Mit sechs km/h und einem Esel durchs Tal der Schwarzen Laaber

Esel in Beratzhausener Landschaft.  - Birke Stahl
Esel in Beratzhausener Landschaft. - Birke Stahl
In Beratzhausen bietet Ralph Baumann sanften Tourismus. Bei ihm können Menschen entschleunigen und mit einem Esel die Natur erkunden.

Die Esel stehen friedlich im Gehege, einer wälzt sich im Sand. Als sie der Besucher ansichtig werden, kommen sie neugierig näher. Aus dem Offenstall taucht ein Mann mit einer Mistgabel auf. „Wenn man bei den Eseln ist, da vergisst man die Zeit“, sagt er und befördert den Eselsmist in eine Kiste.

Als Quereinsteiger Neues wagen

Innerhalb von zwei Jahren hat sich Ralph Baumann eine Eselfarm aufgebaut. Mit geführten Eseltouren im Laabertal und Oberpfälzer Jura will er sich ein zweites Standbein aufbauen. Nach zehn Jahren in einem technischen Beruf wollte der freiberufliche Architekt einen Neuanfang. „Wenn ich noch nicht mit Tieren gearbeitet habe, heißt das nicht, dass ich so etwas nicht machen kann“, gibt sich der Quereinsteiger selbstbewusst. Zuhause ist Baumann auf dem Uttenhof bei Beratzhausen. Mit 5.000 Quadratmetern bietet die nahe gelegene Koppel ausreichend Weideland. „Man rechnet mit 500 Quadratmeter pro Esel“, sagt Baumann.

Sein Wissen zur Eselhaltung bezieht der Baumann aus Fachbüchern, aus der Esel-Post (einem Magazin für Eselfreunde), meist jedoch aus Gesprächen mit anderen Eselbesitzern. Das Allerwichtigste ist, dass die Hufe passen“, weiß er und fährt fort: „Und ein gescheiter Sandplatz muss da sein.“ Mist wegfahren, Weide abäpfeln, Fell-, Huf- und Zahnpflege, Entwurmung, Impfungen, das alles gehört dazu. Für sein Gewerbe musste er sich sogar einer Prüfung des Veterinäramtes unterziehen. Drei Stunden Zeit kosten ihn seine Esel täglich, auch am Wochenende.

Esel sind nicht störrisch, sondern nur vorsichtig

Bevor er sich die Esel zulegte, machte er selbst eine geführte Eseltour im Pfälzer Wald mit. „Landschaftlich war´s toll, nur die Tiere waren nicht gut eingegangen. Sie haben keine Herde gebildet. Wenn Esel kein Vertrauen haben, dann heben die keinen Huf.“ Um dies zu vermeiden, wollte er seinen Tieren Zeit geben, sich an ihn und aneinander zu gewöhnen. „Mit sechs Eseln anzufangen, ist wie ins kalte Wasser springen. Da muss man erst mal lernen sich zu behaupten!“, erklärt der Eselbesitzer mit Nachdruck.

Wichtige Tipps zum Umgang mit Eseln

Baumanns Touren stehen für sanften Tourismus jenseits des Mainstraems. „Meine Touren sind etwas für gesellige Menschen, die gern wandern und das Wesen des Esels kennen lernen wollen“, erklärt Baumann sein Konzept , und er entkräftet ein altes Vorurteil: „Esel sind nicht störrisch, eher neugierig. Sie sind gesellig und können gut mit anderen Tieren und Menschen. Der Esel ist sehr vorsichtig. Wittert er Gefahr, geht er nicht.“ Vor der Wanderung gibt es noch ein paar wichtige Tipps: „Die Leine sollte immer locker geführt werden, niemals gespannt. Unterwegs sollte man den Esel nicht fressen lassen. Man muss geduldig mit ihnen reden und konsequent sein.“ Achtung ist geboten, wenn Esel die Ohren anlegen, das ist die Angriffsstellung. Drehen sie einem das Hinterteil zu, schlagen sie aus und das kann mächtig wehtun.

Touren hinauf zur Burg Ehrenfels, zur Goldenen Haube und auf dem Panoramaweg

Die Touren, die Baumann für sechs bis zehn Leute anbietet, sind nicht sportlich ambitioniert. „Die Strecke würde man selbst auch mit 20 Kilo Gepäck schaffen“, sagt er. Ein Esel ist für zwei Personen eingeplant, die sich beim Führen abwechseln. „Da man mit cirka sechs Stundenkilometern relativ langsam unterwegs ist, hat man Zeit die Natur zu genießen, zu reden und nachzudenken."

Halbtages- und Tagestouren kann man jetzt schon bei ihm buchen. Freitag bis Sonntag stehen sowohl dreistündige (á 25 Euro) als auch fünfstündige Touren (á 35 Euro) inklusive Brotzeit auf dem Programm. Diese Wanderungen können auch von Montag bis Donnerstag am Nachmittag für zwei Personen gebucht werden. Tagestouren (á 45 Euro inklusive Brotzeit) finden nur samstags und sonntags statt, dafür aber das ganze Jahr über und bei jedem Wetter. Die achtstündige Tour führt durchs Laabertal, hinauf zur Burg Ehrenfels, zur Goldenen Haube und zurück auf dem Panoramaweg. Ab Frühjahr will Ralph Baumann auch Wochentouren anbieten. Die Langohren Vroni, Flo, Fred, Mario, Benjamin und Luigi freuen sich schon, wenn sie auf Tour gehen können. Anfragen unter: info@arc-baumann.de

Birke Stahl, Birke Stahl

Birke Stahl - Seit 2002 Freie Journalistin und Sprachtrainerin2011 Studienberaterin der FernUniversität in Hagen am RZ München2006-2010 ...

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