
- Tonoskop nach Hans Jenny, Sensorium, Schweiz - Christine Rödel
Im Sensorium kann man nichts Geringerem als Phänomenales erleben: sich selbst. In der interaktiven Ausstellung mit über fünfzig Stationen, die an der Wachsamkeit der Sinne rütteln, erfährt sich der Besucher selbst und sicherlich auch neu.
Das Sensorium befindet sich seit 2004 in Rüttihubelbad, in der Nähe von Bern, in der Schweiz.
Spuren von Rudolf Steiner und Hans Jenny im Sensorium
Die Erlebniswelt im Sensorium streift sowohl Grundsätze von dem Antroposophen Rudolf Steiner als auch dem Schweizer Arzt, Maler, Lehrer und Naturwissenschaftler Hans Jenny. Steiner, der 2011 seinen 150. Geburtstag begehen würde, hinterließ auch im Sensorium seine Spuren. Nach dem eingehenden Forschen nach Alternativen zur materialistischen Naturwissenschaft, beschäftigte er sich unter anderem damit, die naturwissenschaftlichen Schriften von Goethe zu veröffentlichen, an dessen Theorie der sinnlichen Wahrnehmung Steiner anknüpfte. Auch die Forschungsarbeiten zu der von Hans Jenny untersuchte Phänomenology und Kymatik, erleben die Gäste im Sensorium auf experimentelle Art und Weise.
Im Sensorium Selbstwahrnehmung aktivieren
Die erlebnisreiche Ausstellung erstreckt sich in dem großzügig angelegten Gebäude über drei Etagen. Ausprobieren und sich von dem eigenen Ich erzeugten Phänomenen überraschen lassen, ist ausdrücklich erwünscht. Auf spielerische Art und Weise riechen, fühlen, optischen Täuschungen erliegen, seinen Gleichgewichtssinn bewusst erleben, Schwingungen unterschiedlichster Klangelemente hören und fühlen und in jedem Fall die aktivierte Selbstwahrnehmung erkunden, stehen im Sensorium im Mittelpunkt.
Erschöpfung beheben, mit Herausforderung der Sinneswahrnehmung
Hugo Kükelhaus ist der Initiator der Idee, in Rüttihubelbad das Sensorium zu errichten. Hier erlebt der Besucher die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur hautnah am eigenen Leib. Mit dieser Selbsterfahrung ist die Möglichkeit für mehr Verständnis zwischen den natürlichen Zusammenhängen geboten. Die einzelnen Stationen regen alle Altersklassen in Form von Bewusstseinserweiterung an. Denn laut der Aussage des Pädagogen, Philosophen, Künstler, Schriftsteller, Forscher und Handwerker Hugo Kükelhaus zufolge, ist die Nichtinanspruchnahme aller den Organgen und Sinnen innewohnenden Möglichkeiten, sowohl die Unterdrückung oder das vollständige Ausschalten, Ursache für Erschöpfungszustände. Nur deren Herausforderung im gesamten Bereich entfaltet das sinnliche Erleben sichtbar.
Geistige Welt erkennbar machen und mit dieser Erkenntnis auf die Welt wirken
Seit 2004 ist das Sensorium im Rüttihubelbad beheimatet. Entgegen der zunehmenden virtuellen Welten, die sich überwiegend vor Bildschirmen abspielen, findet hier das Selbsterleben statt. Schwingungen und Rhythmen kreieren durch den eigenen Körper Formen und führen in das Reich der Sinne zu den Gesetzen der Natur. Hier zeigt sich im Sinne der Antroposophie die geistige Welt erkennbar. In dieser Entfaltung wirkt sie auf jeden Einzelnen, der im Gegenzug, mit seiner Resonanz, Einfluss auf das Weltbild nimmt. Die tieferen Einsichten in die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur trägt unter anderem zum erweiterten Verständnis von Umwelterziehung bei.
Rhythmus und Schwingung im eigenen Körper erleben
Singende Steine, klingende Hölzer, tanzende Wassertropfen sind nur einige Phänomene, die jeder Besucher selbst erzeugen kann. Lassen sich mit dem Klanghammer auf dem riesigen Xylophon unterschiedlichste Klänge entlocken, erzeugen Hände oder Schlegel am Dentrophon rhythmische Harmonien. In die Öffnung des einer Gießkanne gleichenden Tonoskopes singen, erzeugt gleichförmige Muster. Auch die von Ernst Friedrich Cladni untersuchten Klangfiguren, die symmetrischen Mandalas gleich sind, entstehen aus unterschiedlichsten Schwingungen.
Faszinierend zerlegt das Wasserprisma Licht in seine Spektralfarben und umhüllt damit seine Umgebung. Mit dem Drehen der Scheiben am Kaleidoskop fügen sich stetig wechselnde Farbarrangements zueinander und in der mit Wasser gefüllten Strömungsscheibe fügen sich die Formen bei der geringsten Bewegung neu.
Im gemächlich schwingenden Korb lässt sich nicht nur die Seele baumeln, sondern verleiht auch eine Ahnung von Schwerelosigkeit. Den Gleichgewichtssinn auf den Balancescheiben orten, in der Pirouette jedes Körperteil spüren oder mit dem Gong Luftballons zum Vibrieren bringen, sich seines eigenen Resonanzkörpers bewusst werden, oder einfach sich am jungen Instrument, Hang, probieren. Das und vieles Erleben mehr, rüttelt an den schläfrigen Sinnen.
Öffnungszeiten, Parken, Eintritt im Sensorium
Die Veranstalter empfehlen, sich mindestens zwei Stunden Zeit zu nehmen. Erfahrungsgemäß kann jedoch mehr als die doppelte Zeit veranschlagen. Das Sensorium befindet sich in Rüttihubelbad, rund 35 Minuten von Bern entfernt. Parkplätze befinden sich direkt am Objekt. Es ist dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet und samstags und sonntags von 10 Uhr bis 17.30 Uhr. Mit Anmeldung wird das Sensorium auch montags für Gruppen geöffnet. Der Einritt für Erwachsene beträgt 18 CHF. Kinder bis zum 5. Lebensjahr haben freien Eintritt, zwischen 6 und 16 Jahren beträgt der Eintritt 9 CHF. Ermäßigung erhalten außerdem Gruppen und Familien. Außerdem finden verschiedene Workshops statt. Für Feste oder Ausstellungen außerhalb des Sensorium können verschiedene Erfahrungsstationen tageweise angemietet werden.
Quelle: Sensorium, Rüttihubelbad, Schweiz
