Melamin - tödliche Gefahr in Milchprodukten

Ein weiterer Lebensmittelskandal erschüttert China

Und wieder siegte Profitgier über Moral - durch Panschereien in Milchprodukten erkrankten tausende Kleinkinder, einige sind bereits gestorben

Leicht zu verwechseln ist Melamin mit Melanin, einem körpereigenen Wirkstoff der menschlichen Haut, der durch Sonneneinstrahlung Auswirkungen auf die Hautfarbe hat. Daher klingt es erst einmal recht harmlos.

Melamin, der Wirkstoff, der in China Milchpulver und wie jetzt erst bekannt auch Frischmilch beigesetzt wurde, ist eine stickstoffreiche, organische Chemikalie. Wegen seines hohen Stickstoffgehalts kommt Melamin auch bei der Herstellung von Düngemitteln zum Einsatz. Der Proteingehalt von Nahrungsmitteln lässt sich unter anderem durch das Messen des Stickstoffgehalts bestimmen.

Melamin - den Meisten bisher unbekannt

Traurige Bekanntheit erlangt das Melamin dieser Tage. Um zu vertuschen, dass Milch und Milchpulver gestreckt wurden, setzten gewissenlose Hersteller Melamin hinzu, um den Stickstoffgehalt, beziehungsweise den Proteingehalt normal hoch erscheinen zu lassen. Da gerade die Kleinsten und Schwächsten mit Milchpulver gefüttert werden, sind bisher (nach offiziellen Angaben, die nicht unebdingt stimmen müssen) über 6.200 Kinder an einem Nierenleiden erkrankt, vier Babies starben bisher. Melamin kann die Bildung von Nieren- und Blasensteinen bewirken, weil es in Verbindung mit anderen Chemikalien Kristalle bildet.

Sanlu, der führende chinesische Produzent von Milchpulver hatte anscheinend schon im März erste Hinweise auf Probleme mit seinen Produkten erhalten. Anfang August bestätigten Tests diesen Verdacht, allerdings rief Sanlu sein Milchpulver erst im September zurück.

Nun fanden staatliche Inspektoren in mehr als zehn Prozent aller untersuchten Frischmilchprodukte ebenfalls die gefährliche Chemikalie. Davon betroffen sind die größten Molkereien des Landes.

Nach Aussage der Behörden ist Frischmilch, die nach dem 14. September (also dem Tag nach Bekanntwerden des Skandals) hergestellt wurde, sicher. Dass viele Menschen trotzdem Angst haben, ist verständlich. So gaben einige besorgte Eltern an, ihr Kind ab jetzt nur noch mit Reis zu füttern.

China und seine Lebensmittelskandale

Nun ist kein Land gefeit vor miesen Machenschaften im Lebensmittelproduktionsbereich, auch in Deutschland gab es den Gammelfleischskandal. Jedoch scheinen in China Skrupellosigkeit und stetig wachsender Bedarf nach noch mehr Lebensmitteln regelmäßig eine unheilige Allianz zu bilden. So gab es in den letzten Jahren Garnelen, die in verbotenen Nährmittellösungen gezüchtet wurden, Schweinefleisch mit Asthmamitteln, Gemüse mit hohem Pestizidanteil und so weiter.

2002 hatte China bereits seinen ersten Kindermilchskandal. Zwölf tote Kinder und Hunderte, die nach Fütterung mit gepanschter Milch einen Wasserkopf bekamen, waren damals der Preis.

Leider reagieren die Behörden fast immer erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Verantwortliche werden meist nur ermahnt, was nicht unbedingt zu einer Veränderung des Verhaltens führt. Eine Erklärung, wie es überhaupt zu dieser Vielzahl an Skandalen kommen kann: Es fehlen wirksame Kontrollen.

Südkoreanische Ermittler haben Melamin in Fischfutter aus China entdeckt. Eine einheimische Firma verarbeitete Pulver aus Teilen von chinesischem Tintenfisch. Nun wurden Ermittlungen aufgenommen, um festzustellen, welche Teile verseucht waren.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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