Mit wachen Augen durch Natur- und Landschaftsschutzgebiete

Lungen-Enzian - Kadereit
Lungen-Enzian - Kadereit
Bei der rheinischen Großstadt Remscheid besteht der überwiegende Teil der Flächen aus Schutzgebieten, wo viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen leben.

Obwohl die Bezeichnung „Stadt im Grünen“ eigentlich für den Remscheider Stadtteil Lüttringhausen gilt, braucht sich aber auch Lennep keinesfalls dahinter zu verstecken. Die weitreichenden Grünflächen laden immer wieder zu einem Rundgang durch die Natur ein. Vor allem bei sonnigem Wetter lohnt es sich, durch das reizvolle Tal des Panzerbachs zu spazieren. Am Weg liegt die Panzer-Talsperre, die zweitälteste Trinkwassertalsperre Deutschlands, aus der ehemals die Stadt Lennep ihr Trinkwasser bezog. Der Wall zwischen Vorsperre und auch die Sperrmauer selbst sollen in Kürze saniert werden. Weil die Anlage als Baudenkmal daran erinnert, wie sich eine Kreisstadt versorgte, wird hier vom Wupperverband eine Menge investiert. Der Panzerbach fließt unterhalb der Sperrmauer vorbei an Hasenberg und in Richtung Wuppertalsperre. Er ist somit indirekt ein Nebengewässer der Wupper.

Auf dem Weg durch das Panzerbachtal

Ein Diplom-Biologe der „Biologischen Station Mittlere Wupper“ hat sich Zeit genommen und hält auf einem kleinen Ausflug nach botanischen Raritäten Ausschau. Unterwegs kann man viele Grasfrösche beobachten, die sich vor dem Fuß des Spaziergängers in Sicherheit bringen. Weniger ängstlich dagegen sind die blauen Libellen, die massenhaft an den Gräsern sitzen oder sich in den Feuchtgebieten geschickt schwirrend, mit abruptem Richtungswechsel und erstaunlichem Tempo voran bewegen. Vor allem aber die Flora ist im Panzerbachtal recht reizvoll. Erfreulich ist zu vermerken, dass hier sowohl das die Haut reizende Herkuleskraut als auch das Drüsige Springkraut - ebenso als „Wupperorchidee“ bekannt - hier bisher keinen Einzug gehalten haben. Dadurch fällt es vor allem niedrigeren Pflanzen leicht, sich zu behaupten.

Botanische Raritäten

An geschützten Stellen lässt sich der „Teufelsabbiss“ finden, eine in lila blühende Art der Skabiose, die im hiesigen Raum seltener geworden ist. Auch das Niederliegende Johanniskraut, eigentlich nur eine Miniaturausgabe des weit verbreiteten „Echten Johanniskrauts“, findet sich unterwegs. An manchen sonnigen Stellen ist vom aufmerksamen Auge das Sumpfhelmkraut zu entdecken, das mit seinen blauen, unauffälligen Blütchen bei uns nur etwa 15 cm hoch wächst. Am Rande fallen auch die weißen Blüten der Wasserschafgarbe auf. Als Knüller bei dem kleinen Exkurs jedoch erweist sich der Lungen-Enzian. Die in kräftigem Blau blühende niedrige Pflanze ist wirklich nur schwer wahrzunehmen.

Blau blüht der Enzian

Da ist schon ein neugieriges und geschultes Auge gefragt, denn man muss zur rechten Zeit kommen, um das kräftige Blau zwischen hohen Gräsern zu entdecken. Diese Pflanzenart steht unter Naturschutz und ist in Remscheid vom Aussterben bedroht. Da ist es schon gut, wenn niemand versehentlich auf diese botanische Rarität tritt. Damit die Pflanze sich gegen die anderen Gewächse durchsetzen kann und nicht dahin vegetiert, wird von der Biologischen Station regelmäßig das Gras gemäht. Freiwillige Helfer kommen zu diesem Zweck regelmäßig hinzu.

Aber auch eine Reihe weiterer vom Aussterben bedrohter Pflanzen findet mitten in der Großstadt Reservate, in denen sie sich sogar ausdehnen können. Auch zwei Orchideenarten gibt es ebenso wie den Schild-Wasserhahnenfuß, das Zittergras, die Teichkanne und den seltenen Buchenspargel - einen recht unscheinbaren Schmarotzer.

Grün wird groß geschrieben

Die Großstadt Remscheid umfasst eine Fläche von insgesamt 75 qkm. Lennep ist daran mit 27,5 qkm und somit etwa 37% beteiligt. Auf das Stadtgebiet verteilt liegen 23 Naturschutzgebiete. Sie machen fast 10% der Fläche aus. Weitere 60% der Gesamtfläche sind laut Wikipedia als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Bei einem Blick auf den Stadtplan erkennt man die riesige „grüne Lunge“ Remscheids.

Hans Kadereit, Autor aus Remscheid, Bildrechte bei Hans Kadereit

Hans Kadereit - Seit 1974 bin ich journalistisch tätig, habe für Wochenzeitungen, aber gelegentlich auch für Tageszeitungen und das Radio ...

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