Antonio Gaudi wurde am 25. Juni 1852 in Reus bei Tarragona geboren. Am 12. Juni jährt sich sein Todestag zum 85. Mal. Das Genie blieb selbst als er von der Straßenbahn überfahren wurde unerkannt. Die Stadt Barcelona erteilte ihm zu Lebzeiten lediglich einen Auftrag, eine Straßenlaterne zu entwerfen. Nach wenigen Jahren wurde sie wieder entfernt. Heute profitiert die Stadt von den einmaligen und herausragenden Sehenswürdigkeiten, die der Architekt eigenwillig und Dank seiner privaten Mäzene verwirklichen konnte.

Gaudi – der katalanische Architekt und sein Blick fürs Detail

Um die Biographie des katalanischen Architekten Antonio Gaudi ranken sich zahlreiche Spekulationen. Als einzige und unumstößliche Wahrheit kann man seine einmaligen Bauten in und um Barcelona annehmen.

Er verblüffte schon als Kind mit seinen Geistesblitzen und versetzte seine Lehrer ins Staunen. Das zeigte sich unter anderen in der Wahrnehmung von Details im Alltagsgeschehen. Einer seiner Lehrer verwies darauf, dass die Vögel dank ihrer Flügel fliegen könnten, worauf Gaudi entgegnete, dass die Hennen im Hof, sie lediglich gebrauchen würden, um schneller laufen zu können.

Gaudi, ein Verrückter oder ein Genie

Besondere Aufmerksamkeit und Anerkennung wurde ihm nicht zuteil. Lediglich der Entwurf eines Portales für einen Friedhof, was seine Examensarbeit war, bestand er als Ausnahme mit hervorragend. Seine sonst erbrachten Leistungen während der Schul- und Studienzeit seien weder von großem Ehrgeiz noch von sich hervorhebenden Leistungen gekennzeichnet. Auch an den zahlreichen Wettbewerben, an denen er teilnahm, wurde ihm kein Erfolg zuteil. Von einem selbstsicheren Gaudi konnte nicht die Rede sein. Der mangelnde Erfolg mag auch an akademischen Richtlinien gelegen haben, denen sich der Künstler nur schwer unterordnen mochte. Gaudi lebte und liebte seine eigenwillige Welt, die ihn erfüllte.

Die Professoren waren sich einig, dass sie entweder einen Verrückten oder ein Genie vor sich hatten. Die privaten Mäzene hatten hingegen keine Zweifel. Sie erkannten ihn ihm das Genie und erteilten ihm Aufträge. Bereits nach den ersten Großbauten, reihten sich die übrigen aneinander. Gaudi lebte und liebte seine eigenwillige Welt, die vielleicht weder etwas mit Verrücktheit oder Genie zu tun hat, sondern einfach seiner Kreativität und Schöpfungsgeschichte entsprach.

Barcelona in der Blüte

1854 wurden die alten Stadtmauern von Barcelona abgerissen und die Bevölkerung vervierfachte sich. Der Raum dehnte sich von 20 Hektar auf 200 aus. Das Gewerbe mit Baumwollhandel und Eisen blühte und der besser gestellten Gesellschaft ging es sehr gut. Es war chic sich mit Künstlern und Dichtern zu umgeben. Sie wurden in den Häusern ihrer Mäzene beherbergt, was für Künstler, Architekten, Dichter oder Musiker eine optimale Ausgangssituation war. Mit seinem Mäzen, Güell, an der Seite, konnte sich Gaudi mit seiner Architektur auf das Territorium von Barcelona beschränken.

Gaudi und die Behörden von Barcelona

Die Säulen von Casa Batlo brachten Gaudi in Konflikt mit den Behörden. Die Einsprüche der Stadtverwaltungen kannte er ja bereits von seinem Bau der Casa Calvet. Ging es beim Casa Calvet um die überschrittene vorgegebene Höhe, so war es bei Casa Batlo die Breite. Hier ragten die Säulen des Eingangs 60 Zentimeter auf den Bürgersteig hinaus. Die Passanten stolperten regelrecht über das Haus. Gaudi kümmerte sich nicht um die Einwände der Beamten.

Auch im Casa Mila ragte eine Säule gleich einen Meter weit auf den Bürgersteig. Entfernt werden konnte sie nicht, doch der überstehende Teil sollte gekürzt werden. Gaudi willigte ein unter der Bedingung eine Tafel an der Stelle anzubringen mit dem Hinweis, warum diese Stelle verstümmelt worden sei. Die Stadt zog ihren Einspruch zurück.

Baupläne von Gaudi

Baupläne im herkömmlichen Sinne gab es für die Konstruktionen von Gaudi nicht, denn seine Bauten wuchsen. Das brachte mit sich, dass die Behördengänge regelrecht vorprogrammiert waren. Doch es war nunmal Gaudis Arbeitsweise, deren Konsequenzen er mit Fassung trug. Nie hätte er ein Gebäude von vornherein durchplanen können, weil es sich aus dem Dialog zwischen Objekt und Künstler ergab und wuchs. Das war Gaudis Nahrung, die seinen Werken Leben einflößte. Seine Bauprinzipien gewann er aus der Beobachtung der Natur, eine Natur, die auch ohne Stützpfeiler auskommt. In seinen Bauten verbinden Parabolbögen und schräge Pfeiler Gebäudeteile. Stützpfeiler sind in seinen Häusern nicht zu finden.

Seine in Sinuskurven angelegten Fassaden erfahren so eine größere Tragfähigkeit. Auch den Designer Le Corbusier faszinierten die eigenwilligen Konstruktionen von Gaudi.

Quelle: Gaudi - 1852 - 1926 Antoni Caudí i Cornet - ein Leben in der Architektur, Rainer Zerbst, Taschenverlag