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Mehrgenerationen-Wohnprojekte

Wie entstehen sie und für wen ist gemeinschaftliches Wohnen ideal?

Menschen, die selbst bestimmt alt werden möchten, versprechen sich von dieser Alternative zu Seniorenwohnen und Pflegeheim mehr Lebensqualität.

Seit über 20 Jahren gibt es gemeinschaftliche Wohnprojekte. Der Begriff fasst eine ganze Reihe unterschiedlicher Konzepte zusammen: Neben Wohn- und Hausgemeinschaften gewinnen vor allem Mehrgenerationen-Wohnprojekte an Popularität.

Und das nicht ohne Grund: Von 1700 Projekten in Deutschland wählte das „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 500 Häuser aus, die mit Mitteln des ESF (Europäischer Sozialfonds) gefördert werden. So erhält jedes dieser Häuser fünf Jahre lang jährlich 40.000 Euro. Zwar sollen diese Projekte vor allem als Begegnungsstätte für alle Generationen das Zusammenleben entwickeln und befördern. Von diesem publikumswirksamen Anstoß profitieren aber mittlerweile auch die reinen Wohnprojekte.

Gemeinschaftliches Wohnen kombiniert Eigenständigkeit mit Solidarität

Menschen, die sich für diese Wohnform entscheiden, möchten selbst bestimmen, wo, wie und mit wem sie zusammenleben wollen. Es gibt zahlreiche Wohnprojekte, in denen sich bewusst nur ältere oder jüngere Menschen zusammenfinden. Generationenkonzepte hingegen vereinen junge Familien, Alleinerziehende, Paare und Alleinstehende jeden Alters unter einem Dach. Sie alle weisen jedoch gemeinsame Strukturmerkmale auf, die Claudia Lamsfuß, Beraterin für neue Wohnformen, so beschreibt: „Eine aktive und engagierte Bewohnerschaft, gegenseitige Hilfe und Unterstützung, eine Mischung verschiedener sozialer Gruppen sowie Baukonzepte, die die Gemeinschaft fördern.“

Im Gegensatz zu herkömmlichen Nachbarschaften haben gemeinschaftliche Wohnformen den Anspruch, Probleme durch Kommunikation zu lösen. Das Zusammenleben in einem Wohnprojekt, weiß die Expertin, sei nicht immer einfach und verlange den Menschen ein gewisses Maß an Toleranz ab. Die Diplom-Sozialarbeiterin vermittelt seit Jahren als Moderatorin in verschiedenen Projekten im Rheinland und kennt die „gruppendynamischen Reibungsflächen“. Die besondere Belohnung dieser konstruktiven Beziehungsarbeit sei für alle Beteiligten, dass verlässliche zwischenmenschliche Strukturen entstehen, die auch in besonderen Notlagen tragen: „Sich umeinander zu kümmern und zu bemühen, wirkt nicht nur Vereinsamungstendenzen entgegen, sondern birgt eine große Integrationskraft“.

Besonders für Senioren eignet sich gemeinschaftliches Wohnen

Es sind zunehmend Senioren, die im Alter bewusst ihre Wohnsituation ändern wollen und nach Abschluss der Familien- und Berufsphase eine neue Orientierung in einer anderen Lebensform suchen. Dabei möchten sie im Falle von Hilfe- und Pflegebedürftigkeit Vorsorge treffen. Immer mehr Wohnprojekte berücksichtigen deshalb schon in der Planungsphase Aspekte wie Barrierefreiheit oder prüfen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Pflegediensten oder die Entwicklung von Pflegewohngruppen.

So können gemeinschaftliche Wohnprojekte entstehen

Der erste Schritt zu einem Wohnprojekt ist meist eine Informationsveranstaltung – initiiert von Kommunen, Interessengruppen und Vereinen. Hier lernt man Gleichgesinnte kennen, mit denen man anschließend weiterplanen kann. Keiner muss übrigens dabei das Rad neu erfinden. Um Fehler zu vermeiden oder Probleme frühzeitig zu erkennen, sollte man die Erfahrung von Experten nutzen:

  • Das „Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V., Bundesvereinigung“ (FGW), gegründet 1992, ist ein Zusammenschluss von Vereinen und Einzelpersonen, die gemeinschaftliche, generationsübergreifende Wohnformen bekannt machen, initiieren und verwirklichen. Der Verein hat Mitglieder in allen Bundesländern und unterhält neben der Geschäftsstelle in Hannover ein Netz von regionalen Kontaktstellen
  • IdeenWerkstatt Wohnen veranstaltet unter anderem Workshops und mehrtägige Informationsseminare, hilft bei der Wohnprojektgründung und begleitet gemeinschaftliche Projekte in allen Phasen.
  • Eine Suchfunktion für bereits bestehende Projekte und ein Verzeichnis von Beratungsstellen und Beratern bietet das Wohnprojekte-Portal.
  • Mit seinem Buch "Optimales Wohnen im Alter" hat Hans-Herbert Holzamer, viele Jahre Redakteur bei Welt und Süddeutscher Zeitung, einen Ratgeber zusammengestellt, der alle notwendigen Grundinformationen liefert und als Entscheidungshilfen dienen kann.
  • Dorette Deutsch gibt in ihrem Buch "Lebensträume kennen kein Alter" einen Einstieg in die Thematik, indem sie über 20 Wohnprojekte und Initiativen in Deutschland vorstellt.
Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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