Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da stand Michael Thurk vor den Scherben seiner Karriere. Nach eineinhalb schlimmen Jahren wurde der Stürmer bei Eintracht Frankfurt vom Hof gejagt: zu schlecht, nicht bundesligatauglich, keine Perspektive. „Warum sollten wir an einem Spieler festhalten, von dem wir glauben, dass er uns sportlich nicht mehr weiterhilft?“, ätzte Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen seinerzeit in der F.A.Z.
19 Spiele, 19 Tore durch Michael Thurk
Thurk packte seinen Turnbeutel und zog weiter. Zum FC Augsburg, der damals auf Platz zwölf in Liga zwei dümpelte. Aus sportlicher Sicht sah das damals eindeutig nach Notlösung aus. Und heute? Heute kann Thurk sich auf die Schulter klopfen und sich zu seiner Entscheidung vor zwei Jahren gratulieren.
Denn beim Traditionsklub aus dem schwäbischen Teil Bayerns erlebt der quirlige Stürmer gerade seinen zweiten Frühling. Vielleicht sogar bald seinen dritten. 19 Treffer in 19 Ligaspielen hat er schon auf dem Konto, in fünf Spielen legte er sogar einen Doppelpack hin. Wenn Thurk so weitermacht wie bisher, ballert er den FCA am Ende sogar noch in die Bundesliga – und bekäme selbst zum dritten Mal eine Chance, sich im Oberhaus zu beweisen.
Mit 23 Jahren aus der Oberliga zum FSV Mainz
Was für eine Entwicklung für den 33-Jährigen, der erst seit zehn Jahren im Profifußball aktiv ist. Damals wechselte er aus der Oberliga nach Mainz, das seinerzeit noch in Liga zwei unterwegs war. In der zweiten Saison eroberte Thurk einen Stammplatz, traf regelmäßig ins Schwarze. Im letzten Spiel der Saison 2003/04 schoss er sich jedoch ein klassisches Eigentor – im übertragenen Sinne: Mit zwei Treffern gegen Trier sorgte er dafür, dass der FSV und nicht Cottbus den letzten Aufstiegsplatz in die Bundesliga erhaschte. Dummerweise hatte Thurk für die Folgesaison ausgerechnet schon in Cottbus unterschrieben.
Mainz feierte und stieg auf, Thurk holte tief Luft und ging in die Lausitz. Nach starkem Einstand hatte er dort allerdings bald Pech: Mit einer schweren Gesichtsverletzung fiel er Monate lang aus und kam nicht mehr in Tritt, schon in der nächsten Winterpause nahm Mainz den verlorenen Sohn wieder auf. Und so konnte Thurk mit ein wenig Verspätung doch sein Bundesliga-Debüt feiern.
Hattrick im Uefa-Cup für Eintracht Frankfurt
Nach zwei starken Spielzeiten ging der gebürtige Frankfurter dann 2006 zur Eintracht. Und anfangs sah es so aus, als würde er bei seinem erklärten Lieblingsklub einschlagen wie eine Bombe: Nach über elf Jahren durften die Hessen endlich mal wieder im Uefa Cup ran – und fegten Bröndby Kopenhagen mit 4:0 aus dem heimischen Stadion. Mit einem astreinen Hattrick war Thurk der überragende Mann, auch in der Bundesliga erzielte er schnell sein erster Tor. Doch danach ging es nur noch bergab. Thurk fiel in ein Leistungsloch, aus dem er in Frankfurt nicht mehr herausfand.
Nun trifft er in Augsburg fast nach Belieben. Bielefelds Trainer Thomas Gerstner, dessen Truppe Thurk ebenfalls zwei Tore einschenkte, riet Jogi Löw sogar, den Augsburger mit zur WM zu nehmen. Schließlich habe auch Lukas Podolski als Zweitligastürmer für die Nationalelf gespielt. Mit Thurk gegen Ghana, Serbien, Australien? Wohl doch eher nicht. „Ich habe meinen Urlaub für den Sommer schon gebucht“, verriet der Gefeierte verschmitzt in der Sportschau. „Und zwar nicht in Südafrika.“
