Der Entwurf von Kaufhäusern machte einen großen Teil der beruflichen Laufbahn des Berliner Architekten Erich Mendelsohn aus. Insbesondere die Gebrüder Schocken, Inhaber der gleichnamigen Warenhauskette, beauftragen ihn mit drei Bauten in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz. Die Kaufhäuser Mendelsohns zeichneten sich in der Regel durch charakteristische repräsentative Fassaden- und Fensterrundungen aus. Beim dritten Kaufhaus für den Schockenkonzern sieht dies anders aus.
Kaufhaus Schocken in Chemnitz 1928-1930
Das zweifelsohne größte Kaufhaus Mendelsohns gleicht im Grundriss einem gleichschenkligen Dreieck. Im Gegensatz zum Schockenbau in Stuttgart wirkt dieses nüchtern und zweckkonform. Die Frontfassade passt sich an eine Straßenkurve an und zeichnet deshalb eine gebogene Form ab. Abwechselnde Anordnung von Mauerflächen und Fensterbändern bewirken eine horizontale Erscheinungsweise. Die ersten fünf Stockwerke erstrecken sich über eine Länge von 56 Metern. Darüber befinden sich drei weitere Obergeschossen, die jeweils terrassenförmig nach hinten gelagert sind. An den Gebäudeecken hat Mendelsohn Rolltreppen, Aufzüge und Treppen plaziert. Im Abstand von sechs Metern zeichnet sich die Achslänge im Inneren durch Stahlbetonstützen ab. Diese Aufteilung konnten man von außen durch die klaren Glasfenster deutlich erkennen. Heute ist dies nur noch Nachts bei beleuchtetem Gebäude möglich. Die rund entworfene Straßenfassade hat vier Eingäng, dazwischen sind jeweils drei Schaufenster untergebracht. Für damalige Zeiten war diese Dimension von neuartiger Architektur nahezu revolutionär.
Kaufhaus Petersdorff in Breslau 1927-1928
Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden Mendelsohns ist dieses Kaufhaus gut erhalten und wird heute noch als solches benutzt. Wie bei den Kaufhaus-Vorgängerbauten handelt es sich hier ebenso um einen Um- beziehungsweise Erweiterungsbau. Das Modehaus Petersdorff befand sich in zwei Altbauten nahe dem Marktplatz an einer Straßenecke. Die Aufgabe Mendelsohns bestand darin, den Eckbau durch ein neues Gebäude zu ersetzen und mit dem angrenzenden, alten Bau zu verbinden. Während der Umbautätigkeiten verbreiterte die Stadt die angrenzende Nebenstraße, so dass Verkaufsfläche verloren ging. Diese sollte der beauftragte Architekt im neuen Gebäude wieder einbringen. Folgende geschickte Lösung ließ er sich einfallen: An der Straßenecke ließ er die oberen Stockwerke herauskragen. Während das Erdgeschoß in eine durchgängigen Fensterfassade gegliedert war, ragten die fünf Stockwerke darüber 2m über die Ohlauerstraße und die angrenzende Nebenstraße Schuhbrücke heraus. Und damit etwa 4,50m über die tragenden Stahlträger. Oberhalb der Straßenecke ist das kragende Bauteil abgerundet. Durch die Materialwahl ist es äußerst attraktiv. Man verwendete Travertin für die durchgehenden Wandstreifen in Abwechslung mit den Fensterreihen. Diese reihten sich durchgehend in 50m aneinander. Für die Gesimse wählt man Bronze aus. Der runde Erker war nachts indirekt beleuchtet. Innerhalb der Erker befanden sich Sitzgruppen für die Kundschaft.
