Bei einem TV-Auftritt sprach der japanische Ministerpräsident Naoto Kan seinen von mehreren Naturkatastrophen schwer in Mitleidenschaft gezogenen Landsleuten Mut zu. Wie schon in den letzten Tagen räumte er ein, dass Japan derzeit die größte Krise seit 1945 zu bewältigen habe. Das Land werde diese jedoch "überwinden und sich erholen". Jeden einzelnen Japaner rief er zur Mithilfe bei diesem gewaltigen Unterfangen auf. Gleichzeitig betonte der Ministerpräsident, dass die aktuelle Situation im havarierten AKW Fukushima nach wie vor sehr ernst sei. Die Lage dort werde aber "in nicht weiter Ferne" wieder unter Kontrolle gebracht. Wie die Fernsehansprache des japanischen Ministerpräsidenten, der sich nur selten vor der Presse äußert, von geplagten Landsleuten aufgenommen wurde, ist derzeit noch nicht bekannt.

Die aktuelle Situation im Atomkraftwerk Fukushima

Die Lage im havarierten AKW Fukushima an der Ostküste Japans ist nach wie vor sehr schwierig und unübersichtlich. Seit dem heutigen Tag erwägt der Betreiber des Kraftwerks, das inzwischen schwer in die Kritik geratene japanische Unternehmen Tepco, das teilweise zerstörte Atomkraftwerk unter einem Berg aus Sand und Beton zu begraben, um den weiteren Austritt von Strahlung zu verhindern. In den letzten vierundzwanzig Stunden hatte man versucht, die Brennstäbe durch gezielte Wasserabwürfe von Helikoptern aus der Luft sowie den Einsatz von konventionellen Wasserwerfern zu kühlen. Auch am Bau einer Notstromleitung wird fieberhaft gearbeitet. Wie die Ingenieure von Tepco mitteilten, sei die Methode des Einbetonierens bereits im Jahr 1986 beim Störfall in Tschernobyl angewendet worden. Es handle sich dabei um den letzten noch verbleibenden Ausweg, falls es nicht gelinge, mittels der wiederhergestellten Notstromversorgung die Kühlung der Reaktoren erneut zu aktivieren.

Wie ernst die Lage vor Ort ist, beweist die Tatsache, dass die japanische Atombehörde den Störfall der havarierten Reaktoren eins, zwei und drei zwischenzeitlich auf die Kategorie fünf hochgestuft hat. In Tschernobyl war 1986 die höchste Stufe sieben erreicht worden. Noch versucht man, den nicht nur in Japan, sondern weltweit gefürchteten Super-GAU zu vermeiden. Die Ankündigung des Betreibers Tepco, das strahlende Atomkraftwerk notfalls in einer Art Sarkophag einzuschließen, lässt allerdings vermuten, dass man mit einem Scheitern aller Rettungsversuche rechnet. Die Methode, das AKW unter Sand und Beton zu begraben und damit einen massiven Austritt von Strahlung zu verhindern, wäre damit die ultima ratio.

Besteht für Reisen nach Japan Gefahr? Die WHO bezieht Stellung

Wie ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am heutigen Tag erklärte, bestehe derzeit grundsätzlich keine Gefahr für Reisen nach Japan. Dies gelte jedoch nicht für die schwer zerstörten Regionen im Norden des Landes, wo es wegen des starken Erdbebens und des darauf folgenden Tsunami zu großen Verwüstungen gekommen sei. Von dem havarierten Kraftwerk gehe vorläufig keine unmittelbare Gesundheitsschädigung für die Menschen im weiteren Umfeld aus, so die WHO. Allerdings müsse die Lage dort ständig beobachtet werden. Das Auswärtige Amt hatte hingegen bereits am 16. März 2011 seine Reisewarnung für Teile Japans verschärft und allen Deutschen empfohlen, wegen der Atomkatastrophe den Nordosten Japans sowie den Ballungsraum Tokio/Yokohama vorübergehend zu verlassen. Unterdessen sind weltweit zahlreiche Hilfs- und Spendenaktionen angelaufen, um den notleidenden Menschen in Japan beizustehen.

Quellen: diepresse.com; de.reuters.com; focus.de