
- Melancholia, Film - Lars von Trier
Lars von Triers Film Melancholia spielt in der Zeit unmittelbar vor der Katastrophe und schildert sie aus der Perspektive zweier Schwestern, Justine, gespielt von Kirsten Dunst, und Claire, gespielt von Charlotte Gainsbourg. Entsprechend teilt er sich in zwei Teile, wobei im ersten Justines gescheiterte Hochzeit geschildert wird, und im zweiten auf demselben herrschaftlichen Landhotel am Meer die unmittelbare Zeit vor dem Zusammenstoß aus der Perspektive Claires. Dem ersten Teil vorangestellt ist ein, wenn man nur die einzelnen Bilder und Szenen beurteilt, beeindruckendes Vorspiel mit Szenen der Apokalypse, die man am Ende des Filme wieder erreicht, so daß der Kreis sich schließt. Der Film beginnt mit der Katastrophe, springt dann nach dem Vorspiel zeitlich zurück, um am Ende wieder am Anfang anzukommen.
Das Vorspiel
Das Vorspiel ist das mit Abstand Beste an dem ganzen Film. Danach hätte man fast wieder nach Hause gehen können. Die einzelnen Bilder und Szenen sind von herausragender fotografischer Qualität und zeigen das Landgut sowie die Erde und den herannahenden Planten Melancholia kurz vor der Vernichtung der Erde und diese Vernichtung selbst. Trotz ihrer Vollkommenheit wirken sie wie das Ende von Star Wars Episode III mit seiner Jedi-Apokalypse und Greenaways Der Bauch des Architekten in ihrer Verbindung und Abfolge zu monolithisch. Es entsteht kein filmischer Zusammenhang, der das Vorspiel zu einem wirklich gelungenen Kurzfilm machen würde. Der Realitätsgehalt des Vorspieles bleibt vorerst offen und seine Szenen erweisen sich später zum Teil als irreal, z. B. trägt Justine während der Katastrophe kein Brautkleid mehr. Sie haben so mehr den Charakter von Vorahnungen.
Der erste Teil: Justine
Nach den starken Bildern des Vorspieles fällt die Hochzeit mehr oder weniger zwangsläufig schwach aus. Filme über Hochzeiten sind immer genauso furchtbar wie diese selbst,und, daß die Mutter von Justine letzteres selbst im Film ausspricht, macht es auch nicht besser. Geradezu quälend sind die einfallslosen Dialoge - von Trier sollte sich für seine Geschichten einen guten Dialogschreiber suchen! -, die es den Schauspielern nicht gerade leicht machen, ihren Rollen etwas Pfiff zu geben. Selbst die vielen bekannten Nebenschauspieler bleiben völlig blaß. Immerhin wird die Hauptdarstellerin Justine schon während ihrer Hochzeit von Melancholie befallen und krank, passend zum Namen des todbringenden Planeten. Sie wird von Vorahnungen und Unwohlsein heimgesucht, wie bald die ganze Erde vom Planeten Melancholia. So scheitert ihre Ehe schon während der Hochzeit in Vorahnung der Katastrophe.
Der zweite Teil: Claire
Im zweiten Teil, der zu der Zeit des Vorspieles hinführt, wird das Geschehen auf dem Landsitz vor der Katastrophe aus der Perspektive Claires und ihrer Familie, einem Sohn und dem Ehemann, gespielt von Kiefer Sutherland, dargestellt. Der Ehemann versucht vor allem die Ängste seiner Frau zu zerstreuen, in dem er ihr versichtert, daß der Planet nur vorbeiziehen werde, was aber nach dem Vorspiel, das sich immerhin vielleicht noch als insgesamt irreal herausstellen könnte, und dem eher schwermütigen Charakter des Films, der vor allem durch die Filmmusik - Wagners Tistan und Isolde -, die schon das Vorspiel beherrschte, andauernd herausgestellt wird, im Zuschauer auch keine Hoffnung oder Spannung im Sinne eines etwa offenen Ausganges mehr wecken kann.
Der Film bleibt schwermütig und melancholisch und soll Hoffnungslosigkeit ausdrücken. Auch der gelungene Versuch Justines, wenigstens dem Jungen noch eine Hoffnung zum Überleben zu geben, wirkt nicht mehr überzeugend.
