
- Saftige Wiesen führen zur Rappenseehütte - Bianca Heidelberg
Wer eine Hüttenwanderung durch die Berge erleben und dennoch bei Bedarf schnell wieder in der Zivilisation sein möchte, für den ist die Steinbock-Tour genau richtig. Die Rundwanderung startet in Oberstdorf, schlingelt sich über den Allgäuer Hauptkamm und endet auch wieder in Oberstdorf. Überhaupt ist man nie weit entfernt von Oberstdorf und hat nach jeder Etappe die Möglichkeit, wieder ins Tal hinab zu steigen. Die Original-Steinbock-Tour kann fast beliebig abgekürzt und verlängert werden. So kann man je nach Laune in fünf bis acht Tagen durch die Allgäuer Hochalpen marschieren und dabei Tagesetappen von etwa vier bis zehn Stunden bewältigen. Wie der Name schon verrät, sieht man unterwegs immer mal wieder Steinböcke, und ab und zu lässt sich ein Murmeltier blicken.
Tag 1: Von Oberstdorf zur Fiderepasshütte
Los geht es in Oberstdorf. Wer es gemütlich angehen möchte, fährt mit der Fellhornbahn bis zur Station Schlappoldsee und hat eine einfache und kurze Wanderung zur Fiderepasshütte vor sich. Hartgesottene können den Aufstieg per Fuß bezwingen. Allerdings sollte der Wanderer daran denken, dass noch einige Kilometer und Höhenmeter vor ihm liegen, und deshalb besser gemächlich beginnen. Die Fiderepasshütte ist eine einfache, aber gemütliche Bleibe. Eine schmale Treppe, die aus Platzgründen sogar im Zick-Zack gebaut wurde, führt in das Matratzen-Lager unter dem Dach. Etwa 120 Personen können in der Hütte unterkommen.
Tag 2: Zur Mindelheimer Hütte
Eine schnelle Tour führt über den Fidere-Pass zur Mindelheimer Hütte. Es ist genug Zeit, um über den Tag verteilt einen Abstecher auf das Geißhorn und einen auf das Kemptner Köpfle zu machen. Beim Kemptner Köpfle sind kurz vor dem Gipfel Schwindelfreiheit und mäßige Kletterkünste gefragt. An einem Seil hangelt sich der Wandersmann Richtung Gipfel. Der steinige und steile Weg bis auf die Spitze ist nur schwer erkennbar. In der Mindelheimer Hütte sind die Lager kleiner als in der ersten Hütte; etwa zehn Personen teilen sich ein Zimmer. Eng geht es dennoch zu. Jeder Zentimeter wurde ausgenutzt und so kann es passieren, dass man rückwärts in das Bett hineinkriechen muss. Hier besteht die erste Gelegenheit zu duschen. Gegen ein paar Cent gibt es sogar einige Minuten lang warmes Wasser.
Tag 3 und 4: Zur Rappenseehütte und Heilbronner Weg
Über sanfte Grasebenen und Kuhweiden geht es Richtung Rappsenseehütte. Die Kühe benutzen ab und zu die gleichen Pfade wie die Wanderer und laufen oft als „Guide“ vor diesen her. Die letzten paar Meter sind die schwierigsten, denn ein fieser Anstieg, den die Wandersleut mehr hoch kriechen als laufen, führt zur Rappenseehütte. Auch an der Rappenseehütte gibt es die Möglichkeit zu duschen, aber der große Rappensee mit seinem eiskalten Wasser ist die ideale Erfrischung nach einer anstrengenden Tour.
Am nächsten Tag kommt das Herzstück der Tour, der Heilbronner Weg. Ein wenig Wandererfahrung und Trittsicherheit sollte man mitbringen, wenn man sich an diese recht lange Teilstrecke wagen möchte. Der Heilbronner Weg führt durch felsiges Terrain zur Kemptner Hütte, welche die letzte Station der klassischen Steinbock-Tour bildet.
Verlängerung über das Prinz-Luitpold-Haus
Wer der Zivilisation noch etwas länger fern bleiben möchte, kann noch zwei oder drei Tage anhängen. Möglich ist eine Verlängerung mit Zwischenstop in der Hermann-von-Barth-Hütte und im Prinz-Luitpold-Haus. Es gibt aber auch eine direkte Verbindung zwischen der Kemptner Hütte und dem Prinz-Luitpold-Haus. Diese 9-Stunden-Tour bietet tolle Panorama-Blicke und steile Abstiege. Vom Prinz-Luitpold-Haus führt eine kurze und leichte Strecke zur Nebelhornbahn-Station bei der Edmund-Probst-Hütte. Die Bahn fährt den Wandersfreund zurück in die Zivilisation, aber Achtung, die letzte Talfahrt ist um 16:30 Uhr.
Weiterführende Quelle: Homepage der Steinbock-Tour
