Mit Köpfchen und Kreativität gegen die Lebensmittelverschwendung

Leckere Resteverwertung - knipseline / pixelio.de
Leckere Resteverwertung - knipseline / pixelio.de
Bewusster Einkauf und Resteverwertung sind ein guter Weg einen persönlichen Beitrag zu leisten gegen die immense Verschwendung von Nahrungsmitteln.

„Taste the Waste“ von Valentin Thurn erhitzt derzeit die Gemüter. Dabei ist nicht der Film selbst der Grund für die Aufregung, sondern die Nahrungsmittelvernichtung, die er anprangert. Tag für Tag wandern Unmengen von Lebensmitteln in den Müll. Das Meiste davon wäre durchaus noch genießbar. Die Hintergründe für die irrsinnige Verschwendung von Energie, Geld und - im Fall von Fleisch, Wurst, Fisch - auch von Lebewesen werden an anderer Stelle bei Suite101.de ausgiebig beleuchtet. Hier geht es um die übertriebene Furcht vor einer möglichen Gesundheitsgefährdung, die das Datum auf den Verpackungen auslösen kann. Zudem werden Beispiele gezeigt, wie man schnelle und leckere Gerichte aus Resten zaubert.

Tipps für Einkauf und Vorratshaltung

Es ist eine Binsenweisheit. Wer hungrig einkauft, packt deutlich mehr in Korb oder Wagen, als er benötigt. Deshalb sollte man sich entweder akribisch an den Einkaufszettel halten oder den knurrenden Magen vorher besänftigen. Eine günstige Zeit, um auf Schnäppchenjagd zu gehen ist früh morgens oder abends kurz vor Ladenschluss. Denn dann liegen die ausgemusterten Produkte schon in der Restetheke oder -kiste. Ideal ist auch der späte Samstagnachmittag. In der Gemüseabteilung gibt es eine Fülle an empfindlichen Waren, die noch völlig in Ordnung sind, ohne Kühlung aber das Wochenende nicht mehr überstehen würden. Beeren, Pfirsiche, Pilze werden dann oft zum halben Preis „verschleudert“. Dasselbe gilt für Milchprodukte, deren Mindesthaltbarkeit fast erreicht ist. All‘ diese Lebensmittel lassen sich im heimischen Kühlschrank meist noch einige Tage aufbewahren. Wer hingegen Hackfleisch, Fisch oder Wurstwaren mit aktuellem Verfallsdatum erwirbt, sollte die Produkte möglichst sofort verwenden. Das gilt jedoch nicht für Wurst- und Fischkonserven in Gläsern oder Dosen. Diese Dauerkonserven sind ähnlich lange haltbar wie Eingemachtes. Dennoch ist es wichtig, von Zeit zu Zeit Kühlschrank und Speisekammer zu durchforsten. Ist das aufgedruckte Datum auf der Verpackung abgelaufen, kann man viele Lebensmittel noch unbesorgt essen. Dazu ist es wichtig, den gravierenden Unterschied zwischen Verfallsdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum zu kennen. Am meisten Spielraum hat man überall dort, wo beim MHD nur Monat und Jahr angeben ist wie etwa bei Dauerbackwaren und Konserven. Wer die Kekse zwei Monate später isst oder Dosen mit Obst oder Gemüse erst ein halbes Jahr später öffnet, wird nicht krank deswegen. Vorsicht ist dagegen immer geboten, wenn Verpackungen beschädigt sind. Bei „aufgeblähten“ Dosen muss der Inhalt sofort weggeworfen werden, selbst wenn das MHD noch gar nicht erreicht ist. Hier droht Vergiftungsgefahr durch Botulismustoxine.

Schützen Einkochen und Einfrieren vor dem Verderben?

Wer auf dem Land lebt, kennt vielleicht noch die alten Einmachgläser von der Oma, die in einer dunklen Ecke des Kellers verstaubten. Die rote Farbe der Sauerkirschen war schon verblasst, die weichen Essiggurken hatten ihren knackigen Biss längst verloren. Genießbar waren die Schätze durchaus noch, denn anders als Tiefkühlen konserviert Einkochen die Lebensmittel für Jahre. Einfrieren schützt dagegen nicht vor dem Verderben, es zögert den Verfallsprozess lediglich heraus. Die Bakterien sind bei den tiefen Minusgraden sozusagen im Dämmerschlaf. Sie vermehren sich zwar nicht mehr, sterben aber keineswegs ab. Deshalb sollte man vor allem eiweißhaltige Lebensmittel wie Fleisch- und Fischgerichte stets gut durchbraten oder kochen, bevor sie auf den Tisch kommen. Das betrifft natürlich auch Reste, die im Kühlschrank aufbewahrt wurden. Aufwärmen reicht nie, um mögliche Keime zu vernichten. Es gilt die Haltbarkeit der Lebensmittel im Auge behalten, egal ob man Selbstgekochtes oder gekaufte Tiefkühlware in Gefriertruhe oder Eisschrank aufbewahrt. Hinweise zu den Fristen liefern die Betriebsanleitungen der Geräte und manche Kochbücher. Die Übersicht zu behalten ist ganz einfach, wenn man sich eine Liste erstellt, was wann eingefroren wurde. Wer dazu notiert, in welchem Fach sich das betreffende Produkt befindet, braucht später nicht lange danach suchen.

Wann werden Lebensmittel wirklich ungenießbar?

Die Nahrungsmittelindustrie geht stets auf Nummer sicher. Sie datiert das angebliche Mindesthaltbarkeitsdatum so, dass jegliche Risiken ausgeschlossen sind. Kritiker werfen den Konzernen sogar vor, die Ablauffristen bewusst immer weiter zu verkürzen, um den Verkauf anzukurbeln. Dieser Vorsatz dürfte sich schwer beweisen lassen. Doch scheint es seltsam, wenn man etwa den im Kühlschrank vergessenen Joghurt nach dem Urlaub öffnet. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist um zwei, drei Wochen überschritten und dennoch wirkt das Produkt noch wie frisch. Deshalb sollte man ruhig auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauen. Die Evolution hat ihre Geschöpfe schließlich mit sensiblen Sinnen ausgestattet auch um Verdorbenes zu erkennen. Nase und Zunge sind sehr empfindlich und würden Veränderungen sofort riechen und schmecken. Menschen mit Erkältungen oder einem Verlust des Geruchsinns ist diese Art von Selbsttest jedoch nicht zu empfehlen.

Was muffig riecht und seltsam aussieht, wird sofort entsorgt. Manche Produkte, die lediglich ihre Konsistenz verändert haben, können dagegen ohne Risiko verzehrt werden. Milchprodukte neigen dazu, an der Oberfläche Wasser abzusetzen. Man rührt den Joghurt, Frischkäse oder Quark gut um und kostet vorsichtig davon, ob er noch schmeckt. Natürlich probiert man nur eine kleine Menge und schluckt sie nicht hinunter. Hat man wirklich einmal von einem ungenießbaren Produkt probiert, spukt man es einfach aus. Wer ganz sicher gehen will, spült den Mund mit klarem Wasser oder gurgelt mit Mundwasser.

Wohlschmeckende Rezepte für die kreative Resteküche

  • Beschwipster Obstsalat und gebackene Bananen

Wenn der Inhalt des Früchtekorbs schon etwas unansehnlich ist, lässt sich meistens noch ein leckerer Obstsalat daraus zaubern. Angeschimmelte Früchte sollte man stets wegwerfen. Doch bei faulen Stellen reicht es, diese großzügig auszuschneiden. Dann die Bananen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Nektarinen etc. schälen, klein schneiden und in einer Schüssel vermischen. Etwas Zitronensaft darüber träufeln, damit das Obst nicht braun wird. Für die Marinade Zitronensaft mit Honig und Rum oder Orangenlikör verrühren. Wer mag kann einige Rosinen hinzugeben. Das Dressing über den Salat träufeln, alles gut mischen und etwa zwanzig Minuten im Kühlschrank ziehen lassen. Für Kinder ersetzt man den Alkohol durch Orangen- oder Traubensaft. Überreife Bananen werden halbiert und mit etwas zerlassener Butter und Honig bestrichen. Danach mit wenig Öl in der Pfanne von beiden Seiten anbraten und noch warm servieren. Diese Variante der berühmten „fritten bananas“ aus dem Asia-Restaurant schmeckt besonders gut mit einem Klecks Schlagsahne. Eine weitere Alternative ist es die nicht mehr goldgelben Früchte zum Backen zu verwenden. Ein gehaltvoller Bananenkuchen ist im Handumdrehen gezaubert, Rezepte findet man im Internet. Eine Fülle an weiteren Ideen für die kreative Resteverwertung bietet ein spezieller Ratgeber, der bei den Verbraucherzentralen bestellt werden kann.

  • Kartoffeln, Reis und Nudeln bekommen eine zweite Chance

Es müssen nicht immer Bratkartoffeln sein. Wer es spanisch mag, kreiert seine eigene Variante der Tortilla de Patata. Gekochte Kartoffeln kann man mit wenig Aufwand auch zu feinem Kartoffelbrei, herzhaftem Kartoffelsalat oder köstlichem Gratin verarbeiten. Küchenprofis wagen an selbstgemachte Klöße und Kartoffelpuffer wagen. Auch übriggebliebene Nudeln und Reis lassen sich ganz einfach weiter verwenden entweder als Auflauf oder in der Pfanne. Mag man es mediterran, gibt man Tomatenwürfel und/oder Scheiben von gedünsteten Zucchini oder Auberginen hinzu. Zum Schluss wird Mozzarella untergehoben oder Parmesan darüber gestreut. Dann heißt es ab in den Ofen zum Überbacken. Eine passende Soße ist schnell gemacht aus Tomaten, die zu weich zum Verzehr sind. Sie werden mit kochendem Wasser übergossen, damit sich die Haut leicht abziehen kann. Dann würfeln, mit etwas Zwiebeln oder Knoblauch andünsten, mit Kräutern der Provence, Tomatenmark oder Ketschup würzen und mit etwas Sahne aufköcheln. Aus Nudeln oder Reis entsteht mit Gemüseresten, Sojasoße, Sesamöl, Curry und einer Handvoll Sprossen blitzschnell eine vegetarische Reis- oder Nudelpfanne auf die fernöstliche Art. Vor Sprossen braucht man trotz der EHEC-Panik keine Angst zu haben. Wer sicher gehen will, kann die Keimlinge vor dem Verzehr kurz Erhitzen, Blanchieren, Mitkochen oder wie hier Anbraten. Einige Sprossensorten sollte man sowieso nicht roh verzehren, da sie schwer verdaulich sind.

Bildnachweis ©: Tomaten-Zucchini-Gratin von knipseline / pixelio.de

Als Quelle diente der Autorin ihre über zehnjährige Erfahrung in der Mikrobiologie. Als ehemalige Laborantin kennt sie die Welt der Bakterien und Schimmelpilze. Persönlich durchforstet sie schon mal die Restekiste im Supermarkt, lässt sich auf dem Wochenmarkt die schrumpeligen Äpfel fürs Kompott schenken und fragt beim Bäcker nach Brot vom Vortag. Den Magen verdorben hat sie sich bei dieser "Schnäppchenjagd" noch nie.

Ursula Wyputta, Ursula Wyputta

Ursula Wyputta - Über zwanzig Jahre lang arbeitete ich als technische Assistentin, Gesundheits- und Umweltberaterin. Nach einem Fernstudium ...

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