Wer eine gute Idee hat, aber noch Geld für die Umsetzung braucht, muss jetzt keineswegs mehr zur Bank gehen. Statt bravem Vorsprechen im Anzug und dem Beibringen von Sicherheiten, die es meist ohnehin gar nicht gibt, kann man sich einfach im Internet seine Financiers suchen. Nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" können dabei wenige Euro von vielen Unterstützern die gewünschte Summe aufbringen.
Umsetzen lässt sich das Geldsammeln über neue Plattformen im sozialen Netz für Crowdfunding. So nennt sich diese Form der Finanzierung, gedacht speziell für kleinere und mittlere Projekte von Kreativen. Eine Vielzahl von Geldgebern, gefunden über das Netz, ermöglicht dabei die Finanzierung eines konkreten Projekts. Und die Financiers sind nicht nur Spender, sondern werden durch die Ausgabe von Prämien, sobald das Ziel erreicht wird, konkret mit eingebunden. Zumindest bleibt das gute Gefühl zu wissen, wofür das Geld verwendet wurde.
Zwei Konferenzen, ein Thema: Crowdfunding
Zu dieser neuen Form der Finanzierung fanden Mitte April im deutschsprachigen Raum gleich zwei Konferenzen statt. Das Thema hat also sein Nischendasein verlassen und wird auch hierzulande als ernst zu nehmende Finanzierungsmöglichkeit gesehen. Am 15. April 2011 lief in Berlin im Rahmen der re:publica die erste deutsche Crowdfunding-Konferenz co:funding. In Salzburg ging es im Rahmen der Civilmedia, einer internationalen Konferenz für Community Media, am 16. April ebenfalls um Crowdfunding.
Crowdfunding ist weniger eine elektronische Form des Sammelns von Spenden, sondern eine besondere Art der Teilhabe. Schließlich bekommt der Geldgeber eine - wenn auch zumeist - symbolische Gegenleistung und wird immer über den Verlauf des unterstützten Projekts informiert.
Möglich machen dies spezielle Plattformen im Internet, die sich mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum etabliert haben. Dazu gehören etwa inkubato, pling, Respekt.net, Startnext, visionbakery oder mySherpas. Klangvolle Namen, hinter denen aber durchaus ernsthafte Finanzierungsmöglichkeiten stehen. Auch wenn die potenziellen Kunden auf den Plattformen gerne mit "Du" angesprochen werden. Das hat durchaus Methode. Handelt es sich doch zumeist um junge Kreative mit vielen guten Ideen, mit dem nötigen Mut zum Neuen, mit viel Erfahrung beim Umgang mit sozialen Netzwerken, aber eben ohne Geld.
Crowdfunding-Projekte basieren auf dem Alles-oder-nichts-Prinzip
Die über Crowdfunding zu erreichende Zielsumme für ein Projekt wird dabei von Anfang an festgelegt. Der Projektverantwortliche muss sich zunächst also sehr genau mit der Umsetzung seines Plans befassen. Ebenso wird der Zeitraum benannt, innerhalb dessen die Finanzierung erfolgen muss. Wird das Ziel bis dahin nicht erreicht, so erhalten alle bisherigen Unterstützer ihr Geld zurück.
Wie könnte eine Prämie für die Unterstützer aussehen, wenn genügend Geld zusammen kommt? Experten und Betreiber der Finanzierungsplattformen empfehlen hier einen engen Bezug zum jeweiligen Projekt. Soll etwa die Aufnahme einer Band in einem Tonstudio finanziert werden, bekommen die Geldgeber nach erfolgreichem Abschluss eine CD. Geht es um die Realisierung eines Low-Budget-Films, werden die Geldgeber ab einer gewissen Summe im Abspann genannt.
Transparenz, Präsenz und Aufmerksamkeit sind wichtige Erfolgsfaktoren
Wichtig bleibt in jedem Fall, dass der Projektbetreiber fortwährend über den Stand der Finanzierung und der Umsetzung seines Vorhabens informiert. Die Crowdfunding-Plattformen unterstützen dabei zum Beispiel mit Blogs zum jeweiligen Projekt. Transparenz steht also an erster Stelle. Ebenso entscheidend für eine erfolgreiche Finanzierung ist aber das Rühren der Werbetrommel mit anderen Medien und Mitteln oder das Einbinden von bereits prominenten Unterstützern.
Letztlich geht es also auch bei Crowdfunding um die neue Währung im Netz mit dem Namen Aufmerksamkeit.
