Mitarbeiter führen, heißt Menschen verstehen

Nur wer weiß, wie und warum sich Menschen in bestimmten Situationen typischer Weise verhalten, kann sie beruflich dazu bringen, sich voll einzusetzen.

Menschen dazu zu motivieren, so zu handeln, wie es sich der Vorgesetzte vorstellt, ist eine der schwierigsten unternehmerischen Aufgaben überhaupt. Die Bereitschaft, die eigenen Interessen zu vernachlässigen und sich „selbstlos“ voll in eine – durch Andere gesteuerte – Aufgabe einzubringen widerspricht ganz offensichtlich der menschlichen Natur. Nicht das „einbringen“ – das tun Menschen schon, seit es sie überhaupt gibt – sondern das „selbstlos“.

Im Grunde tun Menschen nur die Dinge mit großer Begeisterung, von denen sie sich einen Nutzen versprechen. Je nach Naturell kann dieser Anreiz ganz unterschiedlich sein – Geld, Status, Anerkennung, Selbstverwirklichung, oder auch nur ein faules Leben unter Palmen mit Sonne, Mädels und eisgekühlten Drinks. Denken Sie nur an den biederen Oberbuchhalter, der in seinem Job nur noch Dienst nach Vorschriften macht, sich hinter Arbeitsanweisungen verschanzt wie hinter einem Schützengraben und der ungefähr genauso viele kreative Ideen entwickelt, wie ein Gesundheitsminister bei dem Versuch, unser marodes Gesundheitssystem mit frischem Leben zu erfüllen.

Privat kann dieser Mensch in seinem Faschingsverein monatelang an seinem Auftritt basteln, die tollsten Gags erfinden, sich mit List und Tücke gegen die vielen Vereinskollegen durchsetzen, die ebenfalls in der Prunksitzung auftreten wollen und fühlt sich dabei auch noch so richtig wohl.

Anerkennung und Freude führen zu Höchstleistungen

In der Firma ist er eine graue Maus, die von niemandem so richtig geschätzt wird, Dienst nach Vorschrift macht und dessen verhärmten Gesichtszüge sich allenfalls dann zu einem Lächeln versteigen, wenn er wieder einen Abteilungsleiter bei einer Budgetüberschreitung ertappt hat.

Im Verein ist er der anerkannte Star, kann auf der Bühne in eine ganz andere Rolle schlüpfen und bei dem Versuch, sich diese Anerkennung zu erhalten, entwickelt er plötzlich Fähigkeiten, die zwar in ihm schlummern, die er beruflich aber nie einsetzen würde. Allerdings haben seine Buchhaltungskolleginnen auch nicht so hübsche Beine wie die Mädels aus der Prinzengarde. Würden seine Chefs es schaffen, ihm im Unternehmen Rahmenbedingungen zu verschaffen, in denen er sich ähnlich gut entfalten könnte, würde er sich in seiner Abteilung genauso voll einsetzten, wie bisher nur in seiner Freizeit.

In jedem von uns steckt noch ein kleiner Neandertaler

Da die Menschheit entwicklungsgeschichtlich noch auf dem Stand des homo sapiens vor 60.000 Jahren ist – lediglich unser Gehirn ist in der Zwischenzeit ein wenig geschrumpft – empfiehlt es sich, bei der Beurteilung menschlichen Verhaltens, ein wenig in die Vergangenheit zu schauen. Unsere Vorfahren zogen in Sippen durch die Savanne, waren Jäger und Sammler und das Überleb en des Einzelnen hing davon ab, wie gut es der Gemeinschaft gelang, sich an die Gegebenheiten ihrer Umgebung anzupassen. Durchaus vergleichbar mit einem Unternehmen, dass sich in seinem Markt im harten Wettbewerb mit Anderen durchsetzen muss.

Die für ein Überleben der Gruppe notwendigen Aufgaben wurden so verteilt, dass jeder das übernahm, wozu er – aufgrund körperlicher oder geistiger Veranlagung – am besten geeignet war. Die Anerkennung der Anderen und die tägliche Nahrungsversorgung waren dann ausreichender Ansporn, sich voll für die Sippe – damit aber auch gleichzeitig für das eigene Wohl – einzusetzen.

Einigendes Element für alle war der harte Kampf ums Überleben und das Bewusstsein, auf Gedeih und Verderb auf die anderen Gruppenmitglieder angewiesen zu sein. Da man auch nicht ohne weiteres die Sippe wechseln konnte, war man gezwungen, Konflikte so beizulegen, dass man sich am nächsten Tag bei der gemeinsamen Jagd keine Gedanken machen musste, ob nicht vielleicht ein Speer, statt auf einen Mammut, auf den eigenen Rücken gerichtet sein könnte. Heute bezeichnet man so etwas als „Teamgeist“, „Wir – Gefühl“ und Gruppendruck.

Die Führung bestimmt Erfolg oder Misserfolg

Von besonderer Bedeutung für das Überleben der Gemeinschaft war auch damals schon die Person des Anführers. Ein von einem weiblichen Gruppenmitglied falsch zusammengenähtes Tier Fell konnte dir Gruppe zur Not noch verschmerzen, aber eine falsche Aufstellung der Jäger bei der Mammut Jagd konnte unmittelbar zu Tod, Verletzungen und Hunger führen. Der reine Überlebensinstinkt führte also dazu, dass in diese Position immer nur der „Beste“ gewählt wurde. Viele würden sich sehr wünschen, dass dies auch heute noch so wäre, haben aber – im Hinblick auf leidvolle Erfahrung mit Vorgesetzten, die sie im Laufen ihres Berufslebens gesammelt haben – so ihre Zweifel.

Wichtige Führungseigenschaften waren auch damals schon taktische Begabung, Organisationstalent, Durchsetzungsfähigkeit, natürliche Autorität und die geschickte Anpassung an die Umgebung – alles Fähigkeiten, die auch heute noch über Erfolg oder Misserfolg einer Organisation entscheiden.

Stellen Sie sich einmal eine urzeitliche Sippe vor, die von Ihrem Anführer in eine unwirtliche Umgebung, ohne Wild und essbare Pflanzen geführt wurde. Also eine Situation, die heute eintreten würde, wenn eine Unternehmensleitung in einen Markt investiert, in dem es nicht genügend Nachfrage gibt.Unsere Vorfahren hätten sofort erkannt, wer für diese missliche Lage verantwortlich ist und hätten sich schnell von Ihrem unfähigen Anführer getrennt. Je nach Naturell entweder durch Degradierung zum einfachen Jäger, oder indem sie ihn als Nahrungsreserve bis zur Erreichung besserer Jagdgründe verwendet hätten.

Saniert wird oft in der falschen Richtung

Heute würde eine Unternehmensberatung hinzugezogen, die schnell zu dem Schluss käme, dass Ursache für die Misere eine im Verhältnis zum Nahrungsangebot (den Umsätzen) zu große Zahl an Sippen (Belegschafts-) Mitgliedern ist. Man würde also so viele Gruppenmitglieder abbauen, bis der Rest wieder ernährt werden könnte. Dass dieser Reduktion vor allem diejenigen zum Opfer fallen, die an diesem Unglück völlig unschuldig sind, versteht sich von selbst. Dass der Anführer, der unseren vorzeitlichen Berater ja engagiert hat, unter den Überlebenden sein wird – und damit weiterhin Unheil anrichten kann – ist genauso selbstverständlich.

Mit „Management by Neandertal“ zu größeren Unternehmenserfolgen

Die Erfolgsfaktoren, die jahrtausendelang das Überleben der menschlichen Rasse gesichert haben, sind auch heute für Ihr Unternehmen noch gültig, insbesondere:

  • eine Führung, die für Fehlentscheidungen persönlich zur Verantwortung gezogen wird
  • gemeinsame, für Jeden transparente Ziele
  • Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten
  • Anerkennung/Belohnung für herausragende Leistungen
  • überschaubare Teams, in denen jeder den Anderen kennt

Es wäre doch gelacht, wenn sich damit Ihr gelangweiltes Team eigensüchtiger Egomanen nicht in kürzester Zeit in hart gesottene Kämpfer für eine gemeinsame Sache verwandeln würde. Selbst der längste Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt.

Hans Joachim Bandorf - Seit meinem Studium als Dip. Betriebswirt (FH) war ich über 30 Jahre im Personalmanagement tätig, die letzten Jahre als ...

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