Es begann am Anfang der 60er Jahre, da legten die Karl-Marx-Städter auf einem Areal im Chemnitzer Ortsteil Rabenstein den Grundstein für einen Heimattierpark. Das Gelände, sumpfig und dicht bewaldet, war eine echte Herausforderung. Dennoch gelang es in wenigen Jahren, einen Besuchermagnet zu schaffen. Vorwiegend im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes, mit Mitteln aus dem Lotteriegeschäft und staatlicher Finanzierung entstanden bis zur Eröffnung im Juni 1964 zahlreiche Gehege, in denen vorwiegend Haustiere, einheimische Wildtiere und Affen lebten. Mit dem rund zehn Jahre später erarbeiteten neuen Konzept für den Tierpark wurde das Artenspektrum verändert. Der Heimattierpark spezialisierte sich auf die Tierwelt der Sowjetunion. Sibirische Tiger und Kulane zogen in die Gehege ein.

Vom Heimattierpark zum Artenschutz-Zoo

Seit den 90er Jahren wuchs der Tierpark ständig, neue Tierarten wurden gekauft oder mit anderen Zoos ausgetauscht. Dabei konzentrierten sich die Mitarbeiter vor allem auf Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Bemerkenswert ist beispielsweise die vollkommene Rückzüchtung der Przewalski-Pferde, einer eigentlich ausgestorbenen Ur-Pferdeart. Damit soll auch die Wiederansiedlung dieser Pferde in der Mongolei unterstützt werden. Es ist eine Augenweide, diesen stämmigen, vor Kraft strotzenden Tieren beim Herumtoben im Gehege zu beobachten. Ein großer Anziehungspunkt ist das vor wenigen Jahren errichtete Tropenhaus. Exotische Vögel schwirren zwitschernd zwischen ebenso exotischen tropischen Gewächsen. Die Bananenstauden tragen Früchte. Alligatoren dösen in ihren Becken, Piranhas tummeln sich im Aquarium. Am Ausgang des Tropenhauses sorgen die Zwergflusspferde immer für Besucherstau. Erst jüngst wurde ein Mini-Hippo geboren, das sich bei seiner Mutter sichtlich wohl und geborgen fühlt. Gleich gegenüber tollen die Erdmännchen in ihrer Anlage, gut bewacht vom Erdmännchenchef. Diese Anlage ist erst vor zwei Jahren erbaut worden.

Das Vivarium - Europas einzigartiges Spezialhaus für Amphibien

Hier ist der Artenschutzgedanke des Tierparks besonders augenfällig. Die Aquarien und Terrarien der rund 50 verschiedenen Amphibienarten waren bisher in drei wohltemperierten Räumen untergebracht. Gegenwärtig wird das Vivarium modernisiert und ein vierter Raum angebaut. Die Eröffnung soll noch in diesem Jahr sein. Dort hält dann der Chinesische Riesensalamander und der Schlammteufel einzug. So erweitert sich die erstaunliche Form- und Farbenvielfalt der Amphibienarten, zu denen auch Baumsteigerfrösche und Krallenfrösche gehören.

Lippenbären wohnen mit Affen zusammen

Im Laufe der Jahre wurde im Tierpark "Pelzmühle" viel investiert. Oft entsprachen die Unterkünfte der Tiere nicht mehr den Tierschutzbestimmungen. Zwar sind noch nicht alle Unzulänglichkeiten beseitigt, aber Fortschritte erkennbar. So gibt es eine Gemeinschaftsanlage mit Nandus und Wasserschweinen. Letztere sind nur im Sommer draußen zu sehen. Wintersüber ziehen die Riesenmeerschweine dann ins Tropenhaus. Die Lippenbären teilen sich ein Gehege mit den Bärenmakaken. Die zu den Altweltaffen zählende Art lebt in freier Wildbahn ausschließlich in Asien. In der Pelzmühle vertragen sie sich mit den Lippenbären. Schließlich leben die Affen ohnehin mehr auf ihren Klettergelegenheiten im Freigehege als am Boden.

Löwe Malik und die Fußbodenheizung

Während der letzten Jahre bekamen auch die Löwen ein neues Zuhause. Ihr Gehege, durchflossen vom Unritzbach, bietet viel Fläche zum Herumtoben der Löwin Kimba und des Löwen Malik. Malik kam einst aus dem Leipziger Zoo. Dort wurde er durch das Fernsehen bekannt, musste Malik doch mit der Flasche groß gezogen werden. Wegen einer angeborenen Augenkrankheit war allerdings eine Zucht mit ihm nicht möglich. So kam er nach Chemnitz. Im vorigen Jahr stand das Leben des Katers auf der Kippe. Ein Nierenleiden setzte ihm schlimm zu. Deshalb bekam er in seine Behausung eine Fußbodenheizung eingebaut. Derzeit geht es ihm gut, und er kann mit seiner Kimba im Gehege zur Freude der Besucher wandeln.

Rund 1000 Tierarten auf 10 Hektar

Neben all den bereits erwähnten Tieren haben rund 1000 andere ihr Zuhause im 10 Hektar großen Tierpark "Pelzmühle". Zum Tierpark selbst gehört noch das Wildgatter "Oberrabenstein", in dem vorwiegend einheimische Tiere zu beobachten sind. Wildschweine, Hirsche und Rehe sowie Mufflons tollen hier in großzügig naturnah angelegten Gattern. Dazu gesellen sich im Wildgatter auch der Lux, der Wolf und das Wisent. Für den Tierpark Pelzmühle sollen hier nur noch stellvertretend für viele andere Arten die Kängurus, Nasenbären, Lisztäffchen, Trampeltiere und die Schneeziegen genannt werden. Selbstverständlich verfügt der Tierpark auch über ein sehr schönes Streichelgehege, erbaut im Stil eines Bauernhofes, in dem auch die Hängebauchschweine samt Nachwuchs ihren Platz haben.

Erweiterung steht leider in den Sternen

Will ein Tierpark an Resonanz nichts einbüßen, muss er sich immer neu erfinden. Neue Tierarten, neue Gehege und neue Konzepte locken Besucher an. Der "Pelzmühle" geht es nicht anders. Es scheint jedoch, dass Erweiterungsvorhaben derzeit auf Eis gelegt sind. Die vom ehemaligen Tierparkdirektor eingereichten Pläne für den Kauf einer angrenzenden Industriebrache zur Errichtung einer Nashornsavanne sind jedenfalls vorerst gescheitert. Chemnitz leidet, wie viele Kommunen, an chronischer Finanzschwäche. So reichen die Mittel gegenwärtig knapp dem Erhalt des Tierparks. Durch den Wegfall von Arbeitskräften des zweiten Arbeitsmarktes kommt es dazu zu personellen Engpässen. Eine Situation, die von der Stadtverwaltung dringend Lösungen erfordert. Schließlich gehört die "Pelzmühle" zu den bekanntesten Naherholungszentren der Stadt und fügt sich in die Reihe der Ausflugsziele Siegmar und Rabenstein samt Stausee und Wildgatter ebenbürtig ein. Nicht zu vergessen die Tierparkschule, in der Kinder realitätsnah im Fach Biologie unterrichtet werden.

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Quelle:

Tierpark Pelzmühle