipper Kaliforniens ist der Schweinswal der Ostseegewässer schwarz mit weißem Unterbauch und schwarzer Finne. Nicht selten umkreist ein Schweinswal aus Neugierde eine Segeljacht, so dass von Bord aus häufig auch mal falscher Haialarm geschlagen wird.

Der Schweinswal gehört zur Familie der Zahnwale. Wale existieren seit dem Verschwinden der Dinosaurier vor 60 Millionen Jahren.

Allein mit Muskelkraft schießt ein Delfin beim Jagen mit 70 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit durchs Wasser. Vor Südafrika sieht man sie nicht selten auch auf Wellen reiten. Zusammen mit den Surfern gleiten sie auf den sich überstürzenden Wellen in die Meerestiefe, um mit der nächsten Welle wieder aufzutauchen.

Orkas: Große Delfine jagen Kleine

Vor Kanadas Ostküste bekommt man nicht selten ein dramatisches Schauspiel zu Gesicht. Eine Schule von Schwertwalen drückt mit dem Oberkörper bei der Jagd einen Schweinswal unter die Meeresoberfläche, um ihn zum Verzehr einzukreisen. Vor Großbritannien ist der Feind des kleinen Zahnwals der Große Tümmler, der einen Schweinswal mit seiner kräftigen Schnauze, die einen Hai zu töten vermag, aus dem Wasser spielerisch in die Luft hievt. Ein rabiates Kräftespiel, das den Tod der kleinen Wale verursachen kann.

Risiken für den Schweinswal in Ost- und Nordsee

In der Ostsee hat der Schweinswal eigentlich keine Feinde. Walexperten und Meereswissenschaftlicher bedauern aber, dass es in der Ostsee keinen Quadratkilometer mehr gibt, der nicht von der Fischerei genutzt wird. Bis zu viermal pro Jahr fegen die Industriefischer mit Schleppnetzen den Meeresgrund leer. Im Netz bleibt alles Leben hängen, angefangen bei den Mikrobodenorganismen bis zum schmackhaften Hering oder Dorsch. Dabei sind die Fangmethoden mit Grundschleppnetzen nicht die Hauptgefahr für den kleinen Nord- und Ostseetümmler. Fischt der Schweinswal am Meeresboden mit seiner Schnauze, geschieht es nicht selten, dass er in den reißfesten kilometerlangen Grundstellnetzen mit der Brust- oder Rückenflossenspitze oder gar der Schnauze hängenbleibt und dann als Lungenatmer, der nicht mehr auftauchen kann, erstickt.

„Über 50 Prozent aller Schweinswale, die an den Stränden tot angespült werden, sind Beifänge“, erklärt der Meeresbiologe und Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund Harald Benke.

Vor zehn Jahren haben dänische Wissenschaftler festgestellt, dass „allein beim Fang der Plattfische und Dorsche 10.000 Schweinswale in der Nordsee als Beifang mit ins Netz gingen“, führt Meeresbiologe Benke weiter aus. Meistens werden die toten Wale von den Industriefischern wieder über Bord geworfen, so dass deren Körper mit Netzmarkierungen schließlich durch die Strömung an die Strände der Ost- und Nordsee angespült werden. Doch die Grundstellnetze und steigende Fischarmut der See als abnehmende Nahrungsgrundlage der Wale sind nicht die einzigen Gefahren.

Industriegeräusche stören Echoortungssystem der Wale

Der Wal orientiert sich unter Wasser über sein feines Gehör und Echos, die er kontinuierlich an seine Umgebung aussendet. Dabei könnte der kleine Wal über sein Echoortungssystem die Fischernetze unter Wasser durchaus erkennen. Doch, wenn er gerade auf Fische Jagd macht, beansprucht dies seine ganze Konzentration. Dazu kommt noch die zunehmende Verlärmung der See durch die Verkehrsschifffahrt, Ölplattformen und den Ausbau der Offshore-Windparks in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) seit dem Jahr 2000, also im Bereich der 12 bis 200-Meilen-Zone vor der Küste.

Gerade Mutter-Kind-Gruppen können sich durch den Lärm der Schiffsmotoren, der Sprengungen oder beim Rammen der Windräder in den Meeresboden verlieren. Denn, während die Muttertiere zum Fischen abtauchen, warten die Kälber an der Wasseroberfläche, um dann gesäugt zu werden. Bei Höllenlärm unter Wasser finden die Mütter ihre Kälber jedoch nicht wieder.

Projekt SAMBAH zum Schutz der heimischen Wale

So beobachten Meereswissenschaftler den Rückgang der Population seit fast zwei Jahrzehnten. Allein im Gebiet der eigentlichen Ostsee, östlich der Darßer Schwelle, ist der Bestand zwischen 1995 und 2002 von 600 auf 150 Individuen gesunken. Die Zahlen basieren auf Flugzeugzählungen. Die Ungenauigkeit dieser Schätzungen aber sowie die Sorge um den Schutz der Kleinwale haben dazu geführt, dass die europäischen Ostsee-Anrainer-Staaten das internationale Projekt SAMBAH gestartet haben, um Anzahl und Verbreitungsgebiet zu ermitteln. Derzeit werden im gesamten Untersuchungsraum die Laute der vorbeischwimmenden Schweinswale mit Unterwassermikrofonen aufgezeichnet. In der deutschen Ostsee betreut das Deutsche Meeresmuseum die Hydrophone.

Neben der Erforschung der Wanderrouten und Schutzgebiete hat das Wissenschaftlerteam aus Stralsund ein umfassendes Informationsnetz entwickelt. Surfer, Taucher, Schwimmer und Segler können gesichtete oder gestrandete Wale im Bereich Mecklenburg-Vorpommern dem Museum telefonisch oder online melden. Die gesammelten Daten werden als Schutzempfehlungen an Wirtschaft und Politik sowie Naturschutzverbände weitergegeben.