Michel de Montaignes Leben

Eine Kurzbiographie über den französischen Schriftsteller

Seine „Essais" sind berühmt. Doch wer steckt hinter diesem vierbändigen Werk?

Michel Eyquem de Montaigne wird im Jahr 1533 auf Château de Montaigne in der Nähe von Libourne im Périgord (heute Departement Dordogne) geboren. Er ist der erstgeborene Sohn (nach zwei Schwestern) des wohlhabenden Kaufmanns und hohen Richters am Parlament von Bordeaux Pierre Eyquem und dessen Frau Antoinette, vermutlich jüdischer Herkunft. Insgesamt hat er sieben Brüder und Schwestern.

Michel de Montaigne stammt aus der hohen „Noblesse de robe" (Amtsadel). Das bedeutet, dass Ämter von Generation zu Generation weitergegeben werden. Michel übernimmt später selbstverständlich das Richteramt seines Vaters.

Zur Abhärtung ins Dorf

Die Kinder der Familie Eyquem werden unkonventionell, fast schon experimentell erzogen. So überlässt der Vater seinen Sohn im Säuglingsalter zur Abhärtung einfachen Landleuten aus einem benachbarten Dorf. Dem Volk wird Michel de Montaigne sein Leben lang ohne den sonst üblichen Dünkel seiner gesellschaftlichen Klasse gegenüberstehen.

Er wird zuerst von einem Privatlehrer, dem deutschen Arzt Horstanus, unterrichtet, der ausschließlich auf Latein mit ihm spricht. Der Vater hält auch die Hausangestellten dazu an, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, ausschließlich Lateinisch mit den Kindern zu sprechen.

Von 1539 bis 1546 besucht in Bordeaux das Collège de Guyenne. Unter dem großen schottischen Latinisten Buchanan erhält er dort eine humanistische Schulbildung. Er lernt vor allem die klassischen Texte der Antike kennen (und lieben). Plutarch, Seneca und Tacitus, seine späteren Lieblingsschriftsteller, lernt er ebenso genau kennen wie Vergil, Terenz, Cicero und Plautus. Diese berühmten Schriftsteller beeinflussen ihn in seinem späteren Leben und Wirken maßgeblich.

Von 1546 bis 1553 studiert Michel de Montaigne Rechtswissenschaften in Bordeaux und Toulouse (er ist dreizehn Jahre alt, als er sein Studium aufnimmt, und neunzehn, als er es beendet - für die damalige Zeit ist das durchaus gewöhnlich). Mit einundzwanzig Jahren wird er Ratsherr am Steuergerichtshof in Périgueux und arbeitet von 1557-1570 als Parlamentsrat in Bordeaux. Montaigne lernt seinen Amtskollegen und Schriftsteller Étienne de la Boëtie (1530-1563) über dessen Schrift "Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen" kennen, der für ihn fortan wie ein Seelenverwandter ist.

1565 heiratet Michel de Montaigne am 25. September Francoise de la Chassagne, die Tochter eines Ratskollegen im Parlament von Bordeaux. Sie bringt ihm durchaus eine ordentliche Mitgift ein. Es ist eine sog. Konvenienz-Ehe. Sie werden fünf Töchter haben, wobei jedoch nur die Tochter Leonore das Erwachsenalter erleben wird.

Bartholomäus-Nacht

Am 10. April 1570 verkauft Michel de Montaigne sein Parlamentsamt an Florimond de Raemond. Sein Entschluss, sich ins Privatleben zurückzuziehen, ist gefallen und er organisiert den Rückzug. Er möchte in aller Ruhe und aller Sorgen ledig, wenn es das Schicksal ihm vergönnt, den Rest seines Lebens im Privaten vollenden.

Am 24. August 1572 kommt es in Paris zu einem traurigen Höhepunkt des religiösen Bürgerkriegs, der sogenannten Bartholomäus-Nacht. Die katholische Königsmutter Katharina de Medici trägt die Verantwortung für die Ermordung von über 4000 Hugenotten.

Montaigne wird selbst in die Wirren des Bürgerkriegs geraten, als Diplomat, als Gefangener, als Soldat; und er wird verzweifelt sein über die Bösartigkeit der Menschen.

Zwischen 1577 und 1580 entsteht das zweite Buch der „Essais". Montaigne wird sowohl von Heinrich III. als auch von Heinrich von Navarra zum Kammerherrn ernannt. Zu dieser Zeit erkrankt er erstmals an Nierensteinen. Er plant eine große Tour durch Europa, auch, um verschiedene Heilbäder zur Linderung seines Leidens aufzusuchen und um sich weiterzubilden.

Am 1. März erscheinen die ersten beiden Bände der Essais bei Simon Milanges in Bordeaux. Er übereicht unterwegs in Paris Heinrich III. seine Essais.

Reiseerlebnisse ins Tagebuch

Während seiner Reise erreicht ihn am 7. September 1581 die Nachricht, am 2. August einstimmig zum Bürgermeister gewählt worden zu sein. Im Spätherbst erst bricht Montaigne zur Heimreise nach Frankreich auf, um sein Amt anzutreten. Am 30. November 1581 erreicht er Schloss Montaigne.

Seine Reiseerlebnisse schreibt er in einem Tagebuch nieder. Dieses hat Montaigne bewusst nicht veröffentlicht, es wird erst 150 Jahre nach dem Tode des Schriftstellers zufällig durch Abbe de Prunis auf Schloss Montaigne entdeckt. Das Manuskript erscheint 1774 unter dem Titel: „Tagebuch einer Reise durch Italien, die Schweiz und Deutschland in den Jahren 1580 und 1581".

1586 Montaigne schreibt den dritten Band der Essais. Montaigne reist 1588 zur Veröffentlichung der vierten Ausgabe seiner Essais nach Paris, jetzt ergänzt um das dritte Buch. Unterwegs wird Montaigne überfallen, überlebt aber. Bei seiner Rückkehr nach am 10. Juli wird er für einige Stunden in der Bastille festgesetzt, seine Freilassung verfügt Katharina von Medici, eine Bewunderin seines Werkes.

Am 13. September 1592 stirbt Montaigne im Alter von 59 Jahren auf seinem Schloss an einer schweren Angina, ein Jahr nachdem er Großvater geworden ist.

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