Mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Einfluss auf das Immunsystem

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind wertvoll, da sie regulierend in den Entzündungsstoffwechsel eingreifen und so zum Beispiel Allergien vorbeugen können.

Von besonderer Bedeutung für das menschliche Immunsystem sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie sind hauptsächlich als Vorstufen von Mediatorsubstanzen bedeutsam und haben Einfluss auf spezifische wie auch auf unspezifische Immunreaktionen. Da sie nicht endogen (innerhalb des Körpers) synthetisiert werden können, gehören sie zu den essentiellen Fettsäuren und müssen mit der Nahrung zugeführt werden.

Formen mehrfach ungesättigter Fettsäuren

Das Spektrum mehrfach ungesättigter Fettsäuren beeinflusst die Verfügbarkeit von Vorstufen für die Eicosanoid-Produktion. Hierzu zählen insbesondere die in Fischöl vorkommenden langkettigen Omega-3-Fettsäuren

  • Eicosapenthaensäure,
  • Docosapenthaensäure und
  • Docosahexaensäure.

Der Konsum von Eicosapenthaensäure kann die Produktion von Interleukin (IL)-1-Alpha und -Beta ebenso wie die Produktion von Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-Alpha und -Beta hemmen. Die anti-entzündlichen Eigenschaften von Fischöl können unter anderem eine verminderte Produktion von Entzündungsmediatoren wie zum Beispiel Leukotrien B4 hervorrufen. Japanische Forscher fanden heraus, dass Docosahexaensäure die Entzündung und Immunantwort bei kontaktallergischen Reaktionen bei Mäusen unterdrückt. In der Studie wurde der Einfluss der Docosahexaensäure in Abwesenheit von Eicosapenthaensäure auf die Entzündungsreaktion bei Kontakthypersensibilität von Mäusen überprüft. Die Wissenschaftler beobachteten eine Reduzierung der allergischen Symptome sowie eine Verminderung der Expression von Interferon-(IFN)-Gamma, IL-6, IL-1-Beta und IL-2-mRNA. Daraus kann man auf antiinflammatorische (entzündungshemmende) und immunosuppressive (das Immunsystem unterdrückende) Eigenschaften der Docosahexaensäure schließen. Die immunosuppressive Wirkung von Fischöl scheint hauptsächlich auf die Wirkung der Docosahexaensäure zurückzuführen sein.

Wirkung von Eicosanoiden

Prostaglandin zum Beispiel ist ein Eicosanoid mit gewebespezifischer Wirkung. Es stimuliert die Entstehung von Phospholipidschichten zum Beispiel auf der Oberfläche der Magenmucosa (Magenschleimhaut) und wirkt so zytoprotektiv (zellschützend). Weiterhin kann Prostaglandin die Funktion von Monozyten und Makrophagen beeinflussen und dadurch immunmodulierend wirken. Auch die Aktivität der Natürlichen Killerzellen wird durch Prostaglandine reduziert. Das in den Endothelzellen von Blutzellen gebildete Prostacyclin hemmt die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen) und erweitert die Gefäße. Als Gegenspieler zum Prostacyclin wirkt das Thromboxan gefäßverengend und verstärkt die Thrombozytenaggregation (Vorgang zum Verschluss verletzter Blutgefäße). Die Leukotriene sind für die Kontraktion der glatten Muskulatur verantwortlich und besitzen darüber hinaus eine immunmodulative und entzündungsinduzierende Wirksamkeit.

Dies lässt den Schluss zu, dass eine Erhöhung der Bereitstellung von Eicosanoiden aus Omega-3-Fettsäuren den Entzündungsstoffwechsel günstig beeinflussen und damit das Immunsystem unterstützen kann.

Bei Bevölkerungen mit höherem Fischkonsum treten bestimmte allergische Erkrankungen und Asthma seltener auf. Die Gabe von Fischölsupplementen sowie eine Diät mit hohem Omega-3-Fettsäuregehalt zeigte aber keine positiven therapeutischen Auswirkungen auf die klinischen und biochemischen Parameter bei Kindern mit Asthma.

Empfehlungen für die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren

Entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte die Fettzufuhr bei gesunden Erwachsenen nicht mehr als 30% der Tagesenergiezufuhr ausmachen. Aus präventiver Sicht wird empfohlen, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren möglichst im Verhältnis 5:1 aufzunehmen. Da diese Fettsäuren bei der Kettenverlängerung um das gleiche Enzymsystem konkurrieren, kann ein unausgewogenes Verhältnis das Gleichgewicht antagonistisch wirkender Eicosanoide beeinträchtigen. Dies kann zum Beispiel eine Verstärkung der Entzündungsprozesse zur Folge haben. Eine fischölreiche Kost führt zu einer hohen Zufuhr an ungesättigten Fettsäuren des Omega-3-Typs und kann so die Freisetzung von Eicosanoiden aus der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure reduzieren.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel den eines Arztes - nicht ersetzen kann!

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