
- Der Ball ist rund - sks
Er hat auf dem Betzenberg, beim 1. FC Kaiserslautern, seine richtige Profi-Karriere begonnen. Das war 1997. Vielleicht hat das den Blick verstellt: Denn dort, 40 Jahre zuvor, spielte ein großes Vorbild altersgemäß – mit seinen 36 Lenzen – fein ziselierten Standfußball und war Spielführer der deutschen Nationalmannschaft. Hatte also der 34 Jahre alte Michael Ballack im Jahr 2011 den alten Fritz Walter im Hinterkopf, als er nicht abtreten wollte? Damals, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1958, wurde der Fritz verletzt, er spürte seine Jahre und trat ab. Ballack wurde 2010 verletzt, verdrängte seine Jahre und trat nicht ab. Dafür tritt der langjährige Spielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nun nach. Ein „Rosenkrieg“ im Deutschen Fußballbund, titulierten die Gazetten Mitte Juni 2011.
Ballack ist häufig knapp gescheitert
Dabei galt Michael Ballack über die vergangenen zehn Jahre hinweg als der kompletteste Fußballer im deutschen Dress. Aber zugleich als ein Unvollendeter, somit als „tragisches Genie“, wie die FAZ einmal schrieb. Er errang keinen Weltmeistertitel, wurde nie Europameister, gewann niemals die Champions-League – und 100 Einsätze in der Nationalmannschaft hat er auch nicht aufzuweisen. Er ist häufig knapp gescheitert, beispielsweise mit seinen 98 Spielen im Nationaltrikot.
Otto Rehhagel entdeckte den Nationalspieler
Der am 26. September 1976 in Görlitz geborene Fußballer debütierte 1995 als Profispieler beim damaligen Zweitligisten FC Chemnitz. Zwei Jahre später wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern. Dort, in der Pfalz, wurde er gleich in der ersten Saison deutscher Meister. Da war einer, der sein Talent sofort erkannt hatte. Das war Trainer Otto Rehhagel. In die Nationalmannschaft wurde Michael Ballack erstmals im April 1999 berufen: Bundestrainer Erich Ribbeck wechselte ihn beim 0:1 gegen Schottland für Dietmar Hamann ein. Im gleichen Jahr – er war bei Rehhagel in Ungnade geraten – wechselte der Mittelfeldspieler zu Bayer Leverkusen. Dort wurde sein Image als ewiger Zweiter geboren. Es mochte sich ihm tief eingebrannt haben, wie er beispielsweise am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 mit einem Eigentor die 0:2-Niederlage bei Unterhaching einleitete, die eine sicher geglaubte Meisterschaft kostete.
Mit Chelsea englischer Meister in 2010
Der „Abräumer“, kreative Antreiber und Vollstrecker, wurde gleichwohl einer der besten Bundesligaspieler. Bei Bayern München machte er ab 2002 Stefan Effenberg vergessen; in 2006 wechselte er auf die Insel, ging zum FC Chelsea und wurde dort, das war der Höhepunkt vor dem Ende, im Jahr 2010 englischer Meister. Danach kehrte er nach Leverkusen zurück. Nach seiner Verletzung kämpfte er gegen den rebellierenden Körper – und schaffte das Comeback. Aber nur im Verein. Jetzt kämpft Michael Ballack gegen den DFB, gegen Trainer Löw, spricht von „Scheinheiligkeit“ und „Farce“ im Umgang mit sich. Der doch so intelligente Fußballer hat nach Ansicht vieler einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst, um loszulassen. Philipp Lahm ist Spielführer der Nationalmannschaft. Er allein.
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