
- Cover: Für das Imperium 1 – Ehre - Reprodukt
Für das Imperium zu kämpfen und zu sterben galt im antiken Rom als Ehrensache. Der Kaiser nahm den Platz eines Halbgottes ein. Die Comickünstler Merwan und Bastien Vivès haben sich mit der Koloristin Sandra Desmasières zusammengetan, um diese Epoche als Autorencomic zu gestalten. Der Auftaktband von Für das Imperium lautet demnach schlichtweg „Ehre“ und ist bei Reprodukt erschienen.
Auf dem Zenit der Macht
Das römische Imperium befindet sich auf dem Zenit seiner Macht. Kein Gegner ist der Schlagkraft seiner Armee gewachsen. Hauptmann Glorim Cortis hat mit seiner unbezwingbaren Elitetruppe gerade eine feindliche Burg eingenommen, da erteilt ihn der kaiserliche Befehl, die Grenzen des ohnehin weitriechenden Imperiums neu auszuloten.
Mit der Kerntruppe seiner Elite bricht Glorim Cortis auf, um sich Ehre zu verdienen und seinen Namen in die Geschichte zu kerben. Dabei unterstützen ihn unter anderem der geschickte Späher Virgil de Vigero, der treffsichere Bogenschütze Geriatuccino, der strategische Leutnant Calma, der hühnenhafte Korporal Forto sowie der kolossale Soldat Statum.
Zwischen Autoren- und Genrecomic
Bastien Vivès ist ja längst kein Unbekannter mehr. Selbst hierzulande hat er sich mit seinen einfühlsamen Graphic Novels Der Geschmack von Chlor und In meinen Augen (beide Reprodukt) als neuer französischer Shooting-Star etabliert, der trotz jungen Alters schon auf ein beachtliches Werk zurückblicken kann. Auch Merwan ist – zumindest in Frankreich – bekannt durch Trick- und Kurzfilme sowie durch einen ersten Comic.
In Für das Imperium nähern sich die zwei, die beide zusammen für das Szenario und die Zeichnungen verantwortlich sind, überraschenderweise dem konventionellen Genrecomic zu. Doch die beiden bearbeiten den historischen Stoff zu einem gehobenen Autorencomic, indem sie auf stereotype und reißerische Genre-Standards verzichten. Die Erzählung birgt nicht nur die erfolgreichen Schlachten, sondern auch die anstrengen Seiten des Soldatendaseins.
Zwischen Reduktion und Kontemplation
Die beiden Zeichner führen einen leicht reduzierten und individuellen Strich, der auf die typisch realistisch angelegte Abenteuerästhetik des franko-belgischen Genrecomics verzichtet. Die Zeichnungen sind dennoch detailliert, aber weisen eben einen künstlerisch ambitionierten Stil auf. Seltsam erscheint lediglich das häufige Weglassen von Augen. Hier stellt sich unmittelbar die Frage, ob die Zeichner zu faul waren.
Als wirklich meisterlich muss die Kolorierung durch Sandra Desmasières herausgestellt werden. Ihre nuancenreichen Farben überlagern sich, stechen zum Teil hervor und schimmern in leuchtender Pracht durch. Die Töne wirken verwaschen und erzielen dadurch einen authentischen Eindruck und eine dichte Atmosphäre, die zur Kontemplation einlädt.
Ein Klassiker? - Noch nicht
Der ganz große Klassiker ist den Comickünstler zwar noch nicht ganz gelungen. Abgesehen von der Kolorierung wird (noch?) nicht auf allen Ebenen Meisterliches geboten. Vielleicht steigern sich Merwan und Vivès inhaltich und erzählerisch noch im Fortsetzungsband „Frauen“. Denn etwas mehr Tiefgang würde der Serie gutbekommen.
Trotzdem bekommt man als Leser überdurchschnittliche Genrekost geboten. Fans von Klassikern wie 300 (Cross Cult) sollten deshalb unbedingt einen Blick in das Album werfen. Ob die Vivès-Anhänger auch mit diesem gewalttätigeren Werk einverstanden sind oder eher neue Leserschaften angesprochen werden, kann schlecht eingeschätzt werden.
Wertung: 4 von 5
Merwan & Bastien Vivès: Für das Imperium 1 – Ehre. Reprodukt, 2011. Softcover, 56 Seiten. Euro 12.
