
- Noomi Rapace als Lisbeth Salander im ZDF - Yellowbird
Crime-Time immer sonntags: In einer sechsteiligen Reihe zeigt das Zweite Deutsche Fernsehen an sechs späten Sonntagabenden im Januar und Februar 2011 die "Millenium"-Trilogie des schwedischen Bestsellerautors Stieg Larsson. Die Verfilmungen der Romane "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" werden jeweils in zwei 90-minütigen Teilen ausgestrahlt.
"Millenium"-Autor Stieg Larsson erlebte seinen Ruhm nicht mehr
Stieg Larsson gehört zu den erfolgreichsten Krimiautoren Skandinaviens. Auch in Deutschland haben seine Romane bereits Kultstatus erreicht, weltweit wurden sie millionenfach verkauft. Stieg Larsson, der 2004 im Alter von 50 Jahren starb, war Journalist, Gründer der antirassistischen Expo-Stiftung und Herausgeber des gleichnamigen Magazins. Kurz vor seinem Tod hatte der Autor seine "Millennium"-Trilogie mit den außergewöhnlichen Protagonisten Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander vollendet. Die Darstellung der Persönlichkeitsentwicklung dieser beiden unterschiedlichen Charaktere – blendend gespielt von Noomi Rapace und Mikael Nyqvist – bildet das Bindeglied der Filme. In den drei Romanen wird jeweils eine abgeschlossene Krimihandlung erzählt.
Mikael Nyqvist als Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander
Als internationale Koproduktion von Yellowbird, ZDF und SVT in Zusammenarbeit mit ZDF-Enterprises und Nordisk Film, wurde "Millennium" 2009 mit Mikael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander in Schweden verfilmt und lief zunächst in einer verkürzten Fassung mit großem Erfolg in den europäischen Kinos. Laut ZDF, das die Originalversion in sechs Teilen präsentiert, erweist sich das filmische Konzept, jeden Roman als Zweiteiler anzulegen, "aufgrund der Erzähldichte des Werkes als ideal".
Psychothriller um eine Familiengeschichte
Die deutschsprachigen Titel "Verblendung", „Verdammnis“ und "Vergebung" sind etwas irreführend. Im schwedischen Original lauten sie passender "Männer, die Frauen hassen", „Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“ und "Das Lustschloss, das gesprengt wurde". Die Krimis können gut auch als Psychothriller durchgehen, denn es geht hauptsächlich um das Mädchen Lisbeth Salander und ihre schreckliche Familiengeschichte, die in „Verblendung“ zunächst angedeutet wird. Die Story, um die es in Teil 1 eigentlich geht – kriminelle Machenschaften eines russischen Überläufers aus dem Geheimdienst, Drogendeal, Verflechtungen in die schwedische Gesellschaft, illegale Prostitution – dienen im Grunde nur als Kulisse für die eigentliche Geschichte um das körperlich zarte, mental umso härtere und emotional unterentwickelte Mädchen Lisbeth.
Die autistische Störung der Lisbeth Salander
Weniger gepierct, mit längeren Haaren etwas weiblicher und weicher geworden hackt Lisbeth in der dritten und vierten ZDF-Folge ("Verdammnis") noch genauso gut fremde Computerinhalte wie im ersten Teil. Diesmal sieht man sie nicht in einer erotischen Situation mit Journalist Mikael Blomqvist, sondern in einer fast anrührenden, nicht gefühlskalten Sexszene mit Freundin Miriam auf dem Fußboden ihrer früheren Wohnung. Das Wort "Freundschaft" hat allerdings für Lisbeth, die an einer autistischen Störung leidet, keine herkömmliche Bedeutung. Mehrfach beklagen sich die Menschen, denen das Mädchen etwas bedeutet, wenn auch vorsichtig, bei ihr, dass sie kommentarlos für ein bis zwei Jahre spur- und nachrichtenlos verschwindet und genauso plötzlich, für sie selbst bruchlos, wieder auftaucht.
"Verdammnis" – Thriller gegen gewalttätige Männer und Mädchenmissbrauch
"Verblendung" und „Verdammnis“ sind keine richtig harten Thriller, wenn auch im Grenzbereich dazu und nervenbelastend genug, um die Altersgrenze von 16 Jahren im Kino und die späte TV-Sendezeit unbedingt zu befürworten. Jedoch sind sie nicht voyeuristisch im eigentlichen Sinne, denn es handelt sich um politische Filme, die die filmtechnisch zur Verfügung stehenden suggestiven Mittel für ein hehres, aufklärerisches Ziel nutzen: Gewalt und sexuelle Übergriffe von brutalen Männern und von Verbrechern gegen solche Frauen und Mädchen, die ihnen in einer Abhängigkeitssituation und wehrlos augeliefert sind, gnadenlos anzuprangern. Lisbeth Salander nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt es in mitleidsloser Gegengewalt den Tätern auf die Brust: „Ich bin ein sadistisches Schwein und ein Vergewaltiger."
"Vergebung" – ein Luftschloss wird gesprengt
In diesen meist im Verborgenen verübten Taten und Lisbeth Salanders Gegenwehr der unsanften Art liegt das Provokative, Schockierende und der tiefere Sinn dieser vielleicht sogar feministische Thriller. Noch vor 30 bis 40 Jahren, vielleicht sogar noch vor 15 oder 20 Jahren, wären die mitleidlosen Vergeltungsschläge der Datenermittlerin Lisbeth als aggressiver Aufruf zu feministischer Ranküne verstanden worden, hätte mancher den Geist einer Gudrun Ensslin warnend beschworen. Heutzutage passiert so etwas nicht, die Moral oder Unmoral der weiblichen Tat wird kaum diskutiert.
Sendetermine des ZDF jeweils sonntags um 22 Uhr
Sonntag 23. Januar, 30. Januar, 6. Februar, 13. Februar, 20. Februar, 27. Februar 2011
