Mensch oder Maschine? Online-Übersetzer im Test

Google ist Fluch und Segen zugleich: Profi-Übersetzer fürchten die Konkurrenz von Google Translator - Steve Rhodes
Google ist Fluch und Segen zugleich: Profi-Übersetzer fürchten die Konkurrenz von Google Translator - Steve Rhodes
Zahlreiche Übersetzungstools wie Google Übersetzer oder Babylon bieten ihre kostenlosen Dienste im Internet an. Was taugen die Übersetzungshilfen wirklich?

Niemals, scheint es, war das Übersetzen so einfach wie heute. Im Internet lässt sich alles in Minutenschnelle und umsonst erledigen: Text eingeben, Google drübergehen lassen und fertig ist die Übersetzung. Dies geht derzeit in mehr als 57 Sprachkombinationen, die Google Translator anbietet. Darunter sind sogar exotische Sprachen wie Galizisch oder Malaiisch. Niemals, so ist es, war der Beruf des Übersetzers so sehr in Gefahr und zugleich so gefragt wie heute, denn die automatisierten Übersetzungstools machen es Laien einfacher und Spezialisten immer schwerer. Diplomierte Übersetzer stehen nun in direkter Konkurrenz zu maschinengestützter Software.

Der Beruf des Übersetzers ist nicht geschützt – jeder darf sich so nennen

Gegen diese Gefahr aus dem Netz wollen sich Übersetzer schützen. Die Waffen der Profis sind dabei Qualität und erworbene (nicht kopierte) Intelligenz. Wenn komplizierte, semantische Verknüpfungen hergestellt werden müssen, bleibt der Computer auf der Strecke. Gefahr droht aber auch aus dem Billigsegment. Immer mehr Seiteneinsteiger versuchen sich als Übersetzer im Internet durchzuschlagen, und zwar mit Hilfe der kostenlosen Online-Tools. Auch das gefährdet die Preislage. Denn der Beruf des Übersetzers ist ähnlich wie der des Journalisten nicht geschützt. Wer genug Berufserfahrung hat, kann seine Dienste auf dem freien Markt anbieten. Zwar besitzen ausgebildete Übersetzer oder Dolmetscher mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss die bessere Qualifikation, aber danach wird im täglichen Preiskampf der Agenturen oft nicht mehr gefragt.

Profis arbeiten mit kostenlosen Übersetzungstools

Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, die Angebote aus dem Internet für die eigenen Übersetzungsprojekte zu Hilfe zu nehmen. Jedoch muss die angebotene Hilfe richtig eingeschätzt werden – dafür sind gründliche Kenntnisse der jeweiligen Sprache unumgänglich. Andererseits geht für qualifizierte Übersetzer ohne Internet so gut wie gar nichts mehr. Schließlich sind Sprachen dynamische Systeme, die sich, wie das Internet selbst, ständig ändern. Dem kommen die Online- Wörterbücher schneller nach als gedruckte Bücher. Doch Profis nutzen die Tools anders als Laien. Linguee bietet etwa passende Übersetzungsbeispiele in Phrasenform an. Genutzt werden Handbücher, PDF, Fachliteratur und andere seriöse Quellen, die die Nutzer nach ihrer Qualität bewerten. Je treffender eine Übersetzung gelungen ist, umso besser wird sie platziert. Der Übersetzer kann zudem direkt auf die Quelle klicken, um den Originaltext einzusehen und sich selbst ein Bild zu machen.

Online-Wörterbücher sind besser als automatisierte Übersetzersoftware

Wer als Übersetzer ständig auf Reisen ist und nicht schwere Fachwörterbücher mit sich herumschleppen will, greift gern zu Onlinehilfen, die als kostenlose Wörterbücher jedem zugänglich sind. Leo, Dict oder Wordreference werden auch von den Profis gern genutzt. In Foren werden knifflige Übersetzungsbeispiele gemeinsam diskutiert. Das wohl beste Online-Wörterbuch heißt Leo.org - es stammt von der Universität München und bietet die Sprachkombinationen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Chinesisch und Russisch an.

Zahlreiche automatisierte Übersetzungsprogramme sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Software wie Google Translate, Babylon, Worldlingo oder Promt Translator bieten so genannte statistische Maschinenübersetzungen an. Wer Ergebnisse ohne genaue Prüfung und Sprachverständnis übernimmt, kann damit aber herbe Fehler produzieren. Ein Beispiel: während eine Suchmaschine das deutsche Wort Blatt als Laubblatt versteht, ist im Text eigentlich ein Notenblatt gemeint. Texte können also nur im Sinnzusammenhang übersetzt werden, und den kann ein Online-Tool nicht immer durchschauen.

Test: Wie funktioniert eine Online-Übersetzungshilfe?

Der Text in der Ausgangssprache wird in ein Fenster (meist links im Bildschirm) eingegeben, eine Schaltfläche gedrückt und im zweiten Fenster der Zielsprache erscheint binnen Sekunden die fertige Übersetzung. Dabei entstehen durchaus kuriose Übersetzungskunstwerke, die aus Verständnisfehlern resultieren. Im folgenden Test wurde ein Zeitungsausschnitt der spanischen Fußballzeitung Marca zum Vergleich mit 3 Online-Übersetzern ins Deutsche übersetzt. Dazu muss man wissen, dass das spanische La Fábrica ein Synonym für die Nachwuchsakademie des Vereins Real Madrid ist. La Masia ist wiederum die Fußballschule vom FC Barcelona, benannt nach dem katalanischen Begriff Masia für ein Landhaus, wo die Schule untergebracht war. Google kennt offenbar La Masia, aber La Fábrica nur vage. Promt kennt beide nicht und übersetzt La Masia mit Bauernhaus. Babylon kennt wiederum La Masia, aber übersetzt La Fábrica mit Das Werk.

Spanischer Originaltext:

Fue el propio jugador catalán quien lo confirmó a través de una conocida red social. "Con muchas ganas de empezar mi etapa en el Real Madrid". Fue así como el delantero de 17 años, natural de Castelldefels, anunciaba su salida de La Masía con destino Madrid, para ser más concretos, La Fábrica.

Übersetzung mit Promt:

Der eigene katalanische Spieler hat es über ein bekanntes soziales Netz bestätigt. "Mit vielen Wünschen von meine Etappe im Wirklichen Madrid anfangen". Er war sowie zeigte der Stürmer seinen Ausgang Des Bauernhofs 17 Jahr alter, Naturell von Castelldefels, mit Schicksal Madrid an, um, Die Fabrik konkreter zu sein.

Übersetzung mit Google:

Katalanisch wurde der Spieler selbst, die durch eine populäre soziale Netzwerk bestätigt. "Mit begierig, meine Zeit bei Real Madrid zu beginnen." Das war, wie 17-jährige Stürmer, der in Castelldefels geboren, seine Abreise aus La Masia nach Madrid, um genau zu sein, The Factory angekündigt.

Übersetzung mit Babylon:

Es war ein Spieler der eigenen katalanischen bestätigte, durch einen bekannten sozialen Netzwerk. "Mit vielen freuen uns zu Beginn meiner stufe bei Real Madrid". Es war sowohl als auch der stürmer von 17 Jahren, eine gebürtige von Castelldefels, teilte mit seinem Weggang aus La Masia mit Madrid als reiseziel, spezifischer zu sein, das Werk.

Ergebnis: Jedes Übersetzungstool kommt zu anderen Ergebnissen

Abgesehen von der falschen Syntax ist der Software kein Vorwurf zu machen. Die Übersetzung erfordert spezifische Kenntnisse; in diesem Fall des spanischen Fußballs. Wie soll das Programm den Kontext erfassen, wenn es für viele Wörter mehr als eine Bedeutung gibt, Synonyme oder Wortspiele gebraucht werden? Das Beruhigende für die nervöse Branche: Solange dies so ist, bleibt der Beruf des Übersetzers wohl bestehen. Denn die eigentliche Denkarbeit leistet zu allererst immer noch der Mensch. Der Bundesverband der Übersetzer (BDÜ) ist der gleichen Meinung: höchste Qualität kann nur ein Übersetzer aus Fleisch und Blut liefern, auch wenn die Angebote aus dem Netz immer umfangreicher und attraktiver werden. "Die menschliche Sprache ist zu komplex für eine Maschine", sagt Norma Keßler, Vizepräsidentin des BDÜ. Besonders in Fachgebieten wie Medizin oder IT kann der Mensch die Maschine heute noch ausstechen.

Louis M. Blank, Blank

Louis Max Blank - Journalist auf Reisen

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