
- Melinda Nadj Abondij - Deutscher Buchpreis 2010 - Gaetan Bally
Der Träger des Deutschen Buchpreises 2010 steht fest. Die Jury entschied sich unter den sechs Finalisten für Melinda Nadj Abonji und ihren Roman "Tauben fliegen auf". Im Kaisersaal des Frankfurter Römer erfuhr die Autorin am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von der Ehrung. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde vom Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, übergeben. Grundsätzlich erfahren die Finalisten erst am Abend der Preisverleihung von ihrem Sieg oder ihrer gemeinsamen Zweitplatzierung.
Melinda Nadj Abondi – "Tauben fliegen auf"
Melinda Nadj Abondi wurde 1968 im serbischen Becsej geboren, ihre Muttersprache ist eigentlich Ungarisch. Ihre Familie gehört zu den jugoslawischen "Traum-Ausländern", die sich in den 70er Jahren in der Schweiz niederließen. Die Geschichte erzählt das Schicksal der Familie Kocsis, Teil einer ungarischen Minderheit in Nordserbien, die in die Schweiz übersiedelt. Sie handelt von den Problemen der Anpassung, von Ausländerfeindlichkeit und von der Rückkoppelung an die durch den Balkankrieg untergehende Heimat in der von vielen verschiedenen Minderheiten bevölkerten Vojvodina. Die Romanerzählung setzt 1993 ein, drei Jahre nach Kriegsbeginn.
Trostpreise für Jan Faktor, Thomas Lehr, Doron Rabinovici, Peter Wawerzinek, Judith Zander
Alle Autoren, die auf der Shortlist stehen, können mit hohen Auflagen und vielen Lesern ihrer Romane rechnen und bekommen einen Trostpreis von 2.500 Euro. Auch die Aufnahme in die Longlist gilt bereits als erster Schritt einer literarischen Adelung. Folgende Titel waren für die Endrunde 2010 nominiert worden:
- Jan Faktor: Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag (Kiepenheuer & Witsch, März 2010)
- Thomas Lehr: September. Fata Morgana (Carl Hanser Verlag, August 2010)
- Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf (Jung und Jung Verlag, August 2010)
- Doron Rabinovici: Andernorts (Suhrkamp Verlag, August 2010)
- Peter Wawerzinek: Rabenliebe (Galiani Berlin, August 2010)
- Judith Zander: Dinge, die wir heute sagten (Deutscher Taschenbuch Verlag, September 2010)
Drei der sechs für die Shortlist nominierten Autoren sind außerhalb des deutschen Sprachraums geboren: Preisträgerin Melinda Nadj Abonji, Doron Rabinovici und Jan Faktor. Zwei von ihnen – Peter Wawerzinek und Judith Zander – wuchsen in der ehemaligen DDR auf. Auch der gebürtige Tscheche Jan Faktor lebte seit 1978 in Ost-Berlin. Thomas Lehr wurde als einziger nominierter Schriftsteller im Westen geboren (in Speyer), er lebt heute in Berlin
20 hervorragende Romane standen auf der Longlist 2010
Für die Longlist 2010 hatte die Jury des Deutschen Buchpreises 20 Romane aus 148 deutschsprachigen Titeln ausgewählt, deren Erscheinungstermin zwischen Oktober 2009 und September 2010 liegt. Der Deutsche Buchpreis wurde 2010 zum sechsten Mal von der Börsenverein-des-Deutschen Buchhandels-Stiftung vergeben. Die Resonanz und die Erfolgsgeschichte dieses Literaturpreises für den "besten deutschsprachigen Roman des Jahres" sucht ihresgleichen. Nicht nur die diskussionsfreudigen Leser, vor allem auch die Verlagsbranche profitierte von dieser Initiative.
Erfolgsgeschichte für deutschsprachigen Buchmarkt
Wie der Börsenverein meldet, war bereits der erste Siegertitel des Jahres 2005, Arno Geigers Roman "Es geht uns gut", zwei Monate nach der Preisverleihung mehr als 100.000mal über den Ladentisch gegangen. Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" wurde drei Jahre später bereits 450.000mal in diesem Zweimonatszeitraum verkauft. Die Preisträgerin 2007 Julia Franck führt das Ranking der Linzenzverkäufe an: Ihr Roman "Die Mittagsfrau" wurde 33mal als Linzenz ins Ausland verkauft. Für drei Siegertitel wurden Filmrechte verkauft.
Sieben Juroren bestimmten den Deutschen Buchpreis 2010
Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2010 setzt sich folgendermaßen zusammen: Jobst-Ulrich Brand (Focus), Julia Encke (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin), Ulrich Greiner (Die Zeit), Burkhard Müller (Süddeutsche Zeitung), Ulrike Sander (Osiandersche Buchhandlung, Tübingen) und Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk).
Melinda Nadj Abondij: Tauben fliegen auf. Roman. Jung und Jung Verlag 2010. Gebunden. 314 Seiten. 22 Euro.
