Metta – liebende Güte als Möglichkeit der Begegnung im Alltag

Pagoda of Six Harmonies, Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Pagoda of Six Harmonies, Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Metta ist die Herzensqualität, die in der buddhistischen Praxis entwickelt wird. Durch offene und friedvolle Begegnung können Beziehungen bereichert werden.

Sharon Salzberg ist für den Theravada-Buddhismus eine der wesentlichsten westlichen Autorinnen für den Bereich der Auseinandersetzung mit Metta und Achtsamkeit im Miteinander.

Das Gleichgewicht zwischen Selbst- und Nächstenliebe

Die drei wesentlichsten Grundhaltungen im liebevollen Miteinander stellen Mitgefühl, Großzügigkeit und Achtsamkeit dar. Gleichzeitig ist es am schwierigsten, die Gewohnheiten und Automatismen, die bisher auf dem Lebensweg begleitet haben, los zu lassen und sich für etwas Neues zu öffnen. Das Metta-Sutta wird eine Menge an Eigenschaften und ethischen Grundhaltungen propagiert, die so einfach nicht umzusetzen sind: Letztlich lässt sich im Kern zusammenfassen, dass ein Gleichgewicht aus einer inneren Entscheidung für sich selber im Sinne einer Klarheit für die eigene Wertigkeit und dem Wunsch, dass alle anderen Wesen glücklich sein mögen, als wesentlicher Inhalt gelten. In den buddhistischen Lehren werden immer wieder Anekdoten und Geschichten angeführt, die darauf hinweisen, dass es nichts Ehrenwertes an sich hat, sich für andere aufzuopfern und für andere zu leiden.

Die Eigenverantwortlichkeit der Emotionen und Handlungen

Wesentlich ist dabei auch, dass von einer offenen Haltung des Wohlwollens ausgegangen wird: Durch eine klare Entscheidung für sich selber ist jeder für sein Handeln und seine Emotionen selbst verantwortlich. Auch dies ist ein Ausdruck von Liebe, Wohlwollen und Achtsamkeit, wenn die Verantwortung für das eigene Tun übernommen wird: Nicht in eine Opferrolle zu gehen und andere für das persönliche Unwohlsein verantwortlich zu machen, sondern selbst für sich einzustehen und der eigenen Anteile bewusst zu werden, ist ein wesentlicher Schritt zu einer achtsamen und liebevollen Haltung sich selbst und den Mitmenschen gegenüber. Durch das klare Erkennen, dass eigene Gedanken, Handlungen und Emotionen immer selbst produziert werden, entsteht Freiheit und die Fähigkeit sein eigenes Sein zu leben.

Die Brahmaviharas – Metta, Karuna, Mudita und Upekha

Die vier edlen Geisteszustände, die im Buddhismus angestrebt werden, sind in Freundlichkeit (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut (Upekha) unterteilt. Höchstes Ziel ist es dabei, diese Brahmaviharas zu entwickeln und beständig ins Leben zu integrieren. In der buddhistischen Praxis wird Metta eine besondere Bedeutung gegeben und diese wird in der sogenannten Metta-Meditation praktiziert und entwickelt. Eine heilsame Herzensverfassung wird dabei angestrebt, was heißt, dass ein Zulassen der ureigenen Emotionen und Geisteszustände erreicht werden soll. Dies wäre zu übersetzen mit „Selbst-Liebe" in allen positiven als auch negativen Seiten, die jeder Mensch beherbergt. Durch das Anerkennen der eigenen negativen Anteile und dem Zulassen derselben, entsteht ein innerer Friede, der auch nach außen gelebt werden soll. Der Wunsch „Möge ich wohlauf sein, möge ich in Frieden sein" wird dann auch allen anderen Wesen gewidmet, dass es ihnen ebenso wohl ergehen möge. Wesentlich ist hierbei zu erkennen, dass niemand bevorzugt wird. Niemand hat mehr Recht auf Glück als der andere. Alle Wesen wollen glücklich sein und diese Wünsche werden von Herzen für sich selbst und alle anderen zugelassen.

Quellen:

Buddha-Dhamma: Brahmavihara

Salzberg, Sharon: Das Handbuch der Achtsamkeit und Güte. Silberschnur. Güllesheim, 2011.

Stenek, Sonja Eliane: Buddhistische Ethik – heilsame und unheilsame Handlungen.

Stenek, Sonja Eliane. Pema Chödrön - angewandte Empathie durch die Praxis von Tonglen

Stenek, Sonja Eliane: Vipassana-Meditation – Ankommen im Jetzt

Stenek, Sonja Eliane: Wege zum Glück – ein Blick auf die buddhistische Lebensphilosophie

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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