Ein Wernher von Braun ist er (noch?) nicht, aber jener, der einst Hitler diente und die V-Raketenwaffen entwickelte sowie später die Amerikaner zu bemannten Mondlandungen führte und er – Markus Bindhammer – verbindet einiges: Wie von Braun bastelte Bindhammer schon im Alter von zehn Jahren Raketen, wie von Braun träumt Bindhammer seit dieser Kindheit von einer Landung auf dem Mond. Wobei Bindhammer (37) bescheidener erscheint, weil er nicht Menschen, sondern nur das Mondauto LuRoCa 1 (Lunar Rocket Car 1) auf dem Erdtrabanten landen will. Und das mit Hilfe auch der Chinesen. Bindhammer, der jetzt in Schanghai lebt, und sein Partner Shi Xiaojun (27) hoffen dabei auf die Finanzierung ihres Projekts durch Google, die weltweit bekannte und äußerst erfolgreiche Internet-Suchmaschine aus den USA.
Abfuhr für NASA und Präsident Obama
Dafür wurde der Google Lunar X-Prize im Wert von 30 Millionen Dollar geschaffen – Google lässt sich also diesen Wettbewerb, mit dem private Raumflugaktivitäten gefördert werden, einiges kosten. In gewisser Weise ist dieses Vorgehen auch eine Abfuhr für die NASA und Präsident Obama, der 2010 entsprechenden Plänen der US-Raumfahrtbehörde aus Kostengründen einen Strich durch die Rechnung machte. An dem Google-Wettbewerb beteiligen sich mehr als zwei Dutzend Interessierte, darunter eben auch Bindhammer. Die Teilnahme ist stark reglementiert, um die Ernsthaftigkeit und das Technologisch-Wissenschaftliche auf eine möglichst hohe Ebene zu stellen. So beträgt die Anmeldegebühr 50.000 Dollar. Gleichzeitig ist ein Konzept vorzulegen, das alle drei Monate erneuert werden muss. Um den großen Google-Preis zu gewinnen, muss eine Sonde sicher auf dem Mond landen, der mitgeführte Rover oder Lander muss zudem 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegen. Wer das bis zum 31. Dezember 2012 bewerkstelligt, erhält von Google 20 Millionen Dollar.
Eher witzig: Millionär will auf dem Mond nach Bodenschätzen suchen
Einige amerikanische Privatunternehmen arbeiten dabei mit Experten, die von der NASA nach Ende der Shuttle-Flüge entlassen wurden – zweifellos ein Vorteil. Da ist etwa Moon Express zu nennen, angesiedelt in Silicon Valley. Hier wird ein Robot-Lander entwickelt, wofür sogar eine vor Jahren bei der NASA entwickelte Technologie in Lizenz erworben wurde. Gründer von Moon Express ist der amerikanische Multimillionär Naveen Jain, der bis zu 100 Millionen Dollar in sein Vorhaben investieren will. Er will auf dem Mond nach Bodenschätzen suchen – bei den mehreren Zentnern Mondgestein, die die US-Astronauten zwischen 1969 und 1972 mitbrachten, fand sich davon kaum ein Gramm. Deshalb ist dieses Vorhaben eher witzig.
Die Absurdität mit dem Mond-Gesängen
Dieser Jain träumt auch von einem Sänger-Wettstreit auf dem Mond, indem die auf Band mitgeführten Melodien von der Mondoberfläche zur Erde gespielt werden – nur: Es gibt keine Luft dort oben, so dass Schallwellen nicht existieren. "Dann spielen wir es eben mittels Staub", wird Jain in der "New York Times" zitiert. Er will auch mit anderen Absurditäten Geld auf seinen Mond-Reisen verdienen. So kann er sich vorstellen, dass jemand – sicher für ein paar hunderttausend Dollar – durch einen Roboter eine Liebeserklärung einschließlich Hochzeitsantrag in das Mond-Gestein schreiben lässt. Das entsprechende Foto überträgt der Roboter an eine gewünschte E-Mail auf der Erde. Dieser Jain - ein Sonderling bei diesen geplanten Mond-Abenteuern?
Immerhin können Talente entdeckt und gefördert werden
An Absurditäten muss man denken, wenn man auf den bisher eingereichten Bewerbungen private Antragsteller aus Malaysia, Ungarn und Rumänien findet oder auch wenn Deutschland mit den Teams Part-Time-Scientists oder C-Base Open Moon vertreten ist. Als könne man den Mond so leicht erreichen wie den nächst gelegenen Birkenwald, gleich um die Ecke. An dem Google-Wettbewerb dürfen sich nur Privatunternehmen beteiligen, die wiederum jeweils nicht mehr als zehn Prozent ihrer eigenen Kosten von Seiten des Staates oder einer staatlichen Institution beziehen dürfen. Somit können in der Regel auch Universitäten sich nicht beteiligen. Googles Absichten sind dennoch lobenswert. Denn mit den Millionen, die dieses US-Unternehmen bereitstellt, könnten durchaus wissenschaftliche und technologische Talente gefunden und gefördert werden. Fragwürdig allerdings bleibt, ob Privat-Entrepreneurs das schaffen können, woran die USA Jahrzehnte gearbeitet und Milliarden investiert haben. Auch das darf nicht vergessen werden: In ihren Höhenflugtagen beschäftigte die NASA – einschließlich der Zulieferer - rund 500.000 Menschen.
Müssen Astronauten noch einmal zum Mond?
Ehrgeizige Staaten wie Indien, China und auch Russland sind für alle Mond-Bemühungen der Privaten sehr ernst zu nehmende Konkurrenten. Diese wie auch weitere Staaten lassen sich nicht in ihre Karten schauen, mit Sicherheit aber verfolgen zumindest China und Indien Pläne, wieder Menschen zum Mond zu schicken. Dabei geht es ausschließlich ums Prinzip – wie seinerzeit in den 1960er- und 1970er-Jahren beim Wettlauf zum Mond zwischen den USA und der Sowjetunion. Dieses heiße Politikum des Kalten Krieges konnte die USA für sich entscheiden, und für nicht wenige Historiker begann mit der Landung von Apollo 11 1969 auf dem Mond – Neil Armstrong und Buzz Aldrin pflanzten dort ein Sternenbanner auf – die Schwächung, der Zerfall des Sowjetreiches. Müssen wirklich noch einmal Astronauten zum Mond? Wenn man den Prestigegedanken beiseite lässt, kann man durchaus mit "Nein" antworten.
