
- Cordy: Mutation - Heyne
Michael Cordy setzt sich in "Mutation" mit der zunehmenden weltweiten Kriminalität auseinander und stellt, angeregt durch vor allem den Genetiker Steve Jones, eine gentherapeutische Verbrechensbekämpfung in den Mittelpunkt des Wissenschaftsthrillers.
Hintergrund: Gott und die Gene
Der Genetiker Steve Jones behauptet in seinem Buch "Der Mann – ein Irrtum der Natur" (2003), dass der Mann im Laufe der Zeit zum Auslaufmodell der Evolution geworden ist, weil die Zeit der Jäger und Sammler vorbei wäre, die Menschheit die Erde, aufgrund der Aggression und des Tatendrangs des Mannes, beherrscht, und er zum Beispiel seit "Dolly" noch nicht einmal mehr zur Erzeugung von Nachwuchs wirklich gebraucht werden würde ...
Vor allem die Aussage in seinem 1998 erschienenen Buch "Gott und die Gene", dass das Y-Chromosom das sogenannte "Gen für Kriminalität" enthalte, weil eben viel mehr Verbrechen von Männern als von Frauen begangen werden, brachten Michael Cordy wohl auf die Idee seines Romans, der Kriminalität als Resultat der Gene darstellt. Verbrecher werden also nicht durch ihr Umfeld hervorgebracht, sondern werden bereits mit dem Hang dazu in sich geboren. Kriminalität sei deshalb genetisch bedingt und das schuldige Gen sitzt auf dem Y-Chromosom.
Cordy zitiert Jones zur Einleitung: "Es gibt auf jeden Fall ein Gen, das die meisten Kriminellen haben – und seine vollständige DNS-Sequenz ist bekannt. Es ist das eine kleine Gen, das sich auf dem Y-Chromosom befindet und seinen Träger männlich macht. Die meisten Kriminellen sind Männer: Das Kriminalitätsgen ist entdeckt! Es erübrigt sich zu erwähnen, dass niemand den Vorschlag macht, die Genforschung sollte diesbezüglich etwas unternehmen." Michael Cordy allerdings schon - wenn auch zum Glück nur auf dem Papier.
Mutation
Die Mikrobiologin und genetische Verhaltensforscherin, Kathy Kerr, entwickelt zusammen mit Alice Prince, ihrer Mentorin und Chefin von Viro Vector Solutions – einem genetischen Forschungslabor – einen sogenannten Viralen Vektor, der Kriminalität heilen soll. Das heißt, das Kriminalitätsgen auf dem Y-Chromosom soll mittels genetischer Befehle auf viraler Basis "repariert", und so die sogenannten Patienten von ihren kriminellen Anwandlungen geheilt werden. Sie nennen es Projekt Conscience.
Was Kathy nicht weiß, ist, dass Alice Prince zusammen mit der Chefin des FBI, Madeline Naylor, die Idee geklaut hat und ihr eigenes Projekt heimlich auf die Beine stellt und testet: Crime Zero.
Special Agent Luke Decker findet in der Zwischenzeit heraus, dass er nicht nur immer dachte, dass Kriminalität das Resultat von Umwelt, sozialem Umfeld und Erziehung sei, durch Kathys Forschungen nun aber eines besseren belehrt wurde; er muss auch feststellen, dass er das Kriminalitätsgen in sich trägt, obwohl er Verbrechen verabscheut, Denn er muss erfahren, dass einer der schlimmsten Mörder der vergangenen Jahre sein leiblicher Vater ist.
Der allerdings fällt Crime Zero Phase 1 zum Opfer; einem Viralen Vektor, der genau die Personen tötet, die er soll, ohne, dass es auffallen würde, da Crime Zero entweder Hirnblutungen hervorruft, oder die Kandidaten zum Selbstmord treibt.
Eine Verschwörung und die erste Präsidentin der USA
Während Alice Prince und Madeline Naylor ihrer Freundin, Pamela Weiss, mithilfe des als Projekt Conscience getarnten Crime Zero zur Wahl zur ersten weiblichen Präsidentin der USA verhelfen, kommen Kathy und Luke der Verschwörung langsam auf die Spur und sie entdecken Schreckliches. Crime Zero Phase 2 wütet unterdessen unter den Truppen des Irak und tötet die Soldaten wie eine Seuche, die durch Körperkontakt übertragen wird. Sie erhält den Namen "Friedensseuche."
In der Zwischenzeit kommen Luke und Kathy dem großen Plan auf die Schliche: Crime Zero Phase 3. Sie schalten Pamela Weiss ein, die nichts von Crime Zero wusste, und von ihren Freundinnen hintergangen und benutzt wurde. Leider läuft Phase 3 bereits an – ein Viraler Vektor, der durch die Luft übertragen wird und durch den Einsatz an Flughäfen binnen kurzer Zeit weltweit verbreitet wird. Ziel des perfiden Plans ist es, alle postpubertären Männer auszurotten und somit die Welt zu "retten" vor der kriminellen Spezies Mann. Während alle postpubertären Männer binnen 3 Jahren von der Erdoberfläche verschwunden sein sollen, sollen die präpubertären Jungen nur derart genetisch verändert werden, dass sie keine Verbrechen mehr begehen würden.
Männer sterben aus
Als Alice Prince ihren Fehler begreift und einsieht, dass sie über 2 Milliarden Männer auf dem Gewissen haben würden, nur weil sie Männer sind – ob nun kriminell veranlagt oder nicht – scheint es zu spät zu sein. Doch sie hat ein Gegenmittel in der Hinterhand und injiziert es Luke Decker, bevor sie stirbt.
Aufgrund dieser Injektion ist es Kathy zwar möglich, Crime Zero aufzuhalten; jedoch zu einem hohen Preis. Das Massensterben würde zwar gestoppt werden, aber das Gegenmittel, genannt Projekt Reprieve, würde Crime Zero nicht nur neutralisieren, sondern auch gleichzeitig die Gene der Männer verändern und sie zu friedlichen Mutanten machen. Die Männer würden also nicht mehr die sein, die sie einmal gewesen waren. Aber wenigstens wären sie noch am Leben.
Was interessant beginnt, steigert sich durch Projekt Conscience und vor allem die Vision "Crime Zero" zur großen Frage: Was wäre, wenn ...?
Michael Cordy: Mutation. Heyne 2005. Broschur, 415 Seiten. Gebraucht erhältlich.
