Milreu, römische Luxus-Villa an der Südalgarve

Algarve, Milreu, Römische Säulen - Bernd Keiner
Algarve, Milreu, Römische Säulen - Bernd Keiner
Lusitania, das heutige Südportugal, war die westlichste Provinz des römischen Reiches. Eine der schönsten Villen und Tempel findet man an der Algarve.

Mehr als 2000 Jahre bevor der europäische Geldadel die klimatischen Vorteile der Algarve entdeckte und mit dem Bau protziger Villen in der bis dato unbekannten Region Vale do Lobo und Quinta do Lago begann, genoss die römische Elite in vollen Zügen das angenehme Luxusleben auf ihren Gutshöfen (villae rusticae). Diese prächtigen Landgüter entstanden bereits im 2. und 1. Jahrhundert vor Christi im Hinterland der Kolonialstädte Ossonobo (Faro), Balsa (Luz de Tavira), Portus Magnus (Portimão), Lacóbriga (Lagos) und Silibis (Silves). Eine der wenigen sichtbaren Spuren aus den Glanztagen des römischen Imperiums in der abgelegenen Provinz Lusitania sind die Ruinen von Milreu, etwa sieben Kilometer nördlich der Algarve-Hauptstadt Faro.

Maritime Mosaike bereichern die römische Villa von Milreu

Das, was interessierte Besucher heute bei einem Rundgang durch die Ausgrabungsstätte sehen, sind die Ruinen eines auf den Resten der älteren Villa im 3. Jahrhundert nach Christus errichteten Landsitzes. Nur mit viel Fantasie lässt sich die üppige Ausstattung von Herrenhaus, Tempel, Thermen, Säulengängen, Atrium, Weinkellerei, Gesindeunterkünften und Vorratslager erahnen. Besonders auffallend sind die wunderschönen maritimen Mosaike an den Wänden von Tempel und Thermen. Die Darstellungen der Fische und Mollusken mag auf den ersten Blick plump erscheinen, doch sobald die Becken mit Wasser gefüllt waren, erschienen die Tiere lebendig und proportional richtig.

Auch an der Algarve dominierte die Architektur des Vitruvius

Wie bei vielen römischen Prachtbauten haben sich die Baumeister der Villa an den Vorgaben des Vitruvius Pollio orientiert, die er zur Zeit des römischen Kaisers Augustus in seinen „Zehn Büchern über Architektur“ dokumentiert hat. Bei der Ausrichtung des Gebäudekomplexes wurde deshalb auf die Einhaltung harmonischer Proportionen geachtet. Sämtliche Privaträume befanden sich im Ostflügel, was gesunden Schlaf und angenehme Träume versprach; die Bibliothek war nach Norden ausgerichtet, um grelle Sonneneinstrahlung auf Bücher, Dokumente und Schriftrollen zu verhindern. Wichtigstes Kriterium war jedoch: das für die Bebauung vorgesehene Grundstück musste „gesund“ sein und Quellen aufweisen.

Römischer Tempel als Kultstätte für Christen und Mauren

Vom Reichtum des Villenbesitzers zeugt auch die Tempelanlage am südlichen Rand des Anwesens. Gewiss, ein Prestigeobjekt des Gutsherrn, mit dem er seine Sonderstellung unterstreichen wollte, doch auch ein deutlicher Nachweis des in der damaligen Zeit praktizierten Wasserkultes (Nymphäum). Als Ersatz für die eigentlich notwendige Quelle diente den Erbauern ein sechseckiges Wasserbecken im Zentrum des Tempels. Später diente das Tempelareal den Christen und maurischen Okkupanten als Gebetsplatz. Erst der Einsturz der gesamten Dachkuppel Mitte des 10. Jahrhunderts, wahrscheinlich ausgelöst durch ein Erdbeben, beendete die weitere Nutzung des Tempels als Kultplatz.

Die Museen der Algarve bewahren römische Exponate

Wer in dem kleinen, in die Ausgrabungsstätte integrierten Museum exquisite Exponate aus der römischen Periode erwartet, wird enttäuscht sein. Die meisten und schönsten Funde aus Milreu – Keramiken, Münzen, Marmorbüsten, Götterbilder und Porträts lokaler Persönlichkeiten, Bronzegegenstände, Werkzeuge und Glasgefäße – werden im Museu Arqueológico e Lapidar do Infante Dom Henrique in Faro, im Regionalmuseum von Lagos und im archäologischen Nationalmuseum in Lissabon verwahrt. Die Öffnungszeiten der Ruinen von Milreu: 9:30 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr. In den Wintermonaten wird die Anlage um 17:00 geschlossen.

Quellen: Ministério da Cultura, Turismo do Algarve, eigene Recherche in Milreu

Bernd Keiner, Reisejournalist; Fotograf und Filmem, Reiner Pohl

Bernd Keiner - Bernd Keiner, geboren in Wuppertal, Sternzeichen Schütze, ist Abenteurer und Globetrotter aus Leidenschaft. Nach abgeschlossenem ...

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