
- Camper am Alqueva Stausee - Lou Avers
In Sachen Reisemobil Infrastruktur steckt Portugal noch in den Kinderschuhen. Zögerlich entstehen spezifische Stellplätze für mobile Camper. Wohnmobilisten sind in der Regel flexible Nomaden. Heißt, sie benötigen andere Strukturen als Wohnwagenfahrer. Autocaravanismo ist das portugiesische Synonym für Reisemobil-Urlaub. Ein Tourismuszweig, der immer neue Anhänger findet. Ein Phänomen, an dem auch Portugal nicht vorbeikommt.
Wenn es Winter wird in Nord- und Mitteleuropa machen sich tausende moderner Nomaden auf den Weg gen Süden. Sie packen ihre sieben Sachen in ihr Heim auf Rädern und rollen gen Westen, der Sonne entgegen. Zwischen November und April wird der Süden Portugals die Heimat von Rentnern, Pensionären und Wintermüden, die vor grauen, dunklen Tagen und eisiger Kälte flüchten. Die Algarve und das Alentejo sind die bevorzugten Ziele von Franzosen, Deutschen, Holländern, Finnen und Schweden, Iren und Engländern. Die meisten haben die 60 und ein aktives Berufsleben hinter sich und sind noch fit genug zum Reisen. Portugal ist bisher weder von der Mentalität noch von der Infrastruktur auf diese Tourismus-Sparte vorbereitet.
Campen oder Parken, ein feiner Unterschied mit Folgen
Offiziell ist Camping außerhalb eines Campingplatzes in Portugal verboten. Das Problem ist, Reisemobil-Fahrer sind keine Camper im gewöhnlichen Sinn. Ein Reisemobil definiert sich im portugiesischen als Autocaravana, das heißt ein Fahrzeug mit einem bewohnbaren Aufbau. Nach portugiesischer Gesetzgebung gilt ein Reisemobil als PKW. Es hat somit das Recht auf allen ausgewiesenen Parkplätzen zu parken, auch über Nacht. Der feine Unterschied heißt Parken, nicht Campen. Parken bedeutet, die Reifen müssen den Boden berühren. Auffahrkeile, die Reisemobilisten als Ausgleich für unebene Böden benutzen, sind nicht gestattet. Ebenso dürfen keine Stühle und Tische aufgestellt oder Markisen ausgefahren werden. Auch Wäsche aufhängen und selbst Einstiegshilfen zählen zum Camping. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich auf einem normalen Parkplatz so diskret als möglich aufzutreten, ist nicht unbedingt bei allen Reisemobilisten im Bewusstsein verankert.
Reisemobil-Urlaub in Portugal: Wie man Probleme mit den Behörden vermeidet
Gerade weil Portugal in Sachen Reisemobilstrukturen noch in den Anfängen steckt, ist es wichtig, die aufstrebende Branche nicht mit sorglosem Verhalten zu beschädigen. Für jeden mobilen Camper sollte ein Tabu sein, das Brauchwasser und die Bordtoilette anders als in dafür vorgesehenen Plätzen zu entsorgen. Das können in Portugal öffentliche Toiletten einer Tankstelle oder Campingplätze sein. Das Brauchwasser lässt sich im Notfall in einen Abwasserkanal entsorgen. Selbst wenn es sich nur um unschädliches Seifenwasser handelt, sollte man dies auf keinen Fall einfach laufen lassen. Die einheimische Bevölkerung weiß ja nicht, was da aus dem Rohr des Wohnmobilhecks rinnt.
Diskriminierung der Reisemobil-Touristen, Problemfall Algarve
Manche Gemeinden der Algarve und auch des Alentejo haben mittlerweile spezielle Strukturen für Wohnmobil-Touristen eingeführt, wie beispielsweise Castro Marim an der spanischen Grenze der Ostalgarve. In einigen Städten und Orten der südlichen Algarve sind Reisemobil-Touristen nicht willkommen. Diese Orte streicht man am besten von seiner Reiseroute. Der Reisemobilist kann schließlich selbst entscheiden, wo er sein Geld ausgibt. Der Reisemobilgast ist an der Algarve immer wieder Willkür und Tageslaune der lokalen Behörden ausgeliefert. Mal darf man an bestimmten Plätzen übernachten, mal nicht. Generell ist zu sagen, dass der äußerste Osten (Castro Marim bis Tavira) und Westen (Sagres bis Aljezur) der Algarve reisemobilfreundlich ausgelegt sind. Vom Zentrum (Olhao bis Lagos) kann man das nicht behaupten. Besonders Lagos, Silves und Loulé tun sich mit Intoleranz und unfreundlichen Polizeibeamten hervor. Im Alentejo dagegen wird der mobile Tourist meist freundlich empfangen und ist als Besucher geschätzt.
Reisemobil-Etikette in Portugal – Do´s and Don´ts
In manchen Fällen müssen sich die Reisemobilsten selbst an die Nase fassen, wenn es Probleme gibt. Manche verwechseln einen Parkplatz mit einem Campingplatz und breiten sich mitunter frech aus. Die Parkrichtung beachten, nicht länger als zwei Nächte bleiben, die lokalen Gegebenheiten respektieren gehören zur guten Reisemobil Etikette. Es empfiehlt sich, vorab bei einer Polizeistation oder im Tourismusbüro zu fragen, ob Reisemobile übernachten können. Bis Portugal in Sachen Reisemobil Tourismus zu einer zeitgemäßen Lösung des Strukturproblems kommt, wird es noch einige Jahre dauern. Aufzuhalten ist der Traum der Freiheit auf Rädern nicht.
