
- Aufgewühlt! - Sigrid Stephenson
Wer beim Kindergeburtstag zehn Mohrenköpfe verdrückt, hat einen guten Grund für Übelkeit und Bauchschmerzen. Wenn Kinder aber immer wieder über solche Beschwerden klagen, an den Nägeln kauen, einnässen oder nicht einschlafen können, sollte nach der Ursache gesucht werden. Häufen die Beschwerden sich gegen Ferienende oder am Morgen vor dem Schulbesuch, ist ein Zusammenhang mit schulischen Problemen sehr wahrscheinlich.
Angst erkennen und ernst nehmen
Wer genau hinhört und hinsieht, findet schnell Anhaltspunkte für kindliche Ängste. Ist das Kind fröhlich und entspannt, fragt und erzählt es viel? Oder ist es eher still, zurückhaltend, in sich gekehrt? Wie ist sein Gesichtsausdruck, vor allem wenn es sich unbeobachtet fühlt? Weint es viel? Erzählt es von der Schule oder vermeidet es, darüber zu sprechen. Antwortet es einsilbig auf Nachfragen? Zeigt es starke Trennungsängste, klammert es sich auffällig stark an Bezugspersonen? Steht es spürbar unter Stress?
Für Angststörungen gibt es vielfältige Ursachen. Die mangelhafte Bewältigung sozialer Herausforderungen in Kindergarten und Schule ist ein Symptom. Gerade kleine Kinder und pubertierende Teenager haben oft große Probleme damit, die Rolle oder Position in der Gemeinschaft zu finden, mit der sie sich identifizieren und wohlfühlen können. Leistungsdruck ist in vielen Familien ein Thema. Viele Kinder konnten noch keine Strategien entwickeln, um sich dagegen zu wehren. Mobbing findet auch an Schulen immer mehr Verbreitung, von der Gewaltbereitschaft und der perfiden Mode, Gewaltanwendungen per Handy zu filmen, einmal ganz abgesehen. Um eine Eskalation zu verhüten, sollten die Gründe für das ängstliche Verhalten unbedingt sorgfältig abgeklärt werden.
Mit Entspannung gegen Angst
Manchmal sind die Ursachen für Ängste aber auch weniger gravierend. Dann können Körperarbeit, Atemübungen, Fantasiereisen und Autogenes Training ängstlichen Kindern helfen, zur Ruhe zu kommen. Mit etwas Übung werden sie diese Methoden auch dann gezielt einsetzen können, wenn die Eltern gerade nicht in der Nähe sind, um sie zu ermutigen.
Eine gute Idee ist es, Atemübungen, Autogenes Training und Fantasiereisen spielerisch miteinander zu verbinden. Die Übungen lassen sich im Liegen (Rückenlage) oder im Sitzen ausführen. Das hat den Vorteil, dass sie sich auch vor einer Klassenarbeit oder Prüfung nahezu unbemerkt anwenden lassen.
- Eine Hand Ihres Kindes liegt flach auf dem Bauch. Den Atem spüren, kommen und gehen lassen. Beim Autogenen Training lautet eine gute Formulierung: Es atmet mich. Ohne Anstrengung, ohne bewussten Willen. Der Atem kommt und geht.
- Zeigen Sie Ihrem Kind, wo sein Sonnengeflecht liegt, der Solar Plexus. Von hier aus gehen Nervenbahnen in alle Richtungen. Bitten Sie es, sich vorzustellen, wie von dort aus ein wunderbares Licht den ganzen Körper erfüllt. Dieses Licht gibt Kraft und Mut. Fast so wie ein Zauberlicht.
- Lassen Sie Ihr Kind durch die Nase einatmen, durch die leicht geöffneten Lippen wieder ausatmen. Wer Angst hat, atmet schnell. Die Konzentration auf den Atem aber beruhigt und mindert die Angst.
- Sprechen Sie die Ruheformel: "Du bist ganz ruhig. Du bist ganz ruhig ..." Sprechen Sie langsam und mit sanfter Stimme. Das tut Ihnen auch selbst gut.
- Ermuntern Sie Ihr Kind, sich vorzustellen, wie beide Arme ganz warm werden - so als läge es im Pool im Urlaub an der Sonne. Erzählen Sie, dass die Arme nun ganz schwer werden, als hingen Gewichte daran. Dasselbe passiert mit den Beinen. Und dann: "Der Atem kommt und geht - es atmet dich. Dein Herz schlägt ganz ruhig und gleichmäßig. Poch, poch, poch ... Dein Sonnengeflecht strömt warm und füllt deinen ganzen Körper mit einem wunderbar blauen Licht. Deine Stirn ist ganz kühl. Du fühlst dich wohl. Alles ist gut. Alles ist gut ..."
- Vermeiden Sie Negativformulierungen. Sagen Sie nicht etwa: "Du hast keine Angst mehr." Sondern eher: "Du machst deine Sache gut. Alle mögen dich. Es fällt dir leicht zu lernen. Alles ist gut."
- Für Zuhause gibt es noch eine Yoga-Atemübung im Stehen: Die Hände werden zu einer offenen Schale ineinander gelegt. Ihr Kind geht damit zu einem imaginären Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Kühles frisches kristallklares Wasser. Mit dem Einatmen führt es die Schale zum Mund, mit dem Ausatmen entleert es sie, indem es die Handschale umdreht und nach unten zurück zur Quelle führt.
Legen Sie Meditationsmusik auf und machen Sie die Übung mit Ihrem Kind gemeinsam. Sie sollten wenigstens ein Musikstück lang durchhalten. Nach einer Weile wird Ihnen die Übung so gut gefallen, dass es auch ohne Musik funktioniert.
