Michelin-Restaurants für Anfänger

Gehobene Küche - J.Ilkun
Gehobene Küche - J.Ilkun
Wann lohnt es sich 300 € für einen Besuch im Restaurant mit Michelin-Stern auszugeben? Was jeder Anfänger wissen sollte: Küche, Wein, Bestellung, Dresscode.

Viele Reiseführer markieren die von ihnen bewerteten Cafés und Restaurants mit 1 bis 4 oder 5 $-Zeichen – je nach dem durchschnittlichen Rechnungsbetrag. Manchmal werden auch Sternchen benutzt. Die Sternezahl bemisst die Qualität des Restaurants und weist gleichzeitig auf logischerweise steigende Preise hin. Das ist aber gar nicht immer der Fall. Wie viele authentische, gemütliche Bistros, Trattorias und Ähnliches es gibt. Auf der Speisekarte stehen nur wenige Gerichte, die dabei alle superlecker schmecken und das Portemonnaie nicht so stark belasten.

Und auf der anderen Seite der Gourmetwelt gibt es ausgezeichnete Haute Cuisine für Feinschmecker, Kenner oder einfach für Snobs. Da wird um die richtigen Sterne gekämpft – nämlich Michelin-Sterne. Die gibt es nur *, ** oder ***. In Berlin zum Beispiel befinden sich zurzeit 12 Michelin-Restaurants, davon ist nur eins mit zwei Sternen ausgezeichnet. In ganz Deutschland haben es gerade neun Restaurants verdient, mit allen 3 Sternen prahlen zu können.

Michelin-Stern - begehrte Auszeichnung

Obwohl auch im Restaurantkritikbereich ernsthafte Konkurrenz stattfindet, und die Michelin-Sterne auch schon mal zweifelhaft vergeben wurden, bleibt diese Auszeichnung die begehrteste für die hochklassigen Restaurants und Starköche. Und das macht manchen durchschnittlichen Verbraucher, der unter „Wir gehen essen“ meist einen Imbiss um die Ecke oder höchstens eine trendige Sushi-Bar versteht, neugierig: was steckt denn hinter diesem Hochglanz von Michelin? Lohnt es sich wirklich, um 300-400 Euro und mehr für ein Abendessen für zwei auszugeben? Wird dies zum außergewöhnlichen Erlebnis? Könnte ich auch ein Restauranttester werden, vielleicht im nächsten Leben?

Tipps für Interessierte an Haute Cuisine-Restaurants

  1. Ja, ein Besuch eines gehobenen Restaurants kann bestimmt zu einem Erlebnis werden, das seinen Preis (in einem nicht zu übertriebenen Rahmen) wert ist. Allerdings gilt das nur für die Menschen, die sich nicht ausschließlich auf gutbürgerliche oder gar supermarktvorgefertigte Küche beschränken. Da die Kreationen, die die Top-Köche ihren Gästen anbieten, dafür gedacht sind, sie visuell so wie geschmacklich zum Erstaunen zu bringen. Es schmeckt, aber das ist definitiv eine andere Art des Kochens. Kochkunst nämlich.
  2. Es gibt natürlich viele absolut empfehlenswerte Haute Cuisine-Restaurants, die ihren Michelin-Stern (noch) nicht geschafft haben. Vielleicht sind manche sogar besser als die schon renommierten – besonders wenn der Küchenchef gerade darum kämpft, seine Auszeichnungen zu verdienen. Aber wer nicht vorhat, solche Orte regelmäßig zu besuchen, sollte wahrscheinlich besser doch ein von Experten schon ausgezeichnetes Restaurant wählen. Das bringt ein besonders stolzes Erfahrungsgefühl und, was nicht ganz unwichtig ist, so lässt sich mehr Aufmerksamkeit bei Gesprächen im Freundeskreis gewinnen.
  3. Viele Restaurants bieten Geschenkgutscheine an. Das wäre eine lohnende Variante für so einen Niemals-vergessen-Anlass wie zum Beispiel den Hochzeitstag. Schön ist dabei, dass beide das genießen können – es also keine Verlierer bei dem plötzlichen Ausfall im Familienbudget gibt. Ansonsten gibt es Menüs (ohne Wein) und entsprechende Gutscheine für schon unter 100 Euro für eine beschenkte Person, welche sowieso schon alles zu besitzen scheint und kaum noch etwas zu wünschen hat.
  4. Anfänger sollten ein fertig kombiniertes Menü, und nicht frei aus der Speisekarte wählen. Erstens bekommt man für wesentlich weniger Geld mehr zu verkosten (schließlich kommt man in so ein Restaurant nicht bloß, um sich satt zu machen). Zweitens sind das gut ausgeglichene Kompositionen von den besten oder den neuesten Gerichten. Falls irgendwas nicht passt, kann man das immer ersetzen lassen. Manchmal gibt es spezielle Degustationsmenüs, die eine besondere Vielfalt in den kleinsten Portionen enthält. Ein normales 4-gängiges Menü reicht aber völlig für einen Durchschnittsesser. Man soll ja auch damit rechnen, dass dazu noch einige Häppchen oder sogar ganze Gänge als Vorspeisen oder Nachspeisen vom Chef kommen, und unbegrenzt hausgebackene Brote mit hausgemischten Buttersorten.
  5. Wer kein echter Weinkenner ist, sollte sich dem Sommelier anvertrauen und sich zu jedem Gang mit passendem Wein bedienen lassen. Das lohnt sich wirklich, auch wenn der entsprechende Anteil der Rechnung den Menüanteil übersteigt. Auf besonders teure Weine kann man sicherheitshalber verzichten, indem man das mit dem Sommelier vorher abspricht.
  6. Es gibt Restaurants, wo ein lässiger Outfit mit Jeans total in Ordnung ist, und es gibt die anderen. Wer nicht vorher fragen möchte, kann sich ruhig für einen Anzug entscheiden. Auch wenn die Atmosphäre eher locker ist, wird er nicht seltsam aussehen, da immer ein paar Geschäftsleute dabei sind, die genau das gleiche tragen.
JI, Jana Ilkun

Jana Ilkun - Russisch- und deutschsprachige Journalistin, Redakteurin und Übersetzerin. Food, Lifestyle, Integration: Ich schreibe anders als die ...

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