Mirco-Prozess: Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Olaf H.

Landgericht Krefeld: Schauplatz Mirco-Prozess - Martin Winz
Landgericht Krefeld: Schauplatz Mirco-Prozess - Martin Winz
Am 12.07.2011 begann vor dem Landgericht Krefeld das Verfahren gegen den Kindsmörder. Hier: Fakten dazu, Termine und eine Zusammenfassung des Falles Mirco.

Am 12. Juli 2011 begann vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes Krefeld der Prozess gegen Olaf H., der des Mordes an dem zehnjährigen Mirco Schlitter beschuldigt wird. Der seinerzeitige Telekom-Mitarbeiter soll den Jungen am Abend des 03. September 2010 entführt, sexuell missbraucht und zur Verdeckung der Tat getötet haben. Der dem Verfahren vorsitzende Richter Herbert Luczak (59) setzte nach Angabe der Pressestelle des Landgerichtes 15 Verhandlungstage an. Zum Prozessbeginn um 09:00 Uhr war der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz besetzt. Nach Informationen aus dem Landgericht erschien Olaf H. zum Prozessauftakt mit einem Baseball-Cap und einer Sonnenbrille in hellem Hemd mit Krawatte und dunklem Sakko. Den Fotografen gegenüber verdeckte er sein Gesicht mit einem Aktendeckel.

Staatsanwältin Silke Naumann verlas die Anklageschrift. Olaf H. zeigte dazu keinerlei Regung. Gerd Meister, der Anwalt des Beschuldigten, gab im Anschluss daran eine vorab avisierte und mit Spannung erwartete Erklärung ab. In dieser bestätigte der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Vorwürfe als weitestgehend richtig. Nur die Attacke mit dem Messer weist der Beschuldigte zurück; ebenso, wie die Ausführungen zum Motiv, das nicht sexuell gewesen sein soll. Eine Entschuldigung will Olaf H. nicht aussprechen, denn seine Tat sei nicht zu entschuldigen. Darüber hinaus, so Meister, sei sein Mandant suizidgefährdet und nicht in der Lage, vor Gericht auszusagen. Im weiteren Verlauf wurde das ursprüngliche Geständnis von Olaf H. verlesen. Für den Nachmittag nahm sich das Gericht die Prüfung der Vernehmungsprotokolle und die Anhörung von Psychiater und Gutachter Dr. Martin Albrecht vor.

Das Landgericht Krefeld und das Verfahren gegen Olaf H.

Der Prozess gegen Olaf H. fällt unter die Zuständigkeit des Landgerichtes Krefeld. Der Gerichtsbezirk umfasst die Städte Krefeld, Kempen, Willich, Tönisvorst sowie Nettetal und die Gemeinden Brüggen und Grefrath; der letztgenannte Ort war der Wohnort des kleinen Mirco, um den herum sich die Suche konzentrierte. Das Landgericht Krefeld am Nordwall 131 wurde am 18. Dezember 1919 eröffnet. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Kindsmörder findet im Schwurgerichtssaal des Gebäudes statt, der durch seine helle Kuppeldecke einen besonderen architektonischen Reiz bietet. Der Angeklagte betrat den Saal durch eine links neben der Richterbank in der holzvertäfelten Wand versteckte Tür.

Durch diesen betont schmalen Eingang erreichte Olaf H. das Gericht am Dienstagmorgen aus einem speziellen Wartebereich kommend, denn er sitzt nicht in dem benachbarten Untersuchungsgefängnis, das noch aus dem Jahr 1893 stammt. Der 45-Jährige wurde aus einer anderen Justizvollzugsanstalt an den Nordwall gebracht. Im Hof des Gerichts gibt es eine separate Tür zum Trakt mit der Wartezelle. Von dort aus ging der Angeklagte über eine abgeschirmte Treppe direkt in den Gerichtssaal 167 in den ersten Stock. Nur einen Schritt vor der schmalen Türe steht – abgetrennt durch ein Holzgitter – die Anklagebank. In der Reihe davor saß sein Anwalt Gerd Meister. Das Verfahren ist auf knapp drei Monate ausgelegt.

Termine im Mirco-Prozess

Die vorläufigen Termine setzte das Gericht wie folgt fest: 13., 14., 28. und 29. Juli 2011 sowie am 12. August. Im September sind es der 02., 05., 09., 12., 16., 19., 23., 26. und 30., die nach Angaben des Pressedezernenten Tim Buschfort für die Verhandlung gegen Olaf H. angesetzt wurden. Für deren Beweisaufnahme sind 40 Zeugen gelistet. Die meisten kommen aus dem Umfeld von Olaf H. oder sind Polizisten. Die Aussage der Mutter des kleinen Mirco wurde für den 14. Juli avisiert; ebenso die eines psychiatrischen Gutachters. Mircos Eltern, die Eheleute Sandra und Reinhard Schlitter, lassen sich von der Viersener Rechtsanwältin Gabriele Reinartz vertreten.

Reinartz ließ gegenüber der Presse verlauten, dass die Eltern ein tat- und schuldangemessenes Urteil erwarten. Der angeklagte Familienvater aus dem 23 Kilometer entfernten Schwalmtal hatte bereits nach seiner Verhaftung gestanden, Mirco getötet zu haben und die Beamten zu der vollständig entkleideten Leiche geführt. Exakt 145 Tage haben Kriminalhauptkommissar Ingo Thiel und seine 64 Kollegen der Soko Mirco in dieser Sache ermittelt. Rund 1.000 Polizisten, Tornado-Jets und ein Schrei-Sachverständiger suchten in einer der größten Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik viele Tage lang die Gegend rund um Grefrath ab.

Akribische Spurensuche führte die Ermittler zum Tatverdächtigen

Im Oktober 2010 identifizierte die Sonderkommission das Auto, das der Täter am Tattag gefahren haben soll: Ein Passat Kombi B6 aus der Generation, die von 2005 bis 2010 gebaut wurde. An der Kleidung des Jungen, die der Täter entlang der L39 zwischen Wankum und Grefrath und am Parkplatz Heitzerend westlich von Grefrath aus dem Wagen warf, entdeckten Forensiker Spuren, die nach Angaben der Polizei aus dem Fahrzeug des Täters und seinem persönlichen Umfeld stammen. Dieses kleine, aber feine Spurenpaket (Zitat Thiel) sollte es möglich machen, den Täter ausfindig zu machen: Am Morgen des 26. Januar 2011 um 6:00 Uhr klingelten die Beamten an der Haustüre des Familienvaters aus Schwalmtal.

Die Staatsanwaltschaft gab schon vor Prozessbeginn bekannt, wie der kleine Mirco starb. Sein mutmaßlicher Mörder, selbst Vater dreier Kinder, gab nach seiner Verhaftung an, aus beruflichem Stress nach dem Ärger mit einem Vorgesetzten gehandelt zu haben. Dies entpuppte sich nach Angaben der Ermittlungsbeamten später jedoch als Lüge, denn dieser Vorgesetzte war zum Zeitpunkt des Tattages in Urlaub. Olaf H. lebte mit seiner zweiten Frau in einem gediegenen Einfamilienhaus und rechnete seiner Aussage zufolge täglich mit der Verhaftung. Seine Gattin reichte nach übereinstimmenden Medienangaben bereits die Scheidung ein. Die Familie von Olaf H. wurde sofort nach dessen Verhaftung in Sicherheit gebracht, so die Polizei.

Zu Strafmaß, Unterbringung und Kosten

Während sein Opfer verwese, so ein Prozessbeobachter, erwarte Olaf H. eine lebenslange Haftstrafe bei drei Mahlzeiten am Tag, Fernseher und Büchern aus der Gefängnisbibliothek und frei von Sorge um Job und Existenz. Nicht wenige Menschen fordern eine härtere Strafe bei Wasser, Brot und Zwangsarbeit in einem Verlies, damit ein Täter dieses Kalibers mehr leidet, als ein Häftling in einer komfortablen Einzelzelle des Jahres 2011. Der Mörder dürfte in Einzelhaft verbleiben, denn in der Rangordnung des Knastlebens sind Kinderschänder und Kindermörder in der untersten Ebene angesiedelt und somit den Attacken ihrer Mithäftlinge ausgesetzt. Ein Tag Haft kostet den Steuerzahler in NRW nach Angaben des Justizministeriums 100 Euro pro Straftäter.

Für Porsche greift Jörg Tilmes selbst zum Lappen, Jörg Tilmes

Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

rss