Mit Theraplay an schwer zugängliche Kinder herankommen

Theraplay ist ein Therapiekonzept, das sich an der guten Mutter-Kind-Beziehung orientiert und helfen soll, mit schwer zugänglichen Kindern zu arbeiten.

Die amerikanische Psychologin Ann Jernberg (1928-94) entwickelte in den 1970er Jahren eine neue Therapieform für den Umgang mit schwierigen und verhaltensgestörten Kindern. Sie war im Rahmen der Head Start-Bewegung für die Betreuung von sozial benachteiligten Kindern verantwortlich. Daher suchte sie nach neuen Möglichkeiten, Zugang zu diesen Problemfällen zu finden. Dabei nahm sich Jernberg viele Verhaltensweisen aus der funktionierenden Mutter-Kind-Beziehung zum Vorbild. Wissenschaftliche Theorien der kindlichen Entwicklung, Bindungstheorien und die Entwicklungspsychologie nahmen ebenfalls Einfluss auf ihr Konzept.

Für wen ist Theraplay geeignet?

Theraplay eignet sich für Kinder ab sechs Monaten bis hin zum jugendlichen Alter. Die Therapieform ist gedacht für Heranwachsende, die aufgrund ihrer Störungen nur schwer zugänglich sind. Dazu gehören neben Autismus, Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits-, Hyperaktivitäts- und Bindungsstörungen auch geistige und körperliche Behinderungen. Organischen Schädigungen werden aber nicht direkt behandelt, Theraplay gilt vielmehr als Vorbereitung für speziell auf das Störungsbild ausgerichtete Therapien. Die Behandlung soll das Vertrauen der jungen Patienten wecken, ihnen den Zugang zu anderen Menschen eröffnen und die angemessene Interaktion mit diesen ermöglichen. Da die Eltern sehr eng in die Therapie miteinbezogen sind, ist es wichtig, dass auch sie voll hinter dem Konzept stehen.

Allgemeine Informationen zum Ablauf von Theraplay

Eine Therapiestunde dauert 30 Minuten und wird einmal wöchentlich durchgeführt. Durchschnittlich sind etwa 14 Sitzungen nötig, bis der Patient genügend auf weitere Therapien vorbereitet ist. Zur einleitenden Diagnostik gehört auch immer die Beobachtung und Bewertung der Eltern-Kind-Interaktion. Dies ist notwendig, weil die Begleitung und Beratung der Eltern zur Therapie dazugehören. Teilweise sitzt in der Stunde die Mutter oder der Vater mit dem Kind auf dem Schoß gegenüber vom Therapeuten. Bei älteren oder aggressiven Kindern sind die Eltern nicht mit im Raum. Hinter dem Patienten sitzt dann aber eine zweite Therapeutin, die Sicherheit, Halt und Zuwendung gibt. Gleichzeitig kann sie eventuelle Angriffe auf den agierenden Therapeuten abwehren.

Therapieplanung und -ziele: mehr Selbstbewusstsein und Nähe zu den Eltern

Die individuelle Persönlichkeit, das Interaktionsverhalten und die genaue Störung eines jeden Kindes bestimmen, ob und wie die Therapie konzipiert wird. So brauchen aggressive und hyperaktive Patienten andere Inhalte als Autisten. Im Mittelpunkt steht, dass die Kinder Spaß haben und sich wohl fühlen. Eine Steigerung des Selbstbewusstseins, mehr Zutrauen zu sich und anderen, angemessene Interaktion mit den Mitmenschen, eine verbesserte Wahrnehmung und mehr Nähe zu den Eltern können ebenfalls zu den Zielen der Therapie gehören. Wichtig ist dabei, dass in jeder Stunde nur das Hier und Jetzt zählt: Das Kind soll sich in der momentanen Situation wohl fühlen und sich nur auf diese konzentrieren, egal, was vorher am Tag passiert ist.

Die vier Säulen von Theraplay: Strukturierung, Stimulierung, Herausforderung und Fürsorge

Zu einer gelungenen Therapie gehört zunächst die Struktur der Stunde: Zeit und Raum werden klar bezeichnet, immer wiederkehrende Spiele und Handlungen geben als Rituale Halt und Sicherheit. So soll das Kind lernen, Regeln zu befolgen und abzuwarten. Durch stimulierende Spiele, wie zum Beispiel Nasch- oder Tastraten, wird das Körpergefühl sowie das Vertrauen in die eigenen Sinne gesteigert. Dabei sollen dem Kind auch die äußeren Grenzen seines Körpers und seines Verhaltens aufgezeigt werden. Der dritte Punkt, die Herausforderung, soll die Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten wecken und damit helfen, entspannt mit Wettkämpfen, Konfrontationen und Ärger umzugehen. Dabei gilt es, in Spielen wie Weitspringen oder Salzstangen-mit-dem-Mund-fangen, innere Grenzen zu überschreiten. Um eine emotionale Bindung zum jungen Patienten aufzubauen, werden je nach Situation passende fürsorgliche Handlungen wie das Verarzten von blauen Flecken, Knuddeln und Trösten eingebaut. Das Kind soll bedingungslos und ohne sich irgendwie dafür entschuldigen zu müssen bekommen, was es gerade braucht. Es soll sich wertgeschätzt fühlen, so, wie es ist. Interessant ist, dass bei sämtlichen Theraplay-Spielen kein Spielzeug zum Einsatz kommt.

Evaluation von Theraplay

Bei Theraplay handelt es sich um einen geschützten Begriff, das heißt man muss einen entsprechenden Kurs besuchen, um eine offizielle Lizenz zu erhalten. Erst danach darf man sich Theraplay-Therapeut nennen. Seit 1998 werden die Therapien bei Einverständnis der Eltern wissenschaftlich begleitet, um die Wirkung evaluieren zu können. Dazu gehören auch Langzeitstudien, bei denen das Interaktionsverhalten der Kinder zwei beziehungsweise fünf Jahre nach abgeschlossener Therapie noch einmal untersucht wird. Wenn eine "normale" Therapie nicht weiterhilft, kann Theraplay demnach durchaus erfolgversprechend sein.

Quellen:

  • Offizielle Homepage von Theraplay
  • eigene Recherche
  • Website zur Erforschung von Theraplay
Das bin ich :), Paula Kobelt

Paula Kobelt - Am 15.11.1990 wurde ich in Ludwigsburg geboren. Allerdings zog meine Familie früh in das schöne Remagen am ebenso schönen ...

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