Mit dem Spiel den Klang vom Hang in seinen Facetten erforschen

Karo Wurlitzer mit Hang, tff Rudolstadt - Christine Rödel
Karo Wurlitzer mit Hang, tff Rudolstadt - Christine Rödel
Die Schweizer Erfindung, der Hang, ist ein junges Instrument. Sein harmonischer Klang in Vielfalt will von der Freiheit beim Spielen erobert werden.

So asiatisch auch die Bezeichnung Hang anmuten mag, so wenig findet man den Ursprung des Namens in diesen Raum. Als Hang wird in der Schweiz, im Berner Raum, die Hand bezeichnet. Das ist die einfache Erklärung für den Titel des noch so jungen Klangkörpers, der kein Schlaginstrument darstellt.

Felix Rohner und Sabine Schärer erfinden den Hang

Die im Jahr 1993 gegründete Firma PANArt folgte einem Boom der Steelpans und brachte sich in die Herstellung und Entwicklung der Infrastruktur ein. Nach einem firmeninternen Umschwung, blieben dem Unternehmen zwei Mitarbeiter erhalten, die sich mit der Erforschung und Herstellung von Blechklanginstrumenten befassten. Auf Anregung des Schweizer Ghatamspielers Reto Weber, stellten Felix Rohner und Sabina Schärer ein mit den Händen spielbares Instrument her. Im Jahr 2000 entstand das Ur-Hang. Hieraus entwickelten sie verschiedene Modelle, die sich gegenseitig ablösten und erst seit dem Jahr 2008 ausschließlich in der heutigen Form hergestellt werden. Mit der Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit und Präzisierung in der Verarbeitung, ging eine stetige Verbesserung des Klangs einher. Waren bei den ersten Hanghang der Ding auf höhere Töne gestimmt, so orientierten sich die Nachfolgemodelle an tieferen Klängen.

Der Hang, der Ding und das Gu

Im Zentrum der Oberseite des Hang befindet sich der Ding, womit eine Außenwölbung gemeint ist. Auf der unteren Halbschale, der dem Ding gegenüberliegenden Seite, befindet sich das Gu. Es ist die Resonanzöffnung, deren Hals sich in den Hohlkörper hineinzieht. Die Luft im Innenraum wird in Schwingung versetzt und gefolgt von der Helmholtz Resonanz können unterschiedlichste Töne hervorgerufen werden.

Die Klangfülle, die von seinen Spielern bis zum heutigen Zeitpunkt weder voll erkundet oder ausgeschöpft ist, verlangt nicht nach der Bereicherung durch andere Instrumente. Der Klang des Hang kann gut alleine im Raum stehen. Er ist die Antwort auf die Frage seines Spielers.

Auch der Bereich der stimulierenden Wirkung, seiner feinen Schwingungen auf das Umfeld, ist bisher unerforscht und lässt wohlklingende Erkenntnisse erahnen. Noch stecken die Zonen der harmonischen Ordnung, wie sie die Hersteller poetisch bezeichnen, in den Kinderschuhen.

Die Handhabung des Hang und sein Klang

Die Erfinder und Hersteller, Felix Rohner und Sabina Schärer, verweisen darauf, dass es sich bei dem Klangkörper nicht um ein Schlaginstrument handelt. Vordergründig gehe es um die feine Dosierung von Energie durch zartes Antippen, Streichen, Zupfen an der Hangoberfläche. Ding und Gu stellen die wesentlichsten Faktoren für die Grundausrichtung des Klanges dar. Die Töne variieren je nach Anschlaghärte, Geschwindigkeit und der sich überlagernden, nachschwingenden Töne. Eine wesentliche Rolle für die Art des Klangs hat die Haltung des Instrumentes, in welcher Umgebung er sich befindet und welche Kleidung der Spieler trägt, die im schlechtesten Fall die erzeugten Schwingungen verschlucken kann. Der Klang des Gu, verlangt für seine Entfaltung weite Flächen, an denen er reflektieren kann. Die kreisförmig um den Ding angeordneten acht Tonfelder lassen sich mit Finger, Daumen, Handfläche oder auch Handwurzel anschlagen. Das Zusammenspiel von Ding und Gu führen zur Resonanz.

Mit dem Hang improvisieren

Der Hang ist kein Instrument, das klassischen Richtlinien folgt. Er ist eher ein Klangkörper, der sowohl in dem Spieler als auch bei dem Zuhörer Druck abbauen und ihn in eine Form der Freiheit zu führen vermag. Voraussetzung hierfür ist der bewusste Umgang. Die Hersteller versuchen darauf Einfluss zu nehmen, indem sie aktuell sehr konkret selektieren, wer den Hang erwerben darf und wer nicht.

Der Vertrieb über das Internet wurde eingestellt. Der Interessent erhielt die Möglichkeit, sich den Hang direkt in der Werkstatt auszusuchen. Doch die große Nachfrage lähmte auch diese Variante. Aktuell kann schriftlich, ausgenommen per Email, der Erwerb bei dem Hersteller beantragt werden. Neben den Wartezeiten, die für die Herstellung erforderlich sind, ist aber auch damit zu rechnen, dass der Antrag abgelehnt wird. Felix Rohner und Sabina Schärer ist daran gelegen, Bewusstsein zu fördern, damit auch bereits der Spieler bewusst mit dem Klangkörper umgeht. Mit dem Erwerb erhält er eine fachmännische Einweisung zur Handhabung, um das Verständnis für den freien integralen Hang zu fördern. Somit der Kauf als auch ein eventueller Wiederverkauf an strenge Regeln gebunden.

Quelle: Booklet zum Hang (PDF)

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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