Mit Bläck Fööss im Kölner Karneval

Die Band singt seit Jahrzehnten das hohe Lied vom Veedel

Tommy Engel (rechts) - Polydor
Tommy Engel (rechts) - Polydor
Sie sind zwar inzwischen in die Jahre gekommen, aber die Bläck Fööss sind noch immer die musikalischen Großmeister des Kölner Karnevals

In Köln, sagen die Eingeborenen selbst, ist das ganze Jahr über Karneval. Wobei hinzugefügt werden muss, dass ein Kölner Jahr fünf Jahreszeiten hat – und die fünfte, das ist der wahre Karneval. Eine Narrenzeit, die im Gegensatz zu anderen närrischen Landstrichen bis zum Aschermittwoch sehr häufig ziemlich sentimental, volksnah, stadtnah, Veedels-nah daherkommt. Die Kölner feiern den Karneval im Veedel, im Stadtviertel, in Nippes, am Eigelstein oder op Ihrenfeld. Und wenn sie, dem Schicksal sei’s geklagt, zur fünften Jahreszeit nicht „en Köln am Rhing“ sein können, dann möchten sie am liebsten „op bläcke Fööss noh Kölle jon“. Wobei jenen, denen zum Karneval der Fasching vertrauter ist und denen der Schlachtruf „Helau“ rascher über die Lippen kommt als das Kölsche „Alaaf“, erklärt werden muß, dass „bläcke Fööss“ nicht schwarz-schmutzig, sondern blank sind. Anders gesagt, der heimwehkranke Kölner marschiert notfalls barfuß heim.

Altmeister Ostermann hat den Fußmarsch erfunden

Als der bis in unsere Tage hoch verehrte Altmeister des Kölner Karnevalsliedes, Willi Ostermann nämlich, zum Ende des 19. Jahrhunderts sein Lied „En Köln am Rhing ben ich gebore“ textete und komponierte, da hieß es bei ihm noch schlicht „ich mööch zo Foß noh Kölle jon“. Gute 70 Jahre später indessen war es erstaunlicherweise eine Band, die vorzugsweise Hits der Beatles, der Kinks und der Hollies in unterschiedlichen Formationen spielte, die auf die Idee kam, den Gang der heimwehkranken Kölner beschwerlicher zu gestalten. Die Gruppe wandte sich der Karnevalsmusik zu und nannte sich – „De Bläck Fööss“. So wurde die über lange Jahrzehnte berühmteste Kölner Karnevals-Gruppe begründet, die mit ihrem ersten Titel, dem „Rievkooche-Walzer“ (Reibekuchen-Walzer), erst einmal ziemlich auf die Nase fiel. Vielleicht war es zunächst auch das Outfit der Mannen um Frontmann Tommy Engel mit den langen Mähnen, den Jeans, ja – und den blanken Füßen, die den Drahtziehern, den Gestaltern des Kölner Karnevals – es ist eine ernste Angelegenheit - missfiel.

Volksnah nicht ohne Sentimentalität

Auch der zweite Titel hatte es noch schwer, aber er setzte sich durch und ist heute in jeder Kölner Sitzung der Hit. In dem Lied „Drink doch eine met“ offenbart sich schon die ganz eigene Volksnähe, die Nachbarschaftlichkeit Kölschen Karnevals, auch eine soziale Wärme, wenn auch stets in einiger Sentimentalität. Der Refrain des Liedes, das von einem alten armen Schlucker in der Ecke der Wirtsstube erzählt, dem einer an der Theke ein Bier spendiert, macht es deutlich: „Drink doch eine met, stell dich nit esu ahn. Du steihs he de janze Zick eröm. Häs de och kei Jeld, dat es janz ejal, drink doch met un kümmer dich net dröm“.

Auf Mallorca fehlt nur die Aussicht auf den Dom

Vom Zusammenleben und Zusammenhalt in kleiner städtischer Einheit und Enge, im Veedel, spricht ein anderer Hit der Bläck Fööss. Er trägt den schlichten Titel "En unserem Veedel“. Da stehen die Abeiter in der Frühstückspause an „D’r Kaffeebud’“ und „schütten sich der Kaffee in der Kopp“. Und wenn die Kölner Urlaub machen, auf Mallorca, versteht sich, dann singt die Gruppe „Et Spanien-Leed“ mit dem Refrain: „Is dat net schön, überall nur Kölsche Tön. Es fehlt nur vom Balkon der Ausblick up der Dom“. Was allerdings laut Bläck-Fööss auch gar nicht möglich wäre, denn „M’r lasse d’r Dom en Kölle“ heißt ein anderes Erfolgsstück der Band.

Plädoyer für Multikulti – Wie es am Rhein schon immer war

Vormann Tommy Engel verließ die Gruppe schon 1992 im Streit. Die anderen machten und machen weiter; über die Jahre hinweg gegerbt und auch leicht verwittert. Aber noch immer voller Schwung vor vollen Sälen. Und variationsreich. Zu ihrem Repertoire gehören nicht allein die reinen Karnevalslieder. Ihr Lied „Edelweißpiraten“ beispielsweise erzählt vom Schicksal der Kölner Widerstandsgruppe im Dritten Reich, und mit Titeln wie beispielsweise „Unser Stammbaum“ bezieht die Gruppe Position gegen Fremdenfeindlichkeit. In diesem sehr nachdrücklich wirkenden „Karnevalslied“ zählen sie die Volksstämme auf, die im Lauf langer Jahrhunderte an den Rhein gekommen und hier sesshaft geworden sind. Sie kommen im Refrain zu dem Schluß: „So simmer all he hinjekumme, mehr sprechen hück all die selve Sprooch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing. Dat es jet, wo mer stolz drop sin“. Das versteht jeder, auch ohne Übersetzungshilfe.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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