
- Das Casanova Prinzip - Südwest
Jeder kennt sie. Früher oder später stellt sie sich jedem. Die eine Frage an sich selbst. Wie packe ich es an...? Wie mache ich es richtig...? Die Rede ist von der perfekten, Erfolg bringenden Herangehensweise, um das Herz eines geliebten Menschen zu gewinnen. Manche haben passable Vorschläge. Andere nur ein aufgeplustertes Selbstbewusstsein und im Bereich emotionaler Intelligenz rein gar nichts gelernt. Ein immer wohl bekömmliches Rezept gibt es natürlich nicht, die perfekte Verführung bleibt eine Illusion, auch wenn sich einige Ratgeber mit absoluter Garantie auf Erfolg schmücken, beim genaueren Studieren lauert die Lebensfibel mit so unglaublichen Tips wie für frischen Atem vor dem Date sorgen auf. Und selbst ein Mario Barth, der mit seinen „Männer sind so, Frauen sind so“ - Stücken nicht nur ganze Abendprogramme, sondern auch Fußballstadien füllt, kann dem Verfasser von „Das Casanova Prinzip“ nicht das Wasser reichen. Michael Sens geht wortgewandter, zynischer und selbstkritischer vor. Zwar bedient auch er sich diverser Mann-Frau Vergleiche und richtet sich vorrangig einem männlichen heterosexuellen Publikum, so gelingt es ihm doch nicht in Plattitüden zu verfallen, die selbst im vergangenen Jahrhundert schon kaum zum Lachen anmuteten. Seine Hommage an Casanova, den berühmtesten Charmeur der Geschichte, liest sich wie ein 250seitiges Bilderbuch. Seine Sprache zeichnet und koloriert die vielschichtigen Elemente der Liebe und den Wegen zu ihr. Das Schöne daran ist, seine Bilder sind selten langweilig, oft prägen sie sich sogar gut ein und lassen den Leser ein zweites Mal lachen oder genauer darüber nachdenken.
Der Junge mit dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr
Das strahlend weiße Pferd – ein Synonym für den Porsche, das Cabrio oder sonst ein auffälliges Vehikel, das gleich auf den ersten Blick Solvenz, Stärke und Erfolg symbolisiert. Es gehört auf jeden Fall in den ersten Auftritt. Das Pferd ist eines der wenigen Tiere, die oftmals das Arschloch auf dem Rücken tragen... (S.123)
Selbst die eher plump daherkommenden Anmerkungen werden selten als solche stehengelassen. Michael Sens bemüht sich auch hier den Bogen zu spannen, um wieder zur Form zu finden.
Der Prinzenauftritt ist nicht planbar. Aber er kommt immer im richtigen Augenblick. […] Der Kragen sollte nicht nur sonntags rein sein und das Schwert (als Gleichnis für die Wachheit aller Sinne) hat stets eine polierte Schärfe aufzuweisen. Falls es ein System geben sollte, nach dem Casanova vorgegangen ist, dann mit Sicherheit das eines perfekten Blenders im ersten Moment der Begegnung. (S. 124)
Vor dem Date ist nach dem Date
Die Flinte ins Korn werfen, weil die erhoffte Liebelei immer noch nicht rotiert? Aufgrund einer Abweisung den Kopf hängen lassen? Aufgeben? Es handelt sich hier schließlich um ein Werk, das den Namen Casanova im Titel trägt. - Natürlich nicht. Giacomo Casanova tat es auch nicht. Er machte sich auf, geradewegs ins Herz der nächsten Frau, mit neuem Mut, neuem Elan und etlichen kleinen Aufmerksamkeiten. So plaudert auch der Autor unentwegt aus dem Nähkästchen. Anekdoten und Erfundenes schmücken seine Beobachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen und so schillernd seine humoristischen Exkurse, so bunt und eigensinnig fällt auch die Beschreibung seiner Selbst aus. Als „Paradiesvogel“ bezeichnet er sich und man kommt nicht umhin sich Johnny Depp in seinen extrovertierten Rollen vorzustellen. Und eben hier scheint ein Geheimnis gelüftet – trage deinen Charakter zur Schau, er könnte dich interessant wirken lassen.
Letztlich ersetzt auch dieses Buch nicht einen Routenplaner ins Herz des geliebten Menschen unserer Sehnsüchte. Allerdings verweht es manchen rosafarbenen Nebel, der der Liebe gerne ein verschwörerisches Element in den Schoß legt. Dabei sind es die schlichten Wahrheiten, die das wundervolle Glück der erfüllten Liebesmüh ermöglichen.
Michael Sens: Das Casanova Prinzip – Das Geheimnis der Verführung
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten,
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,90* Verlag: Südwest
