Mit Volldampf auf den Brocken im Harz

Brockenbahn erklimmt den höchsten Berg in Norddeutschland

Die Malletlok beim Wasser fassen - Harald Rossa
Die Malletlok beim Wasser fassen - Harald Rossa
Der Brocken ist die höchste Erhebung in Norddeutschland. Viele Menschen kommen auf vielen Wegen hier oben zusammen. Den bequemsten Aufstieg bietet die Brockenbahn.

Als Blocksberg kennt fast jedes Kind den Brocken im Harz. Seit Jahrhunderten gibt es schauderhafte Geschichten von dem oft in Nebel und Wolken gehüllten Berg. Von Hexen, Teufeln, Kobolden und anderen Gestalten auf dem Berg wurde berichtet. Selbst Goethe half mit dem „Faust“ bei der Verbreitung Mythen um den Brocken. Die Geschichte vom Überflug der Hexen vom Hexentanzplatz bei Thale zum Brocken schuf die „Brockenhexe" als Symbolfigur für den Harz. Und die kann heute im Harz an fast jeder Ecke erworben werden. Doch Handarbeit ist selten geworden. Die meisten Harzhexen von heute stammen aus China.

Brockenbahn startet im Bahnhof Wernigerode

Wernigerode Gleis 31. Der Traditionszug der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) aus 4 nostalgischen Personenwagen steht bereit. Aber noch fehlt die Lok. Die ist bei dem Bansen der Bekohlungsanlage zu entdecken. Dort wird die Lok mit reichlich Kohle versorgt.

Dann rollt sie heran, das herausgeputzte Prachtstück einer Malletlok mit der Betriebsnummer 99 5901. Im Jahr 1897 verließ diese Lokomotive mit der Baunummer 258 die Arnold Jung Lokomotivfabrik im siegerländischen Jungenthal. Sie gehörte zur Erstausstattung der Bahnen im Harz und verrichtet immer noch treu und brav ihren Dienst. Und das auch auf der schweren und steilen Strecke zum Brocken.

Pünktlich gibt es das Signal zur Abfahrt. Dampf und Rauch steigt auf. Zischend bringt das Dampfross seine 270 Pferdestärken auf Trab.

Auf der Harzquerbahn nach Drei Annen Hohne

Schon nach wenigen Metern gibt es den ersten Halt am Bahnhof Westerntor. Hier befinden sich die ausgedehnten Anlagen des Betriebswerkes der Harzer Schmalspurbahnen, das für die Pflege und Instandhaltung des rollenden Materials der Bahngesellschaft sorgt.

Von nun an geht’s bergauf. Am Campus der Hochschule Harz vorbei. Für den wurde extra ein Bahnhof eingerichtet. So wird darüber gelästert, dass diese Hochschule als Einzige in Deutschland einen Schmalspurbahnhof habe. Aber besser einen Schmalspurbahnhof als gar keine Verbindung zur Welt.

Inzwischen merken die Passagiere, was historisch und nostalgisch heißt. Es ist eng in den Abteilen. Die Sitzflächen sind für die Wohlstandskinder von heute recht knapp bemessen. Der Sitzabstand ist klein. Niemand weiß so recht, wo er seine Füße lassen soll, ohne dem Gegenüber auf dieselben zu treten. Also machen sich die Frischluftfanatiker auf und erleben den Rest der Reise von den offenen Plattformen der historischen Wagen aus.

Weiter geht es, teilweise mitten auf der Straße und ganz dicht an den Wohnhäusern vorbei, durch Hasserode. Die hiesige Brauerei hat ihren Betrieb inzwischen in neue Gebäude verlegt. Dafür entstand hier der Hasseröder Ferienpark.

Nun geht es in den Wald. Hinauf zur Steinernen Renne. Hier bietet die Trasse der Harzquerbahn eine besonders eng geratene Kurve mit einem Bogenhalbmesser von 60 Metern. Da würden die meisten Fahrzeuge der großen Eisenbahnen aus den Schienen springen. Aber die hier eingesetzten Fahrzeuge meistern diesen engen Bogen ohne Murren. Schließlich wird der einzige Tunnel auf der Strecke passiert. Qualm und Rauch dringt in die Abteile. Aber schon nach guten 70 Metern kommt wieder die frische Waldluft herein. Dann wird Drei Annen Hohne erreicht.

Weiter mit der Brockenbahn

Der Sonderzug muss hier einige Minuten Pause einlegen. Die eingleisigen Strecken sind dicht befahren. Ein Sonderzug passt da nicht reibungslos hinein.

Im Bahnhof Drei Annen Hohne zweigt die Brockenbahn von der Harzquerbahn ab. Schon kurz nach der Ausfahrt ist die größere Steigung durch die lauter werdende Lokomotive zu spüren. Nach wenigen Minuten ist Schierke, der einzige Unterwegsbahnhof an der Brockenbahn erreicht. Und hier gehört das Warten auf den Gegenzug zum Vergnügen. Denn nicht nur der musste abgewartet werden. Sondern der Sonderzug stand dem planmäßigen Zug im Weg und machte zur Freude der vielen Fotografen sogar noch eine Rangierfahrt extra. Und andere Fahrgäste probierten hier am Sitz des Stammhauses den Kräuterbitter Schierker Feuerstein.

Dann geht es zum endlos langen Aufstieg zum Bahnhof Brocken. Der direkte Weg von Schierke auf den Brocken ist nicht lang. Aber für die Eisenbahn viel zu steil. Also fährt die eine großen Bogen um den Berg und erreicht nach 45 Minuten und 14 km Strecke den Bahnhof Brocken auf der Höhe von 1125 Metern über Normal Null.

Auf dem Brocken

Hier oben, mitten im Nationalpark Harz, kommt kein Gefühl der Einsamkeit auf. Die Brockenbahn hat diesen Morgen schon viele Menschen hier hinauf gebracht. Und ganz viele kamen auch als Wanderer herauf. Über die Straße, durch den Hang von Schierke aus oder über die Wanderpiste des Goethewegs von Torfhaus.

Aber der Blick von hier entschädigt für den Trubel. Sofern das Wetter mitspielt liegt die Norddeutsche Tiefebene dem Betrachter zu Füßen.

Schließlich rollt der Sonderzug wieder hinab. Die Rückreise geht immer bergab und daher ein ganzes Stückchen flotter als die Fahrt auf den Berg. Im Tal lädt Wernigerode, die bunte Stadt am Harz, zu weiteren Erkundungen.