
- Topinambur, Klaus Garten - Monika Hermeling
Im Herbst ist es der gelblühende Topinambur, der in seiner Länge bis zu fünf Metern mit den Sonnenblumen wetteifert. Die Blüten sehen ähnlich aus, sind aber kleiner und bilden, in unseren Breitengraden, keine Samen.
Was ist Topinambur?
Topinambur (Helianthus tuberosus L.) gehört zur Gattung der Sonnenblumen und stammt aus Nord- und Mittelamerika. Sie wurde, wie die Kartoffel, in Europa als Nahrungspflanze kultiviert und ist, in Deutschland, unter den Namen Erdapfel, Erdbirne, Erdsonnenblume und Indianerknolle bekannt. Von der Topinambur werden Kraut und die Knolle geerntet, um Biomasse herzustellen. Die Topinamburknollen, die etwa wie die von Ingwer aussehen, schmecken süßlich und leicht nussig. Sprossknollen werden, aufgrund ihres hohen Inulingehaltes als Nahrungsmittel, für Diabetiker geschätzt. Sie schmecken, rohes oder gekocht, können auch zu Schnaps gebrannt werden.
Topinambur als Energiepflanze
Topinambur ist durch mehrjährige hohe Biomasseerträge von bis zu 20 Tonnen oder Knollenerträge von bis zu 13 Tonnen pro Hektar, für Landwirte, als Energiepflanze, interessant.
Werden die Knollen zum Reifezeitpunkt des Krautes im Spätsommer mit geerntet, wenn sie selbst noch nicht reif sind, verringern sich die Knollenerträge auf zwei bis drei Tonnen pro Hektar. Das Erntegut lässt sich zu Biogas oder Bioethanol vergären oder zu Biobrennstoff verarbeiten.
(Alle genannten Daten stellen nur Richtwerte dar Erfahrungen des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) )
Diese Bedingungen stellt Topinambur an Standort und Boden
Topinambur ist eine frostharte, mehrjährige Pflanze und stellt ähnliche Bedingungen an Standort und Boden wie Kartoffeln. Eine ausreichende Wasserversorgung ist, besonders in der Hauptwachstumsperiode der Sprossknollen, zwischen Juli und Oktober, wichtig. Aufgrund der Sklerotinia-Gefahr sollte der Anbau nach Raps und Sonnenblumen vermieden werden. Vor der Pflanzung ist bei schweren Böden eine Herbstfurche, bei leichten und mittleren, eine Frühjahrsfurche erforderlich. Auf schweren Böden werden im Herbst Dämme geformt, weil der Boden so im Frühjahr schneller abtrocknet. Bei mehrjährigem Anbau sind Beetkulturen verbreitet.
So wird Topinambur gepflanzt
Topinambur wird, wie Kartoffeln, ab Anfang März bis April (in wärmeren Lagen bereits ab Mitte Februar) gepflanzt. Als Pflanzknollen eignen sich gesunde, möglichst gleich große Exemplare. Benötigt werden 40.000 bis 50.000, das sind ein bis vier Tonnen pro Hektar. Diese werden in fünf bis sieben Zentimetern Tiefe, mit einem Reihenabstand von 75 Zentimetern (in der Reihe etwa 25 bis 30 Zentimeter), gesetzt. Topinamburpflanzen werden, in der Wuchsperiode, immer wieder an gehäufelt. Ein Einsatz von Herbiziden ist nicht nötig. Eine Düngemittelgabe sollte zur Pflanzzeit im März/April, eventuell im Mai erfolgen.Auch durch Bokashi möglich.
Die Ernte von Topinambur
Für die energetische Nutzung gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn nur das Kraut genutzt wird, wird Topinambur gepflanzt, in den nächsten Jahren das Kraut geerntet und die Knollen, ab dem zweiten bis dritten Jahr, ausgedünnt. Wird mehrere Jahre nacheinander ausschließlich das Kraut geerntet, werden die Bestände zu dicht. Bei einer jährlichen Ernte der Knollen, müssen sie im darauffolgenden Jahr, in einer Flächenroutation, neu gepflanzt werden. Die Ernte des Krautes kann, von etwa Ende August bis Ende September, vor Verholzung der Stängel, mit einem Maishäcksler erfolgen.
Richtwerte zu Energieerträgen von Topinambur
Die höchsten Krauterträge werden durch eine Ernte Ende September, etwa 20 Tonnen pro Hektar, erzielt. Über die Wintermonate sinkt der Krautertrag auf sechs bis acht Tonnen pro Hektar. Der Methangehalt des Biogases aus dem Topinamburkraut beträgt etwa 54 Prozent.
In der Biogasanlage bringen die Knollen durchschnittlich 393 Liter Methan pro Kilogramm organischer Trockensubstanz bei einer extrem guten und schnellen Vergärung. Bei der Bioethanolgewinnung wird der Flächenethanolertrag, mit 4.600 bis 5.000 Litern pro Hektar in Deutschland, derzeit nur von der Zuckerrübe mit 6.200 Litern pro Hektar überboten.
Lagern der Topinamburknollen im Boden ist problemlos
Topinamburkraut und-knollen können, unter Einsatz von Milchsäurebakterien oder Effektiven Mikroorganismen, in Silos gelagert werden. Die Knollen werden zu diesem Zweck, ab Oktober bis zum März gerodet. Die beste Lagermöglichkeit besteht darin, die Knollen im Boden zu lassen, da sie Temperaturen bis zu minus 30 Grad vertragen. Eine Lagerung in Mieten aus Sand, Erde oder in Kühlhäusern ist ebenfalls möglich, wenn auch nicht so lange Zeit wie bei Kartoffeln.
Eine gute Sortenwahl bestimmt auch einen hohen Energieertrag
Die spätreifen Sorten sind für die Energieproduktion am besten geeignet. Für die Biogaserzeugung kommt es bei der Sorte vor allem auf eine hohe Standfestigkeit, geringe Verholzung, geringe Rohfaser- und hohe Zuckergehalte in Kraut und Knollen an. Es zeichneten sich die Sorten „Rote Zonenkugel“, „Gute Gelbe“, „Medius“, „Topianka“ und „Violet de Rennes““ aus. Für den Bioethanolproduzenten sind hohe Zucker- und Ethanolerträge je Flächeneinheit entscheidend. Die Sorten „Gute Gelbe“, „Medius“, „Rote Zonenkugel“ und „Landsorte weiß“ sind hier vielversprechend.
Züchter: Johann Brunner, www.topis.de, Georg Lindl, "Lindl´s erlebte Natur", Die Topinambur Manufaktur, Heimenkirch, Bayern.
Weitere Hinweise zur Anpflanzung von Topinambur
Topinambur treibt aus geringen Ernteresten wieder aus. Für Folgekulturen wird, von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), als Gegenmaßnahme, eine mindestens zweijährige Löschfruchtfolge empfohlen. Alternativ wirkt auch eine tiefe Bodenbearbeitung. Eine elegante Lösung ist der Anbau von Feldfutter als Folgefrucht, da das durchgewachsene Topinamburkraut einfach mit geerntet werden kann.
Quellen: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)
