Hufflepuff gehört zu den vier Häusern von Harry Potters Zauberinternat Hogwarts. In diesem werden die hoch motivierten Minderbegabten unterrichtet. Käme Autor Michael Maar an die Schule, würde er wohl in einem anderen Haus landen: in Ravenclaw, der Heimat der Klugen und Belesenen.

Seine offensichtlich reichhaltige Lektüre hat Maar in „Hilfe für die Hufflepuffs“ einfließen lassen. Er weist nach, welche Autoren Joanne K. Rowling beeinflusst haben, als diese an den sieben Potter-Büchern schrieb: Wie sie die Handlung ähnlich raffiniert entwickelt wie Jane Austen. Oder wie Figuren von Somerset Maugham oder Anthony Powell in der Potter-Welt gelandet sind.

Kafka als Vorbild

Maar führt „In der Strafkolonie“ von Franz Kafka als Quelle für die Folter-Feder der Teilzeit-Lehrerin Dolores Jane Umbridge auf. Doch er ist nicht nur in der Welt der Hochliteratur zu Hause. So entwickelt er eine Theorie, woher sich der Name der Hufflepuffs ableiten könnte: nämlich vom Märchen der Drei Schweinchen. Denen droht der Wolf im Englischen nämlich „I’ ll huff and I’ll puff and I’ll blow your house in!“

Gleich vier Kapitel widmet Maar Tolkien. Rowling wird oft vorgeworfen, bei dem Autor der „Herr-der-Ringe“-Trilogie geklaut zu haben. Maar zeigt, welche Figuren, Orte und Handlungen sich ähneln. Er verteidigt aber Rowling und erklärt, worin die Kraft und die Originalität der Autorin liegen und warum Ähnliches bei ihr eine andere Akzentuierung als bei Tolkien bekommt.

Liebe zu Details

Ohnehin ist Maar anzumerken, dass er ein Fan der Potter-Reihe ist. Das zeigt sich nicht nur, wenn er Rowlings Können preist. Maar zeichnet sich durch Liebe zu Details und enormer Kenntnis der Bücher aus. Selbst erklärte Potter-Fans finden bei ihm einiges, was sie bei ihrer Lektüre übersehen haben dürften, vor allem wenn es um die Nebenfiguren geht.

Außerdem berichtet Maar davon, wie die Biographien der Figuren nach dem siebten Band weitergehen. Dafür hat er Interviews und Interneteinträge der Autorin ausgewertet. „Hilfe für die Hufflepuffs“ ist in drei Kapitel geteilt. Alphabetisch informiert Maar über Hintergründe, Figuren und Schauplätzen der Saga, wobei verblüffendes Zusatzwissen oft neben längst Bekanntem steht. Einige Anekdoten wiederholt Maar in dem knapp 180 Seiten starken Buch etwas zu oft.

Kleinere Fehler

Ohnehin ist „Hilfe für die Hufflepuffs“ anzumerken, dass es gelängt wurde, um markttauglich zu sein. Einige kleinere Fehler unterlaufen Maar, und auch dem Lektor sind einige Satzdreher durch die Lappen gegangen. Trotzdem bleibt „Hilfe für die Hufflepuffs“ ein kurzweiliges Lesevergnügen. Allerdings macht es sich nur gut in Bücherregalen, in denen schon die anderen sieben Potter-Bände stehen. Fans profitieren von den Zusatzinformationen und werden sich an den Redundanzen nicht stören. Vielmehr werden sie sich daran erinnern, wie sie die angesprochen Episoden im Original gelesen haben.

Michael Maar: Hilfe für die Hufflepuffs. Kleines Handbuch zu Harry Potter. Hanser 2008. Gebunden, 176 Seiten. Euro 12,90.