
- Großfamilie - Jürgen Klüh/Pixelio.de
In Patchworkfamilien prallen unterschiedliche Charaktere aufeinander, die nicht, wie in einer Regelfamilie, genetisch verbunden und über Jahre zusammengewachsen sind. In dem Moment, in dem sich die beiden Familien treffen, ist jede Familie für sich an einem bestimmten Punkt im Leben angekommen. Beide Partner haben in der Regel bereits ein Leben als Familie hinter sich und oft unterschiedliche Erziehungsansichten.
Die Erlebnisse der beteiligten Kinder bis zu diesem Zeitpunkt endeten meist mit der Trennung ihrer Eltern, der Neuorientierung mit einem Elternteil oder dem Arrangieren mit der Tatsache, zwischen beiden Elternteilen zu pendeln. Bildet sich die neue Familie, ist die Euphorie anfangs im Idealfall groß. Schnell merkt man jedoch, dass Theorie und Praxis weit auseinander klaffen, dass die Illusion auf ein harmonisches Miteinander schnell verpufft. Man muss sich eingestehen, dass man es sich so nicht vorgestellt hat.
Das ist kein Grund zu verzweifeln! Es gibt Einiges, was Ihnen das Zusammenleben mit der Familie Ihres Partners erleichtern kann. Vergessen Sie nie: Auch in einer Regelfamilie bietet der Alltag mehr Konflikte als "glückliche" Momente.
Erwartungen
Stehen Sie noch am Anfang Ihrer Patchworkträume, versuchen Sie, keine zu hohen Erwartungen an das Patchworkleben zu stellen. Wie in allen Bereichen im Leben gilt auch hier: Je höher die Erwartungen, desto größer die Enttäuschung, wenn diese Erwartungen sich nicht erfüllen.
Befinden Sie sich mitten im Patchworkleben, vielleicht gerade an dem Punkt, an dem Sie spüren, wie stark Theorie und Praxis zweierlei Dinge sind, überprüfen Sie ihre Erwartungen. Schalten Sie, wenn nötig, vorübergehend 1-2 Gänge zurück. Das kann vor allem Sie selbst schützen, da Ihre Energie nicht mehr zu einem großen Teil in die Erfüllung Ihrer Erwartungen fließt und somit an anderer Stelle zur Verfügung steht.
Meine Kinder, deine Kinder
Ein sehr sensibler Bereich. An keiner Stelle gibt es mehr Zündstoff, als in den Angelegenheiten rund um die Kinder. Entweder die der eigenen oder die des Partners. Der Alltag wird auch in der Patchworkfamilie von den Kindern bestimmt. Ich empfehle Ihnen: Nehmen Sie sich zurück, in allem, was die Kinder ihres Partners betrifft, denn es geht bekanntlich nicht darum, seinen Kindern die Mutter/den Vater zu ersetzen.
Das angestrebte Ziel ist es, den Kindern des Partners ein Freund oder eine Freundin zu sein. Wie oben bereits erwähnt, haben alle Kinder einer Patchworkfamilie meist einige, in der Regel, negative Erfahrungen hinter sich. Wenn Sie es schaffen, Vertrauen aufzubauen, liegen Sie weit vorne.
Natürlich müssen alle Kinder gleichermassen einige wenige Regeln innerhalb der Gemeinschaft einhalten und darauf sollte jeder der Erwachsenen achten. Die Kinder des Partners zu "erziehen" ist jedoch nicht Ihre Aufgabe. Sind Sie nicht selbst unmittelbar in einen Konflikt mit dem Kind Ihres Partners verwickelt, können Sie die Arbeit getrost Ihrem Partner überlassen. Die Herausforderung dabei: Reagiert ihr Partner anders, als Sie es getan hätten, führen Sie bei Bedarf ein Gespräch mit ihm über den Sinn und Unsinn seiner Reaktion, aber Achtung! Er trifft die Entscheidung über seine Kinder, und da sollten Sie ihm nicht zu sehr hinein reden. Anders herum wünschen auch Sie sich, dass er Ihre Entscheidungen Ihre Kinder betreffend akzeptiert.
Probieren Sie es aus. Wie fühlt es sich für Sie an? Es kann sehr erleichternd sein.
Viele behaupten, sie behandeln die eigenen Kinder und die des Partners gleich und die Kinder ihres Partners sind wie ihre eigenen Kinder. Herzlichen Glückwunsch, wenn das auf Sie zutrifft!
Wenn nicht, auch Ihnen herzlichen Glückwunsch! Denn Sie haben den Mut, sich Ihr Gefühl einzugestehen. Das Gefühl, dass es für Sie Unterschiede gibt. Dass Sie wütend sind, wenn Sie mal wieder glauben, dass die Kinder Ihres Partners völlig "verzogen" sind. Dass es Momente gibt, in denen Sie insgeheim Ihre eigenen Kinder gern bevorzugen möchten. All das sind natürliche Emotionen, die erlaubt sind, und die angenommen werden können, ohne dass sie das Familienglück zerstören.
Familienauszeit
Patchworkleben kostet Kraft. Da kann es hilfreich sein, sich in seiner ursprünglichen Familienkonstellation ab und zu eine Auszeit zu nehmen. Schnappen Sie sich Ihre Kinder und verbringen Sie einen gemeinsamen Tag oder einige Stunden allein miteinander. Tun Sie Dinge, die vielleicht in der letzten Zeit etwas vernachlässigt wurden. Stehen Sie auch hier zu Ihrem Gefühl, dass diese Auszeit ihr Wunsch ist und genießen Sie. In der Geometrie bilden zwei Kreise eine gemeinsame Schnittmenge. Wenn man diese Schnittmenge mit der Patchworkfamilie vergleicht, darf man nicht vergessen, auch dem Rest des Kreises Aufmerksamkeit zu schenken.
Patentrezepte
Patentrezepte gibt es leider nicht. Jede Familienkonstellation ist anders und jede Familie muss ihre eigenen Wege finden. Aber es lohnt sich, denn vor allem mit Blick auf die Kinder wurde festgestellt, dass sie trotz oder gerade wegen der Schwierigkeiten, Hindernisse und Konflikte im späteren Leben eine hohe soziale Kompetenz aufweisen.
Egal, in welcher Familienkonstellation - das Leben hält naturgemäß Probleme und Krisen für uns bereit, damit wir an Ihnen wachsen und die Chancen nutzen, um an uns zu arbeiten.
