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Palästina ist noch immer eine Region instabiler politischer Verhältnisse. Und es sieht so aus, als würde das länger so bleiben. Die Religionen trifft eine Mitschuld. Die Bibel berichtet über die Entstehung eines Gottesvolkes in diesem Gebiet in mythologischer Zeit. Abraham gilt als ihr Stammvater. Wer hat ihm zu Reichtum und Ansehen verholfen, um in Palästina Fuß zu fassen? Was wissen wir über die Anfänge dieser abrahamitischen Religion, nach deren Zerfall und aus deren Trümmer Christentum, Judentum und Islam entstanden sind? Jerusalem ist für alle drei Religionen heilige Stadt. Der Nahostkonflikt ist der Kampf um die Vormacht in Jerusalem.
Abraham
Darf ich vorstellen? Abraham, verheiratet, keine Kinder. Die Ehefrau Sara würde jeden Schönheitswettbewerb gewinnen. Aber das gab es in der damaligen Zeit noch nicht. Sie sind Zugezogene, kein Haus, kein Grundstück, kein Geld. Sie kamen aus Mesopotamien. Gott hatte Abraham beauftragt, nach Kanaan zu gehen. Nein, keine Firma, er sollte das Gottesvolk begründen. Beinahe wäre es schief gegangen. Es kam eine große Hungersnot. Unter den Leuten sprach sich herum, nach Ägypten zu gehen: Dort gibt es immer etwas zu essen. Abraham und Sara hatten keine Wahl, wollten sie nicht verhungern. An die Fremde hatten sie sich längst gewöhnt. Aus Angst um sein Leben galt für Abraham in Ägypten die Devise, niemand sollte wissen, dass er mit Sara verheiratet ist.
Sara
Sara machte sich keine Sorgen, in die Fremde zu ziehen. Bisher hatte noch kein Mann ihrer Anziehungskraft widerstehen können, wenn sie es nur wollte. Das wusste sie nun einzusetzen. Kontakte zum Königshof wurden geknüpft. Alles ging ganz schnell. Sara wusste den Schleier zu handhaben wie keine Andere, so dass er mehr zeigte, als er verhüllte. In den Grundregeln der Kosmetik kannte sie sich aus. Sie hatte auf Anhieb Erfolg beim Pharao, dem mächtigen Herrscher Ägyptens. Hinter ihr schlossen sich die Türen der Verschwiegenheit.
Sexuelle Details wurden damals noch nicht in Worten oder Bildern ausgebreitet. Die Intensität konnte man am materiellen Lohn ablesen. Und Sara war sehr erfolgreich. Mit ganzen Herden von Schafen, Ziegen, Rindern und Kamelen samt zugehörigen Hirten verließ sie die pharaonische Residenz. Und für den Ehemann Abraham kam noch eine ägyptische Sklavin hinzu. Er ahnte im Moment noch nicht, wozu sie eines Tages noch gut sein wird.
Reichtum durch Prostitution
Über Nacht war Abraham ein reicher Mann geworden – dank Sara. Gesättigt und befriedigt konnten sie aus Ägypten fortziehen. Das Geld reichte, in Kanaan Grundbesitz zu erwerben, sogar eine Höhle, Machpela. So eine Bilderbuchkarriere musste schriftlich festgehalten werden (1. Mose 12). Noch heute würden sich die Journalisten großer Zeitschriften um den Stoff reisen.
Abraham und Sara hatten ihr Auskommen. Doch wenn es Gottes Auftrag war, ein Volk zu gründen, musste Abraham endlich an Nachwuchs denken. Aber damit klappte es über viele Jahre hinweg nicht. Am Ende war Sara aus dem gebärfähigen Alter heraus und hatte kein Kind geboren. Abraham musste nach einem anderen Weg suchen. Mit Saras Zustimmung zeugte Abraham mit der ägyptischen Magd Hagar einen Sohn. Ismael wurde geboren. Das brachte Zwietracht zwischen die beiden Frauen. Hagar schaute auf ihre Herrin herab, nachdem sie einen Sohn zur Welt gebracht hatte. Sara war die Lage unerträglich. Schließlich half Gott aus. Er schickte zwei Männer als Boten Gottes. Sara lachte diese mit den Worten aus, die fruchtbaren Jahre seien doch für sie vorbei. Die Engel Gottes wussten es besser. Im nächsten Jahr brachte Sara ihr Kind zur Welt, den Sohn Isaak, ein Geschenk Gottes. Auf ihm ruhten alle Hoffnungen für die nächsten Generationen. Kinderreichtum gab es erst in der Generation der Enkel.
Der Anfang des Gottesvolkes
Isaaks Sohn Jakob musste sich eine Frau aus Mesopotamien holen, genauer gesagt derer zwei. Durch einen Hochzeitstrick wurden ihm gleich zwei Ehefrauen angetraut. Die Bibel berichtet: Vater Laban in Mesopotamien hatte zwei Töchter, die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel. Lea hatte glanzlose Augen, Rahel aber war ausnehmend schön. Jakob liebte Rahel und so sagte er: Gib mir Rahel, deine jüngere Tochter, zur Frau. Ich will dafür sieben Jahre bei dir arbeiten. Nach Ablauf der sieben Arbeitsjahre wendet der Schwiegervater einen Trick an. In der Hochzeitsnacht legt er die ältere Tochter Lea ins Ehebett, und Jakob vollzieht mit ihr die Ehe. Der Schwindel flog auf und hatte zur Folge, das der willige Jakob noch einmal sieben Jahre für die andere Tochter bei seinem Schwiegervater arbeitete. Schlafen durfte Jakob nun mit beiden Frauen und auch deren Mägden. Offenbar Zufriedenheit überall. Der Vater hatte beide Töchter verheiratet, und die Jugend war auf ihre Weise glücklich. In den folgenden Jahren erblickten insgesamt zwölf Söhne von den vier Frauen das Licht der Welt. Das geschah alles in Mesopotamien, nicht etwa in Kanaan. Die Urväter der sogenannten zwölf Stämme Israels waren von Geburt Babylonier. Doch dann wanderten sie nach Palästina aus und wurden hier sesshaft. Der Kampf um ein Land begann.
Die Überheblichkeit des Gottesvolkes
Jerusalem wurde zum Mittelpunkt der abrahamitischen Religion. Das Gottesvolk verstand sich als exklusiv und auserwählt. Das bringt Überheblichkeit mit sich. Man blickte herab auf die anderen im Vorderen Orient ansässigen Völker, wie Philister, Phönizier, Ammoniter u.a. Mischehen mit anderen Kanaanäern waren untersagt, damit keine anderen Götter verehrt werden. Während es bei den Nachbarvölkern Polytheismus gab, durfte das Gottesvolk nur den alleinigen Gott Israels verehren. Man lebte nach eigenen Regeln und Gesetzen. Diese seien von Gott selbst überbracht worden. Mose habe sie auf dem Berg Sinai entgegengenommen. Gerade der Charakter der Exklusivität des Gottesvolkes war eine wesentliche Ursache für spätere Auseinandersetzungen.
Literatur zur Geschichte:
- Jochen Rabast, Engel im Gepäck. Spuren zum Alten Testament , 2009, ISBN 978-3-8372-0562-6
- ders.,Umbruch der Religion. Von der abrahamitischen Religion zu Judentum,Christentum, Islam,
- 2.Aufl.2011, ISBN 9783839136829
- Manfred Clauss, Das alte Israel, Beck Sachbuch 2008, ISBN 978-3-406-44573-6
- Foto mit Zustimmung iris-bauchtanz.de
