Personalabbau, Einsparungen, Kurzarbeit – das sind Worte, die zur Zeit vielen Arbeitnehmern Angst machen. Von der Großbank bis zum IT-Konzern bleibt kaum eine Branche von Entlassungen verschont. Viele Menschen stellen sich daher die Frage: Bin ich der Nächste?
Wer tatenlos abwartet, ob ihn das Schicksal der Arbeitslosigkeit ereilt, kann sich schon bald auf der Verliererseite wiederfinden. Daher empfehlen Experten, jede Möglichkeit zu nutzen, um den eigenen Job dauerhaft abzusichern. Der Unternehmensberater Ralf Havertz aus Berlin rät allen Arbeitnehmern, grundsätzlich die Entwicklung ihrer Firma im Auge zu behalten. "Verschlechtert sich ihre Stellung am Markt, bringt das oft auch strukturelle Veränderungen innerhalb des Hauses mit sich." Mit dem Umbau eines Unternehmens sei häufig der Abbau von Stellen verbunden. Laut Havertz gibt es Kriterien, die auf eine Firmenkrise hinweisen: "Allgemeine Spar-Appelle, Investitionsstopp und Einstellungssperre gehören dazu." Durch Gespräche mit Kollegen oder Betriebsräten sowie Neuigkeiten aus dem Intranet lässt sich nachprüfen, was hinter solchen Maßnahmen steckt.
Identifikation mit der Firma
"Wer seine Position innerhalb der Firma festigen will, sollte auf alle Fälle in der Lage sein, eigenverantwortlich zu arbeiten und wichtige Aufgaben zu übernehmen", sagt der Arbeitspsychologe Niclas Schaper von der Uni Heidelberg. Die Fähigkeit, flexibel mit neuen Anforderungen umgehen zu können, komme gut an. Arbeitgeber erwarten hohe Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen. "Wichtig sind vor allem fachliches Können und soziale Kompetenz. Allerdings hängt das auch von Branche und Position ab", sagt Havertz. So steht bei einem Techniker, der sich speziellen Aufgaben widmet, eher die fachliche Fähigkeit im Vordergrund.
Bei einem Produktmanager sind dagegen Strategie und Kommunikationsvermögen gefragt. "Meine Mitarbeiter sollten sich nicht zu sehr in eine Routine fallen lassen", sagt Peter Roskothen, Chef einer Internet-Firma in Sondershausen. Wer sich Neuerungen verschließe, habe schlechte Karten. "Gerade im technischen Bereich gibt es eine rasante Entwicklung. Da muss sich jeder in Eigeninitiative auf dem Laufenden halten und bereit sein, ständig dazuzulernen." Erworbenes Wissen und gesammelte Erfahrungen spielen zwar nach wie vor eine große Rolle, aber ausruhen sollte sich darauf niemand. Arbeitspsychologe Schaper warnt jedoch davor, jede neue Aufgabe kommentarlos hinzunehmen: "Denn kritikloses Ausführen von Anweisungen des Vorgesetzten ist bei Firmen-Chefs nicht mehr gefragt."
Interner Wechsel
Um einer Entlassung vorzubeugen, versuchen viele, sich in ihrer Firma unentbehrlich zu machen. Das hält Schaper für kein gutes Ziel: "Dadurch können Abhängigkeiten entstehen, die weder für Mitarbeiter noch für deren Chefs günstig sind. Beim Arbeitnehmer kann das zu einer Überlastung führen, weil er denkt, dass es nicht mehr ohne ihn geht." Roskothen betont, für ihn seien Mitarbeiter unentbehrlich, die einen wichtigen Beitrag zu einer "glückenden Kommunikation" liefern. Damit meint er jene, die den Austausch von Informationen innerhalb des Unternehmens durch ihr Auftreten positiv fördern. "Gerade eine einwandfreie Verständigung der Beschäftigten untereinander ist die Grundlage reibungsloser Abläufe in einem Betrieb."
Steckt das Unternehmen in einem Prozess der Umstrukturierung, kann es sinnvoll sein, sich über andere Arbeitsmöglichkeiten innerhalb der Firma zu informieren. "Manchmal werden nicht nur Stellen abgebaut, sondern es entstehen auch neue", weiß Havertz. Hier liegt die Chance, durch einen internen Wechsel einer Kündigung zuvor zu kommen.
Eine eher unkonventionelle Möglichkeit, sich den Arbeitsplatz zu sichern, ist das Gründen einer Familie. Vor allem in großen Betrieben sind Havertz zufolge Väter bei einem Stellenabbau im Vorteil. Dagegen werden mit der "Sozial-Auswahl" – häufig in Abstimmung mit Betriebsräten – eher jene Mitarbeiter entlassen, bei denen angenommen wird, dass dieser Schritt geringe negative Folgen hat. Mitarbeiter mit Kindern und Familie sowie langjährig Beschäftigte bleiben eher.
