Mit dem Wohnmobil auf Weltreise

Fernziele, Gemeinschaft erleben: Abenteuer im fliegenden Wechsel

Argentinien Patagonien - Volker Hammermeister
Argentinien Patagonien - Volker Hammermeister
Wer kann schon im Reisemobil die ganze Welt bereisen? Einer alleine kaum, viele zusammen hingegen schon. 100 Freunde teilen sich drei Reisemobile rund um den Globus.

Carsharing heißt auf Neudeutsch die Möglichkeit, ein Auto zwar nicht zu besitzen, wohl aber zu benutzen. Dabei teilt sich eine größere Gruppe von Menschen nach einem Reservierungsvorgang Fahrzeuge, die an festgelegten Standorten auf ihren Einsatz warten. So gesehen, betreiben die 100 Freunde um den Bremer Gestalttherapeuten Uwe Richter schlicht Carsharing - nur liegen die Übergabeorte in Buenos Aires, Damaskus oder auch Ho-Chi-Minh-Stadt. Denn jedes Mitglied dieser ungewöhnliche Clique bucht im fliegenden Wechsel Abenteuer auf Zeit, einen Reiseabschnitt auf Touren rund um die Welt, was, nebenbei bemerkt, schon so manchen Zöllner zur Verzweifelung getrieben hat, vor allen Dingen, wenn Fahrzeuge in den Pässen eingetragen waren.

Trucks mit Arbeitsteilung

Drei Mercedes-Fahrzeuge vom Typ Vario umfasst der Treck. Dieser Transporter-Typ wurde ausgewählt, weil er ein Profi-Nutzfahrzeug im besten Sinne des Wortes ist: robust, stabil und überall leicht zu reparieren. Und das Konzept ging auf, denn die Varios halten seit 1997 durch und kommen überall hin, obwohl sie statt 4-Wheel-Drive nur Hinteradantrieb besitzen. Sie wurden im Lauf der Zeit immer wieder aus- und umgebaut und befinden sich praktisch in einem permanenten Prozess der Wandlung hin zum Optimum. Innen sind jeweils Schlafplätze für maximal sieben Personen. Ansonsten herrscht strenge Arbeitsteilung. Mobil eins strahlt mit Sitzecke und Stereoanlage noch am meisten wohnlichen Charakter aus. Wagen zwei transportiert sämtliche Werkzeuge, Waschbecken, Dusche, zwei Kühlschränke und Gefrierbox. Nummer drei, schließlich, beherbergt die Küche.

Bewährte Wagenburg

Campingplätze steuert der Konvoi praktisch nie an, denn erstens ist der Treck autark und zweitens ist diese Infrastruktur in den meisten Ländern sowieso völlig unbekannt. Stattdessen hat sich in freier Wildbahn die Wagenburg bewährt. Dabei sind die Erfahrungen mit den Menschen eigentlich nur positiv. „In den meisten Ländern sind wir mit unseren Fahrzeugen die absoluten Exoten“, berichtet Uwe Richter, „und das schützt.“ Die Gruppe wurde noch nie angegriffen, nur eine Armbanduhr verschwand vom Handgelenk. Aber das blieb eine Ausnahme. Ansonsten ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der einheimischen Bevölkerung geradezu unglaublich. Beispiel: kaputte Lichtmaschine in der Türkei. „Hinten auf einem klapprigen Moped ging’s stundenlang irgendwo hin. Dann haben die Mechaniker auf den Knien neuen Kupferdraht gewickelt. Die Reparatur hielt viele Monate lang, für eine paar Dollar.“

Freundeskreis Nepal

So beschloss ein Teil der Freunde, der Welt etwas von der Hilfsbereitschaft zurück zu geben. Es entstand auf Basis langjähriger Kontakte im Land der gemeinnützige Verein Freundeskreis-Nepal, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Ausbildungsbedingungen nepalesischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener zu verbessern. Dazu unterstützt er im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe insbesondere solche Maßnahmen und Einrichtungen, die der Verbesserung der Infrastruktur im Bildungs- und Sozialwesen dienen. Denn nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Aufgaben lassen sich teilen.

Volker Hammermeister, Volker Hammermeister

Volker Hammermeister - Das Redaktionsbüro Volker Hammermeister ist Spezialist für Print, TV und Online. Zu den Schwerpunkten zählen Auto + ...

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