
- Mérida - Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán - Constanze Ließ
Ohne eine so intensive touristische Infrastruktur wie die Küstenorte Yucatáns zu besitzen, heißt Mérida seine Besucher mit mexikanischem Kolonialcharme willkommen. Um die Sehenswürdigkeiten im Norden der Yucatán-Halbinsel zu besichtigen, eignet sich kein Ort besser als die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Mexiko. Mérida ist wirtschaftliches und industrielles Zentrum der Region, gleichzeitig können sich Touristen hier wunderbar auf sicherem Kopfsteinpflaster akklimatisieren. Es existiert eine gute Auswahl schöner Restaurants und Kneipen in Mérida, betten kann man sich bequem für jeden Geldbeutel in modernen Hostels oder gemütlichen Hotels mit grünen Hinterhöfen. Außerdem soll es keinen besseren Ort auf Yucatán geben, um Hemden und Hängematten einzukaufen.
Mérida - Geschichte der Hauptstadt Yucatáns
Fast so lange wie die Geschichte der Spanier im heutigen Mexiko dauert auch die von Mérida an. Während sich die Konquistadoren auf dem amerikanischen Festland voran kämpften, kamen sie bereits 1526 an der Region um eine Maya-Siedlung namens Tiho vorbei. Hier sollte später Mérida entstehen. Die Stadt wurde schließlich 1542 von einem gewissen Francisco de Montejo dem Jüngeren gegründet, nachdem die Maya vor Ort besiegt waren. Dessen Familie schuf eine Herrscherdynastie in der Region, für die Tausende Indiosklaven zu schuften hatten.
Es war schließlich der Einfluss der Kirche, der Méridas Stellung als koloniales Zentrum auf Yucatán festigen sollte. Die erste Kathedrale der Halbinsel wurde hier errichtet, außerdem ein bedeutendes Franziskanerkloster. Die Familie Montejo ließ sich einen dekadenten Palast hinstellen, außerdem gab es bereits 1618 ein eigenes Theaterhaus in Mérida, ein gutes Jahrhundert später im Jahr 1735 wurde der Bau des Rathauses vollendet. Im 19. Jahrhundert entstanden Villen und Herrenhäuser durch jene, die der Anbau der Sisal-Agave reich gemacht hatte. Heute leben rund eine Million Menschen in und um Mérida.
Mérida - Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Kolonialstadt in Mexiko
Mérida lädt zum Flanieren ein. Die sorgsam gereinigten Kopfsteinpflasterstraßen wurden im kolonialtypischen Schachbrettmuster um die Plaza de la Independencia angeordnet und inzwischen für den motorisierten Verkehr in ein etwas gewöhnungsbedürftiges Einbahnstraßensystem übertragen. Besucher können sich leicht an der Plaza orientieren.
- Plaza de la Independencia
Wie die meisten Kolonialstädte orientiert sich auch Mérida um einen zentralen Platz. Noch immer sprechen die Einheimischen vom Zócalo oder auch von der Plaza Grande, auch wenn er inzwischen offiziell den Namen Plaza de la Independencia (Platz der Freiheit) trägt. Hier wird getrascht, verkauft, gesonnt und entspannt. Die Plaza ist lebendiger Mittelpunkt Méridas.
- Kathedrale von Mérida
Steine der einstigen Maya-Stadt Tiho wurden im 16. Jahrhundert für den Bau der zweitürmigen Kathedrale wiederverwendet. Die Catedral de San Ildefonso liegt an der Ostseite der Plaza. Im Inneren eher schlicht, gibt es viele Details aus der maurischen Architektur sowie aus präkolumbischen Glaubenselemente zu entdecken. Besonders verehrt wird eine hölzerne Christusstatue namens Cristo de las Ampollas (Christus mit den Brandblasen).
- Museen in Mérida
Mérida beherbergt einige der besten Museen Yucatáns. Von präkolumbischer Maya-Kultur bis hin zu zeitgenössischer Kunst kann man sich bestens mit der Region vertraut machen. Wer sich für die Geschichte interessiert, ist im Museo regional de Antropología (Anthropologisches Museum) und im Museo de la Ciudad (Stadtmuseum) gut aufgehoben. Kunstfans besuchen am besten das Museo de arte contemporáneo (Museum für zeitgenössische Kunst) nahe der Kathedrale.
- Calle 60 und Paseo de Montejo
Entlang der Calle 60 und des Paseo de Montejo verläuft die gemütliche Flaniermeile Méridas. Sie passiert den dicht begrünten Parque Hidalgo und die Jesuitenkirche Iglesia de Jesús, das Teatro José Peón Contreras und die Universität sowie den kleineren Parque Santa Lucía. Der Paseo de Montejo schließlich ist als Prachtstraße gebaut worden, noch immer flankieren ihn zahlreiche prächtige Villen aus dem späten 19. Jahrhundert.
Mérida - Die Umgebung im Norden Yucatáns
Vor allem individuell reisende Touristen haben längst Mérida als Ausgangspunkt entdeckt, um Yucatán zu erkunden und ziehen es den übertouristischen Orten wie Cancún oder Playa del Carmen an der Karibikküste vor. Flüge gehen täglich direkt von Mexico City nach Mérida und die gängisten Mietwagenfirmen betreiben Filialen sowohl in der Innenstadt als auch am Flughafen.
Touren von Mérida aus fahren je nach Interesse zu verschiedensten Zeugnissen mexikanischer Geschichte. Haciendas können als Relikte einstigen Reichtums der Kolonialherren besichtigt werden und Höhlen wie Calcehtok führen hinab in die Unterwelt der Maya. Vor allem die Ruinen von Siedlungen früherer Kulturen, vor allem der Maya, warten südlich von Mérida auf ihre Erkundung. Uxmal, erreichbar in einem Halbtagesausflug, ist die bekannteste. Weitere wie Sayil oder Labná liegen entlang der Ruta Puuk. Eine andere Attraktion der Gegend um Mérida ist der Küstenort Celestún mit seinem Nationalpark, welcher vor allem durch seine Flamingopopulation bekannt wurde.
Lesen Sie auch über die Kolonialstadt Campeche und die Maya-Ruinen von Edzná auf Yucatán.
Quellen und Links
- Die offizielle Infohomepage zu Mérida (Spanisch, Englisch)
- DUMONT Reise-Taschenbuch Yucatán & Chiapas, Autor: Hans-Joachim Aubert, DUMONT Reiseverlag 2009, ISBN 978-3770172863
- Lonely Planet Reiseführer Mexiko, Autoren: diverse, Verlag Lonely Planet 2009, ISBN 978-3829716420
