Michail Tuchatschewski, Marschall der Sowjetunion

Kurzbiographie des Sowjetmarschalls Michail Tuchatschewski: über seine militärische Laufbahn und das tragische Ende auf dem Höhepunkt seiner Popularität

Michail Tuchatschewski wurde am 16.2.1893 im Kreis Tschembar im Gouvernement Pensa geboren und entstammt einem altrussischen Adelsgeschlecht. Von einer französischen Gouvernante erzogen, trat er in das Moskauer Kadettenkorps ein. Als Leutnant im Semjonowski-Regiment der kaiserlichen Garde machte er bereits früh durch Intelligenz und Talent auf sich aufmerksam. Er zeichnete sich im 1. Weltkrieg aus, fühlte sich aber nicht genug anerkannt und geriet darum in Widerspruch mit dem Zarenregime. 1915 kam er in deutsche Gefangenschaft, aus der ihm 1917 die Flucht gelang.

Tuchatschewski im Kampf gegen Polen

Nach seiner Rückkehr stellte er sich der Revolution zur Verfügung. Vom Kriegssowjet einstimmig zum Oberbefehlshaber im Krieg gegen Polen (1920-1921) gewählt, brachte der "Rote Napoleon" dem Feind große Verluste bei.Trotz großer Anfangserfolge wurde Tuchatschewski jedoch vor Warschau von dem polnischen Marschall Pilsudski zum Rückzug gezwungen, was er mit der ausbleibenden Unterstützung durch ostgalizische Truppenverbände rechtfertigte. Diese Begründung beinhaltete gleichzeitig einen Vorwurf gegen die verantwortlichen Truppenkommissare Woroschilow und Stalin, die einen Vormarsch nach Mitteleuropa als sinnlos ablehnten. Der Keim für die spätere Feindschaft war jedoch gelegt.

Ernennung zum Marschall

1925 wurde Tuchatschewski Generalstabschef der Roten Armee, bevor er nach Trotzkis Ausschaltung 1925/1926 von seinem Vorgesetzten Woroschilow auf ein Kommando nach Leningrad abgeschoben wurde. 1931 beförderte man ihn zum Stellvertreter Woroschilows, und anlässlich der Wiedereinführung militärischer Titel in der Sowjetarmee im September 1935 wurde er zum Marschall der Sowjetunion ernannt. Anfang Mai 1937 kam die Ernennung zum Kommandeur eines entlegenen Wolga-Distrikts, was quasi einer Abschiebung gleichkam. Dennoch vertrat er die UdSSR bei den Krönungsfeierlichkeiten für Georg VI. in London.

Das Mißtrauen Stalins bedeutet Tuchatschewskis Ende

Sein hoher Rang, seine Beliebtheit in der Armee, Stalins sowie Woroschilows Misstrauen und nicht zuletzt die frühere Protektion durch den Stalin verhassten Trotzki wurden Tuchatschewski schließlich zum Verhängnis. Anfang Juni 1937 wurde er verhaftet und zusammen mit mehreren „Komplizen“ der Verschwörung beschuldigt, von denen die wichtigsten bereits im Mai 1937 verhaftet worden waren - eine Affäre, die monatelang sorgfältig vorbereitet worden war. Leiter des Verhörs war der berüchtigte Jeschow, der „Bluthund“ Stalins. Stalin selbst überwachte das Ermittlungsverfahren, er hatte über den sowjetischen Botschafter in Prag eine von den Nationalsozialisten zusammengestellte und gefälschte Akte erhalten, die einen fingierten Briefwechsel zwischen dem Marschall und Mitgliedern des deutschen Oberkommandos enthielt.

Verurteilt wurde er schließlich wegen „hoch- und landesverräterischer Verbindung mit einer faschistisch ausländischen Macht“ und am 11. 06. 1937 teilte die Presse das Todesurteil wegen Verrat und Spionage mit. Tuchatschewski war zuvor „handfesten“ Verhören unterzogen worden, was nichts anderes als Folter bedeutet. Noch zwanzig Jahre später fand man auf einer Erklärung Tuchatschewskis, die wegen seines Rehabilitierungs-Prozesses gesichtet wurde, Blutspuren. Trotzdem gestanden die Angeklagten erst kurz vor der Verurteilung. Das Todesurteil wurde am 11. 06. 1937 auf dem Hof des Lubljanka-Gefängnisses durch Erschießen an Marschall Tuchatschewskis und sieben mitangeklagten Generälen vollstreckt.

Hagen Winsmann, Foto: Fotoatelier Wege

Hagen Winsmann - Hallo, Mein Name ist Hagen Winsmann. Ich studiere seit Oktober 2005 Prähistorische Archäologie an der ...

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