
- Michael Nostradamus - Bernd Teuber
Michael Nostradamus ist zweifellos der berühmteste Prophet der Welt. Obwohl er schon zu Lebzeiten bekannt war, beruht sein anhaltender Ruhm in erster Linie auf dem Buch "Le Propheties". Darin stehen 942 rätselhafte Voraussagen, die mit vielen historischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden. In Bezug auf den zweiten Weltkrieg glaubte man zum Beispiel, die Erwähnung des Wortes "Hister" sei eine Abwandlung des Namens "Hitler". Es wurden aber auch Napoleon und der Große Londoner Brand dahinter vermutet. In den letzten vier Jahrhunderten glaubten viele Menschen, dass Nostradamus zahlreiche Ereignisse prophezeit hat. Etwa die französische Revolution und die großen Kriege des 20. Jahrhunderts. Selbst das Attentat auf John F. Kennedy soll er vorhergesehen haben und schließlich eine große Apokalypse. Doch die wahre Bedeutung seiner Prophezeihungen liegt im Dunkeln. Ebenso wie viele aus seinem Leben.
Nostradamus wurde von gekrönten Häuptern, aber auch von einfachen Leuten konsultiert
Geboren wurde er am 14. Dezember 1503 in der kleinen Stadt Saint Remy in der Provence in Südfrankreich, und zwar als Sohn des Notars Jacques Nostradamus und der Renée de St. Remy. Ehe er sich der Astrologie zuwandte, reiste er als Apotheker umher und bot seine Heilmittel an. Erst als über 40-Jähriger arbeitete Nostradamus als Astrologe. Niemand weiß, warum er mit Zukunftsprognosen begann. Doch könnte er seine Gaben für den neuen Beruf mit seinem Medizin-Studium erworben haben. Im 16. Jahrhundert galt die Astrologie als Wissenschaft, die sorgfältige Berechnungen für präzise Voraussagen erforderte. Solche Techniken musste man erlernen.
Nostradamus schrieb 7280 Prophezeiungen, meist in seinen Jahrbüchern, die er von 1550 bis zu seinem Tod 1566 herausgab. Zusätzliche Einnahmen erzielte er durch das Erstellen von Horoskopen für private Kunden, in denen er Voraussagen über ihr weiteres Leben machte. Diese Tätigkeiten brachten ihm nicht nur Geld ein, sie machten ihn auch berühmt, sowohl in Frankreich als auch im Ausland. Viele Menschen des 16. Jahrhunderts glaubten, dass das Ende der Welt bevorsteht, denn Krankheit, Hunger, Tod und Krieg waren in Europa allgegenwärtig. Nostradamus nutzte diesen Umstand zu seinem Vorteil.
Mit der Zeit wurde er bei den Mächtigen Frankreichs bekannt. Viele gekrönte Häupter konsultierten Nostradamus nach der Geburt eines Sohnes, weil sie etwas über dessen Zukunft erfahren wollten. Aber auch einfache Leute wandten sich an ihn. Doch der Prophet war nicht unumstritten. Schon zu seinen Lebzeiten zweifelten etliche Berufskollegen an seinem Talent. Sie beschuldigten ihn, seine Voraussagen schlecht berechnet zu haben. Ein Grund dafür lag auf der Hand. Sie beneideten ihn, weil er berühmt war und kritisierten ihn deshalb, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot. Oder hatten sie vielleicht recht?
Die metaphorische Sprache seiner Prophezeiungen lässt immer neue Deutungen zu
Im Grunde genommen sind die Prophezeiungen nichts anderes als eine Mischung aus alten Voraussagen und tatsächlichen historischen Ereignissen. Zudem fehlen konkrete Zeitangaben und Namen. Auch die sehr metaphorische Sprache ist rätselhaft und lässt immer neue Deutungen zu. Aber eines ist sicher: Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, Nostradamus hätte eine Apokalypse vorhergesagt, reichen seine Prophezeiungen bis ins vierte Jahrtausend und hören dann ganz einfach auf. Nach den Worten des Sehers soll es aber einen Schlüssel geben, der das Geheimnis seiner Vierzeiler lüftet. So schreibt er in Vers 3,94: "In 500 Jahren (von 1555 weitergezählt) wird man den in Ehren halten, der die Zierde seiner Zeit war. Dann wird es auf einen Schlag große Klarheit geben, die dieses Jahrhundert hindurch die Menschen sehr zufrieden machen wird".
Nostradamus starb in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1566 im Alter von 62 Jahren an Wassersucht, vermutlich eine Folge seiner chronischen Gicht, die zu Nierenversagen führte. Man begrub ihn in der Minoritenkirche Saint-Francois-de-Salon. In den Wirren der Französischen Revolution wurde sein Grab 1791 von Nationalgardisten aus Marseille geschändet und die Knochen zerstreut. Einer der Soldaten soll den Schädel als Trinkschale verwendet haben. Die Reste der Gebeine wurden schließlich in einer Seitenkapelle der Dominikanerkirche Saint-Laurent-de-Salon bestattet.
Obwohl seine Verse einen düsteren Grundton haben, wollte Nostradamus, wie er selbst sagte, niemanden mit seinem Werk erschrecken, sondern den Menschen helfen. Eines Tages sollten sie die Zukunft aus seinen Prophezeiungen lesen können und so den Verlauf der Geschichte im positiven Sinne verändern.
Quelle:
- N. Alexander Centurio: "Die Weissagungen des Nostradamus", Goldmann-Verlag 1981, ISBN 3-442-06392-2
