Mit dem Wohnmobil entlang der Mosel

Vom Col de Bussang zum Deutschen Eck

Moselquelle in Bussang - U.Reppmann-Wörsdörfer
Moselquelle in Bussang - U.Reppmann-Wörsdörfer
Romantische Orte wie Cochem und Zell sind Markenzeichen des deutschen Moselsteils. Unbekannt und trotzdem reizvoll sind der luxemburgische und der französische Part.

Ob man die Wohnmobilreise von der Quelle zur Mündung oder von der Mündung zur Quelle machen sollte, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks: Eine Fahrt von der Mündung zur Quelle und der damit verbundenen Suche nach Ursprünglichkeit hat durchaus ihren Reiz. Wer sich jedoch die viel gerühmte Moselromantik als Highlight einplant und außerdem noch ein paar Kisten Wein mit auf die Heimreise mitnehmen möchte, der sollte den "Klassiker" planen, also von der Mündung zur Quelle. Die Länge des Flusses beträgt rund 550 Kilometer.

Die Moselquelle am Col de Bussang

Wer sich die Mühe macht, den Col de Bussang entlangzufahren und am Rande des Örtchens Bussang in den Vogesen nach der Moselquelle zu suchen, wird erst mal vor einem Rätsel stehen. Die Quelle wird von den Einwohnern keineswegs als Sensation gesehen und die Beschilderung ist kläglich. Wer sucht der findet - doch wer hier, in 715 Meter Höhe und nur 100 Meter vom Elsass entfernt eine wildes, ursprüngliches, sprudelndes Nass vorstellt wird eher verdutzt sein. Denn der Fluss begrüsst das Tageslicht durch ein von Menschen geschaffenes M und wird sogleich in einem Sandsteinbecken gezähmt. Informativ für den Besucher ist der in den Stein gemeißelte Flussverlauf.

Wer das Vogesenpanorama gerne für einen Tag genießen möchte, kann sich auf dem örtlichen Campingplatz niederlassen, sollte allerdings nicht unbedingt damit rechnen, dass er hier als Deutscher mit offenen Armen empfangen wird. In Lothringen sitzen die Erinnerungen an die beiden Weltkriege stellenweise noch sehr tief. Nichtsdestotrotz, die Landschaft ist ursprünglich und wunderschön, einen Ausflug auf den nahen Ballon d'Alsace sollte man unbedingt mit einplanen.

Am Rande der Vogesen

Bei der Fahrt durch die herrliche Südvogesenlandschaft wird der Durchreisende vom Lauf der jungen Mosel begleitet, an den Wäldern entlang führt der Weg stetig abwärts, die Berglandschaft weicht Wiesen und Tälern.

Schließlich hat die junge Mosel den Rand der Vogesen erreicht und verliert ihren Gebirgsbachcharakter. Als schmales Flüsschen windet sie sich durch die Auen. Kleine Dörfer, Mühlen, Sägewerke und baumgesäumte Ufer prägen das Bild an den Ufern der jungen Mosel. In Le Thillot gibt es ein sehenswertes Kupferbergwerk, in Remiremont trifft die Mosel mit ihrem Nachbarflüsschen Moselote zusammen.

In Epinal, der Hauptstadt des lothringischen Departements Vosges verändert sich die Landschaft. Mit Yachthafen und einem Kanal etabliert sich die Mosel zum Fluss. Zum ersten Mal sieht man Schiffe, wenn es auch zunächst Yachten und Ausflugsboote sind. Die Stadt ist vielfältig: auf der einen Seite durch ihre Flusssilhouette, auf der anderen durch das Bergpanorama, mitten im Fluss eine Fontäne, über der Stadt eine Burg, mittendrin ein interessantes Bilderbogenmuseum - Herz was verlangst du mehr? Ein Campingplatz mit Wohnmobilstellplätzen lädt zum Bleiben ein.

Zwischen Fluss und Kanal

Bis Nancy ist die Mosel öfter mal zweigeteilt, und der Reisende kann sich entscheiden, ob er lieber am stillen Kanal oder am lauschigen Fluss entlangfährt. Immer wieder stößt man auf historische Orte mit viel Lokalkolorit. Da ist zum Beispiel das romantische Lunéville, von dem aus sich die Mosel von oben betrachten lässt. Das Flussbild nimmt interessante Formen an, teilt sich in Seitenarme. Malerische Stadtbilder wie Toul, oder das gemütliche Pont à Mousson laden zu einem kurzen Aufenthalt ein.

Das nächste Highlight ist Nancy mit seinen herrlichen goldenen Toren und Zäunen am Place Stanislas. Der aus Polen stammende König Stanislas verlieh der Stadt ihr einzigartiges, filigranes, goldenes Gepräge. Nancy ist eine junge Stadt, geprägt auch durch die vielen Studenten. In den Sommernächten gibt es herrliche Lichtspektakel rund um den Goldenen Platz, der nahe Stadtpark verbreitet einen Hauch von Nostalgie.

Richtig malerisch wird der Fluss dann in Metz mit seinem schönen Flusshafen, der alten Brücke pont des mortes, einer geschichtsträchtigen Altstadt, einer Markthalle und einer Kathedrale mit wundervollen Chagall-Fenstern. Auch Thionville an der Grenze zu Luxemburg lohnt einen Besuch.

Der Luxemburger Part

Der Luxemburger Moselteil strahlt Gemütlichkeit aus. Schengen, vom Namen her europaweit bekannt durch das Schengener Abkommen ist überraschend unscheinbar. Kleine Weinorte mit wenigen,aber malerischen Gässchen wie das hübsche Remich mit maritimen Uferpromenade verleihen der Mosel Strandcharakter.

In Deutschland wird's richtig romantisch

Ab Trier wird die Mosel zu dem, was sie für Touristen so beliebt macht, sie geizt nicht mit malerischen Flussschleifen und pittoresken Städten. Das Moselhighlight überhaupt ist wohl Trier mit seinem römischen Erbe und seine herrlichen alten Häusern. Doch auch die übrigen Touristenorte sind kleinere, hübsche Städtchen, meist malerisch zwischen steilen Weinbergen gelegen und reich bestückt mit Fachwerk, Schiefermauern und verwinkelten Gässchen. Nicht selten thront eine Burg über der Stadt. Als Königin der Burgen präsentiert sich etwas im Abseits, die Burg Eltz.

Besondere Höhepunkte sind Cochem, Bernkastel und Beilstein, letzteres wird auch das "Dornröschen der Mosel" genannt. Camping- und Wohnmobilstellplätze finden sich zwischen Trier und Koblenz zuhauf, einige sogar in besonders schöner Insel- oder Halbinsellage.

Schließlich erreicht die Mosel Koblenz und damit ihren Zusammenfluss mit dem Rhein. Momentan bereitet sich die Stadt mit Unmengen von Baustellen auf die Bundesgartenschau 2011 vor. Deshalb sollte man zur Zeit die Flussufer meiden und statt dessen Koblenz' verträumte Altstadt besuchen. Feierlich verabschieden vom Fluss kann man sich am Deutschen Eck - hier mündet, unter den Augen Kaiser Wilhelms, die Mosel in den Rhein. Wer dies gründlich tun möchte, der kann noch einmal einen Tag auf dem malerisch gelegenen Campingplatz direkt an der Mündung verbringen.

Ursula Reppmann-Wörsdörfer, Ursula Reppmann-Wörsdörfer

Ursula Reppmann-Wörsdörfer - Hallo, liebe LeserInnen mein Name ist Ursula Reppmann-Wörsdörfer. Wenn Fantasie, Kreativität und Liebe zur Sprache und ...

rss