Michael Glos - Wirtschaftsminister a. D.?

Jetzt scheint das Maß voll zu sein

Der Franke Michael Glos, CSU, wurde 2005 in das Amt gedrängt und blieb darin recht farblos. Jetzt hat er keine Lust mehr - und darf (noch nicht) gehen.

Michael Glos, Jahrgang 1944 in Brünnau (Unterfranken) ist ein politisches Urgestein. Seit 1970 in der CSU, seit 1976 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1993 bis 2005 war er unter Anderem Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, bis er nach der Bundestagswahl durch den plötzlichen Rückzieher Edmund Stoiber's in ein Amt gedrängt wurde, das er eigentlich gar nicht wollte. Am 7.2.2009 bat er Horst Seehofer, sein Amt niederlegen zu dürfen, dieser lehnte das Gesuch ab.

Michael Glos ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Bärbeißig, politisch blaß

Als Sproß einer alteingesessenen Müllerfamilie musste er schon früh im elterlichen Betrieb mithelfen, absolvierte dementsprechend eine Lehre und legte 1968 seine Meisterprüfung ab, um anschließend den Familienbetrieb zu übernehmen und zu leiten.

Als fränkisches Urgestein wird er zumeist wahrgenommen, einer der mit seiner eher polternden Art immer für einen Kalauer gut ist. So gab er zum Besten, er habe in seiner fränkischen Heimat "mehr Weinköniginnen geküsst als der Rheinland-Pfälzer Rainer Brüderle, FDP - und zwar am liebsten hinter dem Festzelt."

In den letzten Monaten, als die Wirtschaftskrise voll zuschlug, war Glos erstaunlich unsichtbar. Es war an Angela Merkel und Peer Steinbrück, die Öffentlichkeit zu suchen und die Bürger mit Versprechen wie "eure Sparguthaben sind sicher" zu beruhigen.

Glos und das Amt als Wirtschaftsminister schienen nie so recht zusammen zu passen. Eine Erfolgsgeschichte sieht anders aus. Die wichtigen Themen kamen von Anderen, allen voran Finanzminister Peer Steinbrück.

Markenzeichen: Deftige Ansprache

Die Auseinandersetzung mit Kollegen anderer Parteien hat er nie gescheut, meist mit deftigen Worten untermauert. Unvergessen seine verbalen Entgleisungen etwa 2004, als er Joschka Fischer und Jürgen Trittin als "Öko-Stalinisten und ehemalige Terroristen" bezeichnete. Joschka Fischer könne man seiner Meinung nach auch als "Zuhälter" bezeichnen. Und ob Gerhard Schröder "richtige Sau" als das Kompliment verstand, als das es angeblich gemeint war, sei dahingestellt.

Für die Bürger, die aufgrund multipler versprochener Wahlversprechen – hinweg durch alle Parteien – politikmüde- und -verdrossen sind, mögen "Problembären" wie Glos noch einen Unterhaltungswert haben, einem solch wichtigen Amt förderlich war er schon lange nicht mehr.

Wie geht's weiter?

Laut einer Umfrage des Meinungsinstitutes Forsa im Auftrag des Stern wissen 71 Prozent der Bundesbürger nicht, wer Wirtschaftsminister ist. Insofern werden ihn die Meisten wohl auch nicht vermissen.

Abgesehen davon, dass Michael Glos augenscheinlich keine Rechte Freude an seinem Amt hatte, wurden diese Woche Gerüchte laut, Horst Seehofer befände sich bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Im Gespräch ist zum Beispiel der CSU-Schatzmeister Thomas Bauer. Wer auch immer es werden wird, für die Union ist dies, gerade im Wahljahr, gerade in der derzeit so wichtigen Wirtschaftspolitik, eine schwer erträgliche Situation, die für viel Unruhe sorgen dürfte.

Und Michael Glos? Wurde vor 2 Monaten mit 100prozentiger Zustimmung seines Wahlkreises Schweinfurth für die Bundestagswahl 2009 als Direktkandidat nominiert. Bei einer Wiederwahl hätte er nichts dagegen, ins Bundestagspräsidium einzuziehen, um ein paar schöne repräsentative Aufgaben im In- und Ausland wahrzunehmen, dies ließ er die Öffentlichkeit bereits wissen.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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