Mentaltraining: Mehr Erfolg im Sport

Wie Freizeitsportler von Psychotricks der Boxer profitieren können

Boxweltmeister Klitschko in Rot - box-news
Boxweltmeister Klitschko in Rot - box-news
Mentales Training im Sport ist ein leistungsbestimmender Faktor. Wer mit sogenannten Psychotricks arbeitet, der hat manchmal den entscheidenden Vorteil im Wettbewerb.

Nicht umsonst lautet eine alte Boxerweisheit: „Die meisten Kämpfe werden im Kopf entschieden!“ Oft genug machen Boxer deshalb von den vielen Spielarten des Verstellens Gebrauch, was bei Sportwissenschaftlern anschaulicher unter die Rubrik „Psycho-Tricks“ fällt. „Das war doch Taktik“, argwöhnte 1963 so mancher Zuschauer, als sich bei Muhammad Ali nach seinem Bodenbesuch gegen Henry Cooper in der Pause die Polsterung eines Boxhandschuhs löste und ihm die Auswechslung der Fäustlinge zusätzliche Zeit zur Erholung verschaffte. Ali kam wieder zu Kräften und besiegte kurze Zeit später seinen Kontrahenten durch technischen Knockout.

Mentaltraining: Psychotricks helfen beim Gewinnen

Mentale Stärke und Kopfspielchen geben in engen Begegnungen gelegentlich den Ausschlag zum Erfolg. Suite101 hat einige Geheimtricks aus der Welt des Boxens zusammengestellt, die sich auf andere Sportarten übertragen lassen:

Rot ist die Farbe der Sieger

Boxweltmeister Wladimir Klitschko tritt im Boxring stets in rotem Gewand auf. Doch dahinter steckt mehr als nur die bloße Vorliebe für eine Farbe. Sportpsychologen begründen nämlich die Erfolge rot gekleideter Athleten mit günstigen psychologischen Effekten auf ihre Leistung. So assoziieren viele mit der Signalfarbe eine erhöhte Aggressionsbereitschaft und Dominanz. Außerdem wirkt sich Rot positiv auf die Wahrnehmung der Punktrichter aus. Das belegt eine Studie der Universität Münster, in der Sportwissenschaftler einer Gruppe von erfahrenen Punktrichtern zwei Videos mit jeweils elf Kampfsequenzen vorführten.

Im ersten Video trug ein Kampfsportler einen roten und der andere Kämpfer einen blauen Schutz. Der zweite Film bestand aus den identischen Szenen, doch die Wissenschaftler hatten zuvor per digitaler Bildbearbeitung die Farben des Schutzes vertauscht. Obwohl die Punktrichter den selben Kampf sahen, bewerteten sie die Leistungen der Sportler je nach getragener Farbe anders: Den Athleten, der im ersten Video blau getragen hatte, beurteilten sie im zweiten Durchgang mit rotem Schutz besser. Der, der zuerst in Rot angetreten war, verlor mit blauem Schutz im zweiten Film Punkte. Im Durchschnitt erhielten Kämpfer mit rotem Schutz 13 Prozent mehr Punkte als solche mit blauem Schutz.

Mehr Erfolg mit Links

Unter Druck ist die linke Gehirnhälfte viel aktiver als die Rechte. Um das Gehirn seiner gestressten Leistungsboxer zu überlisten und wieder in Balance zu bringen, überlegte sich Alcides Sagarra, früherer Meistertrainer der kubanischen Nationalkämpfer einen Trick, um die Linke zu dämpfen. Als Aktivator wählte er die linke Hand, denn sie schickt ihre gesamten Informationen in die rechte Hirnhälfte. Er ließ seine Boxer unmittelbar vor den Auseinandersetzungen einen kleinen Ball mit der linken Hand drücken. Tatsächlich verbesserte sich die Leistung seiner Schützlinge unter Druck, was die vielen Erfolge der kubanischen Boxer eindrucksvoll bestätigten. Diese Methode ist übrigens auch in den Boxschulen von Philadelphia (USA) weit verbreitet: Der mehrfache Boxchampion Bernard Hopkins aus „Philly“ hatte in der Umkleidekabine stets einen Tennisball dabei, den er dauernd drückte und knetete. Sogar Kinoheld Sylvester Stallone machte von diesem Trick Gebrauch und ließ seine Filmfigur Rocky im ersten Teil der Boxersaga regelmäßig mit einem Tennisball in der Hand durch Philadelphia laufen.

Mentles Training: Selbst anfeuern und alles Störende ausblenden

„Während eines Kampfes sehe ich nichts vor meinem inneren Auge, ich höre nur meinen Atem. Wenn der Fight gut läuft, kann ich mich hinterher gar nicht mehr so genau erinnern, was gerade passiert war. Ich empfinde mich dann als Krieger, der Boxring ist mein Territorium. Es ist ein sehr starkes Gefühl von meins, meins, meins“, antwortete die Boxlegende Thomas Hearns auf die Frage, was während eines Kampfes in seinem Kopf vorgeht. Der mehrfache Boxweltmeister Hearns machte alles richtig. Bei einer Hochleistung, wo Körper und Geist zusammenarbeiten, ist es überaus wichtig, dass die linke Gehirnhälfte, die für die Sprache zuständig ist, keine Kognition produziert und die Leistung hemmt. Im schlimmsten Fall redet man sich ein: Ich schaffe es nicht! Dann produziert der Körper zu viele Stresshormone, man ist außenorientiert, nimmt alles andere wahr, die Zuschauer, die Umgebung. Es kann passieren, dass sich die Psyche vor lauter Not aufspaltet, dass eine Instanz neben einem schwebt, die sagt: Du bist zum Scheitern verurteilt. Genau dieses Denken gilt es auszuschalten. Wenn die Gehirnhälften ausbalanciert sind, kann ein Boxer einfach nur fighten; so wie ein Sänger in seinem Lied aufgeht und damit verschmilzt. Man bekommt ein Gefühl von Energieentwicklung oder Exstase.

„Aufmerksamkeitsregulation“ soll dem Athleten also helfen, sich nur noch auf seine Bewegung zu konzentrieren. Alle störenden Gedanken über den Sinn der Quälerei oder über die Folgen einer Niederlage muss er ausblenden. „Es hat mir nie jemand gesagt, dass ich verlieren kann“, antwortete einst der ungeschlagene Rocky Marciano auf die Frage nach seinem unbändigen Siegeswillen und dem Geheimnis seines Erfolgs. Spitzensportler lernen, ihre mentale Form durch Selbstgespräche zu steuern. Im Wettkampf müssen sie sich motivieren: „Gib jetzt nicht auf!“ Oder sich auf Stärken besinnen: „Ich bin besser vorbereitet als der Gegner.“ Zweifel und Selbstbeschimpfungen wie „Ich schaffe es nicht!“ müssen auf alle Fälle vermieden werden.

Übung macht den Meister

Boxer stellen sich einen Bewegungsablauf immer wieder so intensiv vor, dass sie ihn automatisch abrufen können. Diese „Vorstellungsregulation“ findet hauptsächlich beim Schattenboxen statt und soll helfen, großen Druck auszuhalten. Zusätzlich muss jeder Athlet lernen, seine Trainingsleistung auch im Wettkampf sicher zu erreichen. Darum gehört das sogenannte „Sparring machen“ zum festen Trainingsalltag aller Boxer. Es gilt: Übung macht den Meister! Doch welche Übungen machen die Meister genau? Dabei spielt es keine Rolle, ob man Sprintweltmeister oder Superpianist werden möchte, denn es gibt eine Trainingsmethode, die alle Arten verbindet. Sie besteht darin, sich alles was man nicht kann, im kleinsten Detail vorzustellen. Auch wenn es um Bewegung geht, kommt man zur Ruhe und schließt die Augen. Man versucht wirklich da zu sein und mit allen Sinnen zu fühlen, wie die bestimmte Übung gemacht wird. Erst sehr langsam, dann immer schneller, weiter, höher et cetera. Das Prinzip dieser Methode: Alles, was wir tun, hängt auch mit der Psyche zusammen. Alle Blockaden sind dort beheimatet. Wenn man normal weitermacht, vertieft man diese nur, weil sie automatisch hochkommen. Mit der beschriebenen Methode werden die Blockaden jedoch gelöst, weil das Hirn keinen großen Unterschied macht zwischen einer Bewegung in der Psyche und einer körperlichen Betätigung.

Anmerkung: Wer noch mehr über mentales Training im Sport erfahren und seine Leistungen damit verbessern will, ist bei der Deutschen Gesellschaft für mentales Training an der richtigen Stelle.

Quellen und weitere Hinweise zum Mentaltraining:

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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